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Sunday, 11. December 2016

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13
Okt
2013

Ist HandsUp tot....?

Beobachtet man das Musikbusiness genau und nicht nur oberflächlich sollte man feststellen, dass Musik im stetigen Wandel ist. In den Jahren 2000-2010 war kein Genre auf dem deutschen elektronischen Musikmarkt so herausstechend wie das HandsUp Genre.

Deutsche Produzenten schafften es mit ihren Tracks in die Verkaufscharts zu kommen, internationale Preise wie den TMF Music Award zu gewinnen (Special D, bester internationaler Dance Act, 2003) oder bei diversen DJ Awards nominiert worden zu sein (The Hitmen in Dänemark, 2006). Compilations wie die FUTURE TRANCE Serie erreichten massive Verkaufszahlen und HandsUp gehörte in jeden Club. Deutsche Produzenten und DJ’s waren national und international unterwegs und füllten kleine und große Events, zogen hunderte – gar tausende Fans. Namen wie eben Special D., Rocco & Bass-T, Megara vs. DJ Lee, Pulsedriver, The Real Booty Babes, Rob Mayth, Brooklyn Bounce und viele andere mehr begeisterten eine große Fangemeinde. Ihre Musik war – obwohl im gleichen Genre zu Hause – sehr unterschiedlich und individuell.

 

Was ist davon geblieben?

Die Zeiten haben sich geändert. Mit den Zeiten das Lebensgefühl der HandsUp-Community. HandsUp hört man kaum noch in den Clubs – wenn dann auf speziellen Veranstaltungen und selbst diese werden kaum noch zufriedenstellend besucht. Schlimmer noch – viele Clubs schließen ihre Pforten – man denke nur an das New Bambu in Neustadt, eines DER HandsUp und Hardtrance Adressen im Norden der Republik. Viele Compilations gibt es nicht mehr und die Future Trance scheint als einziges verbliebenes Flaggschiff auf einem Weg in eine ungewisse Zukunft mit massiven Verkaufseinbrüchen von Ausgabe zu Ausgabe.

Die Fans dieser Musik verstehen die Welt nicht mehr, vermissen die guten Produktionen und beschweren sich bei ihren Idolen der großen HandsUp Ära, weil diese nicht mehr ausschließlich HandsUp produzieren oder sich ganz davon abgewendet haben

 

Doch ist es wirklich so einfach? Warum ist das so?

So einfach ist es natürlich nicht. In einem Interview sagte Björn Ulvaeus (Abba – Megastar und Hitschreiber einer der berühmtesten Gruppen dieser Welt) ganz treffend, dass jede Musikrichtung und jedes Phänomen ihre Zeit hat. Projiziert man diese Aussage auf Musikgenres wird man auch hier feststellen, dass dies schon immer so gewesen ist. Sei es der deutsche Schlager in den 60er Jahren, der Rock/Punk in den 70er, die Neue Deutsche Welle in den 80er Jahren oder der Eurodance der 90er – jedes Genre hatte „seine“ Zeit. Da scheint es doch ganz klar und nachvollziehbar, dass auch der „HandsUp“ seine Zeit haben kann und konnte und das es eine ganz normale Entwicklung ist die man hier live miterlebt oder? Wer kann sich heute noch in den deutschen Verkaufscharts Nummern wie „Ein Bett im Kornfeld“ oder „99 Luftballons“ vorstellen?

Und es ist jetzt nicht die Rede von „na klar – auf Trash Partys oder zu Karneval sind das die Kracher“, nein: Es geht darum, wer sich vorstellen kann jetzt aktuell diese Nummern auf dem Mainfloor neben einer „Martin GarrixAnimals“ zu akzeptieren...Da würde doch jeder mit fragenden Gesichtern zum DJ schauen...

Dazu kommt eine ganz wichtige Komponente: Musikproduktion ist ein Geschäft. Es geht natürlich um Emotionen, um Messages die man transportieren möchte und um Leidenschaft. Doch es geht auch darum, dass man davon als Künstler leben möchte und muss! Alles hat seine Anfänge. Viele Bands und Künstler, viele Produzenten und DJ’s beginnen und begannen ihre Karriere, weil sie eben ihre Leidenschaft leben wollten, sie mit Fans und in Clubs sowie auf Bühnen präsentieren wollten und wollen. Wenn man sich aber jeden Tag damit beschäftigt, eine Fanbase aufbaut und dieser Fanbase auch weiterhin neuen Stoff liefern will, muss man damit auch sein Geld verdienen damit man nicht verhungert. Es muss irgendwas in den Kühlschrank. Die Technik entwickelt sich weiter und diese Technik hat auch ihren Preis.

Es ist einfach unverständlich, wie einige „Fans“ dies komplett ausklammern und mit teilweise bitterbösen Kommentaren auf Produzenten dank des anonymen Internets einhämmern ohne nur ein bisschen an diese Umstände zu denken.

Der Markt verändert sich – wie anfangs schon gesagt – stetig. Geschmäcker ändern sich. Was gerade im HandsUp Bereich auffällt ist die fehlende Akzeptanz der Fanbase.

Neue Stile werden nicht akzeptiert. Die Produzenten müssen sich ständig anhören, dass sie machen sollen wie „damals“. Und hört man auf die „Fans“ bekommt man prompt Kritiken zu hören, die sagen „boah, das klingt ja schon wieder wie damals“. Was also machen? Geht man auf die HandsUp Partys hört man im Jahr 2013 die gleichen Tracks wie 2006. „Like I Love You“, „Cold As Ice“ oder „Mr. Vain“ – letztere waren schon im Jahr 2006 HandsUp Klassiker.

 

Wann kommt die Einsicht, dass die Hochzeit dieses Genres längst vorbei ist?

Spätestens wo einer der HandsUp Urgesteine – Special D. gerade seine neue Single auf dem Markt hat (Discoland) und in den Verkaufscharts nicht mal mehr in den Trends zu entdecken ist oder in den Dance Charts unter „ferner liefen“ kursiert müssen sich die HandsUp Fans fragen, was da falsch läuft, wenn HandsUp doch „die“ Musik ist?

 

Es gibt einen weiteren weisen Spruch: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Wieviel Wahrheit steckt dahinter?

Künstler definieren sich ständig neu. Wenn man über den Tellerrand des HandsUp Genres hinausschaut wird man entdecken, wie Künstler, die noch immer sehr erfolgreich um die Welt touren selbst immer neu klingen. Denkt man da nur an aktuelle Beispiele wie Britney Spears oder Will.I.AM, der mit den Black Eyed Peas damals mit „Where Is The Love“ angefangen hat und heute mit top aktueller Clubmusik seit Monaten alle Mainfloors zum beben bringt. Weitere große Namen gerade in der EDM Szene die durch einen Wechsel der Musikrichtung neue Wege gehen sind zum Beispiel Showtek, die von Hardstyle zu Progressive House gewechselt sind. Kaum zu glauben aber wahr: Größen wie W&W oder selbst TIESTO klingen heute komplett anders als in den 2000ern. Selbst Avicii musste in Miami mit Buh-Rufen leben, als er auf der Bühne neue Wege ging und eine Band ein neuartiges, unbekanntes Lied spielte was keiner Verstand: „Wake Me Up“...Was mussten sie von ihren „Fans“ erleben und einstecken. Doch wohin hat dieser Wechsel der Musik geführt? Genau: sie sind berühmter als sie es je waren. Gerade die Electro-Acts füllen heutzutage Stadien, Festivals wie das Tomorrowland Festival bringen Millionen Menschen an (Youtube-)Bildschirme oder zusammen. Im Gegensatz dazu stehen HandsUp DJ’s, die vor Jahren die Hallen füllten vor leeren Mainfloors. Gäbe es noch die Fans in der Größenordnung wie es das vor 10 Jahren der Fall war, würden keine Clubs sterben, würde sich die Future Trance noch immer in einer riesen Größenordnung verkaufen, würde es etliche HandsUp Partys geben und die deutschen Produzenten und DJ’s wären noch immer unterwegs.

Die Realität sieht anders aus: Aus den Boxen schallen Hardwell, Avicii, Showtek und kein Starsplash, Hitmen oder Pulsedriver.

 

Wie jetzt weiter?

Künstler in und aus Deutschland haben – wie auch die oben genannten nur die Wahl zwischen „wir machen so weiter wie 2003 oder 2006, klingen weiter so aber werden damit nicht überleben“ oder sie entwickeln sich weiter.

Wenn dies von der Fanbase akzeptiert werden würde, wäre allen sehr viel geholfen. Produzenten und DJ’s wollen ihre Passion weiter leben – doch dafür müssen sie mit der Zeit gehen. Da hilft es wenig, wenn sie sich für ihre Entwicklung ständig die bösesten Buh-Rufe anhören müssen die zu allermeist von sogenannten „Fans“ am lautesten kommuniziert werden, die sich nicht einen der produzierten Tracks legal kaufen, sondern fleißig illegal downloaden.

Selbst die Künstler, die ihren Fans zuliebe noch HandsUp-Mixe zu ihren Paketen beisteuern werden seltenst dafür gelobt. Im Gegenteil. Selbst diese Mühe wird durch böse Kritik getadelt. Musikportale, die unentgeltlich für die Szene Informationen bereitstellen und dann von HandsUp offener geworden sind und nun auch andere Kategorien anbieten mussten sich böse Kritiken anhören. Nur was ist daraus geworden? Aus prophezeiten „wir gehen alle weg, drehen Euch den Rücken zu – dann werdet ihr bald nicht mehr da sein“ wurde eine Erfolgsgeschichte. Solche Plattformen erfreuen sich schlagartig mehr Beliebtheit als jemals zuvor.

 

HandsUp ist NICHT tot

Nein – HandsUp wird es wohl immer geben. Ambitionierte neue Produzenten tragen das Genre weiter. Labels veröffentlichen weiter dieses schöne HandsUp Genre, was so viele Jahre eine so große Masse begeistert hat und immer noch begeistert, wenn auch nicht mehr die Masse wie vor 10 Jahren. Vielleicht ist HandsUp nicht mehr das vorherrschende Genre in den Diskotheken dieser Republik, doch es gibt sie noch: die Partys mit vielen Tausend Liebhabern. Und wenn es nur 2 oder 3 mal im Jahr so große Events geben wird – hier lebt diese Musikrichtung! Viele Radiosender wie Techno4ever oder Technobase.fm spielen 24 Stunden in den Spartenkanälen für eben alle HandsUpper und das ist auch gut so!

Nur sollte allen Fans auch klar sein, dass es nur weiterhin motivierte Produzenten und DJ’s geben kann, wenn man ihnen die Freiheit lässt zu machen was SIE wollen und ihnen nicht aufdiktieren was sie tun sollen. So lässt man ihnen Luft zum atmen die man braucht um kreativ zu sein.

Wenn sie sich weiterentwickeln und neue Wege gehen sollte das akzeptiert werden.

Gerne verweisen wir hier auf unser Interview mit SHOWTEK, die sich sehr treffend zum Thema „Imagewandel“ und was sie den Fans sagen wollen, die auf ihre Hardstyle Hits gefeiert haben äußerten.

Wenn sie weiterhin an ihre treuen HandsUp Fans denken – durch HandsUp Mixe zu ihren neuen Produktionen sollte man sich freuen und nicht dagegen schießen denn das wird keinen motivieren weiter etwas in dieser Richtung zu tun. Zu guter letzt kann man dieses Genre unterstützen indem man diese Musik LEGAL KAUFT. Jeder kennt den Vergleich mit dem Bäcker und den Brötchen. Auch wenn es möglich ist – legal ist es dennoch nicht, wenn man für eine Leistung nicht bezahlt.

Hits aus der HandsUp Zeit – und davon gibt es so viele – sollen auch weiterhin in den Köpfen schwirren. Neue Tracks – und davon gibt es auch viele – sollen angenommen und gekauft werden...und auch wenn die Partys weniger werden...wenn es sie dann gibt, dann auch mit voller Energie!

Genau wie es auch noch immer Happy Hardcore Partys gibt und immer geben wird kann man am Ende konstatieren: HandsUp will never Die :)

Was ist es eure Meinung zu dem Thema?

HandsUp ist tot....?

 



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