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Sunday, 04. December 2016

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01
Apr
2015

Kolumne von Sinan Kurtulus

Der Spirit von House & Techno

Er funktioniert auch beim Mainstream Publikum - seit 2009 legen mein Kollege Gimbal und ich (Sinan) jährlich auf einer der größten Abitur-Feiern NRWs auf – der Final Party in Bonn Bad Godesberg. Um es allen Party-Gästen halbwegs gerecht zu machen, gibt es natürlich mehrere Floors. Traditionell kümmern wir uns bei diesem Event um den sogenannten "House" & "Electro" Floor.

Der Spirit von House & Techno

 

Erfahrung beim Feiern

In all den Jahren sind Trends im EDM Bereich gekommen und gegangen. War 2009 noch "Dirty Dutch" der Bringer, so wird 2015 auf "Festival Sound" oder auch "Bigroom EDM" gefeiert. Durch den großen Erfolg der elektronischen Tanzmusik gerade im Mainstream in den letzten Jahren, konnten sich sogar mehrere Richtungen gleichzeitig etablieren. "Deep-" und "Future-House" sind dank Robin Schulz und Oliver Heldens ebenfalls in den Köpfen der Partygäste verankert, so dass man ein breites Spektrum an elektronischen Beats zur Verfügung hat um die Menschen in Tanzlaune zu bringen.

Allerdings sind Gimbal & Ich bekannt dafür es unserem Publikum nicht ganz so leicht zu machen. Natürlich wäre es einfach die jeweiligen Hits der oben genannten Sub-Genre zu spielen und so ein "Yeah" oder "Juhu, das kenn Ich" zu ernten. Für viele Party-Gäste wäre es dann rückblickend ein gelungener Abend gewesen. All die schönen Lieder die sie vermutlich aus Ihrer Spotify oder Itunes Playlist kennen, hätten sie am Abend zum Feiern hören können. Doch die wichtigste Erfahrung beim Feiern auf elektronische Tanzmusik hätten sie dann vermutlich nicht gemacht.

Gimbal & Sinan

Bild: philadam.de

 

Magischen Momente

Egal welche Final Party der letzten 6 Jahre wir heraus nehmen, was wir erleben ist jedes mal identisch. Die magischen Momente eines Abends, das unbeschreibliche Gefühl welches House- und Techno auslösen können, das passiert nicht bei Oliver Heldens, Robin Schulz oder David Guetta. Es sind die unbekannten und unscheinbaren sich immer wiederholenden Beats, die das ultimative High-Gefühl beim tanzwilligen Volk auslösen. Tracks die niemals im Radio laufen würden. Tracks die auf einem kleinen Kopfhörer gespeist vom Smartphone deplatziert und wirkungslos erscheinen. Diese Tracks sind es, welche die Energie von House und Techno transportieren.

In DJ Kreisen auch häufig "Tools" genannt, bilden sie den Grundstein eines seit Jahrzehnten erfolgreichen Fundaments. Solche Tools sind bescheiden. Sie wollen gar keine Hits sein. Sie sehen sich als Teil des Ganzen und konzentrieren sich voll und ganz auf Ihre Wirkung. Eine knackige Kickdrum, treibende Percussions und ein mitreißender Bass – mehr braucht ein gutes Tool nicht. Obwohl die Wirkung eines guten Tools die eines bekannten Hits vollkommen in den Schatten stellen kann, ist der Dank für den Produzenten meist minimal. Die wenigsten kennen die Tools mit Namen. Es liegt in der Natur der Sache, dass man sich Tools auch nur schwer merken kann – es fehlen eben markante Punkte wie eingängige Melodien oder Gesang. Wirtschaftlich ist ein Tool für den Produzenten meistens nicht sehr lohnenswert. Aber vielleicht wirkt gerade dadurch das Tool so ehrlich und sympathisch.

 

Secret Weapons & gute DJs

Gute DJs wissen das natürlich. Sie haben etliche "Tools" oder "Secret Weapons" im Gepäck. Tracks die keiner oder nur wenige kennen und dennoch im richtigen Moment gezündet, das Publikum in Ekstase versetzen können.

Solche Tracks zu spielen erfordert einen gewissen Mut. Man bewegt sich nicht mehr in der Komfort-Zone. Der DJ betritt mit seinem Publikum neuen und unbekannten Raum. Sowas muss gut eingeleitet werden und behutsam von statten gehen. Und dennoch, während eines einzigen Abends kann man selbst jungen Abitur-Gästen (17-18 Jahre alt) die Welt von House & Techno näher bringen. Spätestens wenn auf der Final-Party junge Menschen auf 134 BPM Tribal Techno feiern, den sie zuvor wahrscheinlich noch nie in Ihrem Leben gehört haben, weiß man: Der Spirit von House & Techno ist hier angekommen. Tools sei Dank! Beispiel Tool: Dieser Song hat alles gekilled! 

 

 



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