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Friday, 09. December 2016

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19
Jul
2016

Das größte Festival des Nordens im Rückblick

Airbeat One 2016 » Review

Am vergangenen Wochenende (14. - 17. Juli 2016) fand in Neustadt-Glewe das wohl größte EDM-Festival im Norden statt: Das Airbeat One. Knapp 40.000 Leute besuchten das 4-tägige Event, welches auf dem dortigen Privat-Flughafen ablief. Mit dabei waren über 120 DJs der verschiedensten Genres auf unterschiedlichen Bühnen, von Dimitri Vegas & Like Mike, über Alesso, bis hin zu Lost Frequencies und Brennan Heart. Die Diesjährige, war bereits die 15 Ausgaben des Festivals und in wieweit diese zu einer Besonderen wurde, erfahrt ihr im Folgenden.


Airbeat One: Von 1000 zu 40.000

Erstmals stattgefunden, hat das Festival im Jahr 2002 mit einer Handvoll Besuchern. Auf dem Schild über dem Eingangsbereich stand zu dem Zeitpunkt jedoch nicht „Airbeat-“ sondern „Airbase One“. Der Name wurde jedoch zum Folgejahr aus Copyright-Gründen umbenannt. Während die Musik zu dem Zeitpunkt noch den Trance-Bereich abdeckte, wuchs das Festival rasch an und auch die Namen der DJs kannte man mehr und mehr aus dem kommerzielleren Musik-Bereich.

2013 traten erstmals international bekannte Musiker wie Steve Aoki, Dimitri Vegas & Like Mike oder Alesso auf der Mainstage auf. Allein von 2015 bis 2016 stiegen die Besucherzahlen um knapp 60% und erstmals bestand das Line-Up beinahe ausschließlich aus Namen, die jedem bekannt waren, so debütierten Blasterjaxx, W&W oder Martin Solveig auf der Hauptbühne. (DJ Line-Up) Die Crowd bestand aus Besuchern aus aller Welt, die teilweise aus Neuseeland, Kanada oder Japan anreisten.


Jubiläumsausgabe 2016: Was hatte es zu bieten?

Airbeat One 2016Bild: LorenzoTnc | www.facebook.com/airbeatoneDie 2016er Ausgabe startete für den Großteil der Besucher bereits am Mittwoch, an dem der Campingplatz öffnete. Zudem traten im VIP-Bereich bereits die ersten DJs auf. Dazu gehörten Max Fail und Golden Toys, die zwar noch keine allzu große Fan-Gemeinde, aber dennoch durchaus einiges an Qualität aufweisen können. Die vertretenden Musikstile reichten von Deep-, über Electro-  bis hin zu Groove-House. Die Bühne trug den Namen VIP-Waterworld und befand sich unmittelbar an einem großen Pool.

Am Donnerstag traf der Rest der Besitzer eines Full-Weekend-Pass‘ ein. Auch hier staute es sich vor dem Check in, lediglich die, von unter anderem Feierreisen und Goa-Express organisierten Party-Busse gelangten ohne Wartezeit auf das Gelände. Vom Check in, bis zum Festival-Gelände war es ein weiter Weg, vorbei an Ess-, Souvenier- sowie Tattoo-, und Piercing-Ständen. Zudem war ein Truck zu finden, der einen Vorabblick auf die PlayStation Virtual-Reality gewährte. Auch stromversorgte Safeboxen, eine BMX-Bahn sowie ein Bällebad wurden angeboten.

Das Festival-Gelände öffnete um 18:00 mit Mike Williams und bereits unmittelbar vorher konnte man erste Einsätzen der Notärzte vor dem Gate beobachten – Grund: Übermäßiger Alkoholkonsum. Ebenfalls öffneten das Riesenrad, das Kettenkarussell, der Bungeejumping-Kran und die weiteren Attraktionen. Während Williams Auftritt erkannte man schnell, was die Mainstage darstellen sollte. Im letzten Jahr stellte sie passend zum Thema „Rom“ ein Kolosseum dar, dieses Jahr passend zum Thema „Reiseziel Asien“, eine werbetafelbesetzte Metropole. Die Stimmung war sofort ganz oben.

Die Besucher begannen trotz des eher wenige überzeugenden Wetter herumzuspringen und zu feiern. Einen ebenfalls senkrechten Start legte die Q-Dance-Stage ab. Spätestens zu Code-Black war die Tanzfläche bis ganz hinten vollständig ausgefüllt. Wie im Vorjahr half MC Villian mit Vocals aus, um die Stimmung ganz oben zu halten. Auch die Genres der Mainstage waren großartig auf einander abgestimmt. Von Don Diablo ging es um 22:00 Uhr vom Future-House über zu den etwas kommerzielleren Nervo-Zwillingen und dann direkt weiter zum Electro-House-lastigen Laidback Luke. Die Sets endeten jeweils mit Luftschlangen, Flammen und großartigen Licht- und Lasereffekten. Im Terminal-Zelt hielten parallel Deep-House-Projekte wie Gestört aber GeiL oder Alle Farben die Stimmung auf Trapp.


Gänsehautmomente

Besuch von Festivals ist gesundSpätestens um 01:00, zu Beginn des Alesso-Sets, fanden sich die letzten, noch nicht das Festival-Gelände passierten Gäste vor der Mainstage wieder. Trotz einer eher mittelmäßigen Liedauswahl sorgten „Calling (Lose My Mind)“, „Heroes (We Could Be)“ oder eine sehr ruhige Version von „If I Lose Myself“ für Gänsehautmomente. Der anschließende DVBBS-Auftritt zerstörte auf gerader Linie. Die Big-Room-, Trap-, sowie auch Bass-House-Freunde wurden voll und ganz bedient. Die Stimmung der Zuschauer war ganz oben, was sich durch die Jungs von Showtek in keinster Weise änderte. Die Brüder holten sich Verstärkung von Sonny Wilson, der dort live „Booyah“ und „Sun Goes Down“ in voller Länge vortrug. Für die meisten bildete dieses den Abschluss des ersten Tages. Auffällig war, dass die Security lediglich stichprobenartig Taschen kontrollierte und wenn es voll wurde, lediglich durchwinkte.

Der Freitag begann bereits früh. Zum einen wurden bereits um 6 Uhr morgens die ersten Ghettoblaster eingeschalten und es ertönten die unterschiedlichsten Musikrichtungen, von Haftbefehl über Survivor bis  hin zu Brennan Heart, zum anderen startete die VIP-Waterworld um 11:00 und die 2nd (Goa)-Stage um 14:00. Mit Jay Frog und Juliet Sikora konnten die VIPs erstmals weit aus bekanntere Musiker betrachten. Auch wenn es clichéhaft klingen mag, konnte man unfreiwillig im Goa-Zelt einen dauerhaften Canabisgeruch wahrnehmen und das Publikum war teils kaum ansprechbar.

Zudem wurden wir keine 10 Minuten später gefragt, ob wir Interesse am Kauf von Alice, Ecstasy oder ähnlichen hätten (mehr zum Thema Drogen und Festivals). Zurück auf dem Festivalgelände, gab es mit den Duschen anfangs jedoch große Probleme, wodurch eine Duschanlage komplett geschlossen wurde und in den verbleibenden teils nur 2 bis 3 funktionierten. Behoben konnten die Probleme bis Sonntag nur bedingt. Im Laufe des Tages gab es mehrere Gewinnaktionen von, unter anderem Emmi Café und Red Bull. Auch die Shuttlebusse, die zu nahegelegene Supermärkte fuhren, waren gut besucht, wodurch unter anderem Edeka und Aldi nahezu eingerannt wurden.


Hardstyle-Melodien

Die verbleibenden drei Stages eröffneten um 18:00 das Feuer. Bis 22:00 zog die Mainstage die Besucher nahezu magisch an und sowohl Terminal-, als auch Goa- und Q-Dance-Stage hatten eine sehr übersichtliche Crowd. Insbesondere die Ostblockschlampen heizten die Stimmung ein und waren mit ihren Champagne-Showers ein erstes Highlight. Tujamo knüpfte direkt an. Parallel zu Danny Avila präsentierte die Q-Dance-Stage mit den Wasted Penguinz den ersten zerstörerischen Act auf ihrer Bühne. Konkurrieren konnten diese jedoch eher minder, da Danny Avila durch ein überragendes Set sehr positiv überraschte. Insbesondere „Now That I’ve Found You“ sorgte für Gänsehaut.

Airbeat One 2016Bild: Steffen Schulze / Airbeat-One MediateamW&W betraten um 23:30 die Bühne und galten nicht nur als einer der Top-Acts des Abends, sondern auch des ganzen Festivals. Neben alten Krachern wie „Bigfoot“ und „Don’t Stop The Madness“, glänzten sie auch durch zahlreiche neue IDs. Lustigerweise dachten sie, sie wären in Hamburg und haben bis zum Ende nicht davon Wind bekommen, dass sie sich eigentlich in Neustadt-Glewe befinden. Afrojack und Tiësto überzeugten insbesondere durch ihre Genre-Variationen und Lichtshow. KSHMR rundete das Ganze letzten Endes durch seine auffällige Bühnenpräsenz, die aus ausgefallenen Bewegungen bestand. Während der überragenden Sets von Atmozfears und Brennan Heart wurde der dort verfügbare Platz praktisch gesprengt. Bis vor den Terminal standen Zuschauer und genossen die euphorischen Hardstyle-Melodien.

Positiv fiel an diesem Abend auf, dass zum einen der Bereich zwischen Bühne und Crowd verringert wurde und zudem ein MC die Stimmung immer wieder auffrischte. Afrojack beugte dies durch den mitgenommen MC Ambush bereits vor.

Der letzte Tag brachte an Aktionen nichts Neues mit sich. Das Wetter startete zwar sehr gut mit viel Sonne, die jedoch auch schnell hinter einer Wolkenfront verschwand. Man merkte zudem jedem die Müdigkeit an und auch die letzten Energiereserven versprachen diesen keine lange Nacht. Die Stages eröffneten wie am Vortag. Der Timetable überzeugte von Beginn an. Die Mainstage war bereits um 19:00 mit Dannic mit einem Top-Act besetzt. Auf der Q-Dance folgten DJ Isaac und Da Tweekaz und um den Terminal kümmerte sich an diesem Abend Kontor Records. Bis zum Feuerwerk um 0:00 zerstörten Blasterjaxx, MOTi und Martin Solveig die Mainstage. Ein Highlight des Terminals boten an diesem Abend die Jungs von Stereoact mit dem Ohrwurm „Die Immer Lacht“ an einem Stück.


Feuerwerk

Das Feuerwerk lockte nahezu alle 40.000 Besucher zur Mainstage. W&Ws Remix zu „Hello“, Dash Berlins Remix zu „Faded“, Brennan Hearts „Lose My Mind“, Vinais „Bounce Generation“ und überraschenderweise „Trancespoting“ vonWrecking Machines stellten eine mehr als perfekte Harmonie zum gigantischen Feuerwerk und traumhafter Lichtshow dar. Die Bühne wurde direkt darauffolgend von Dimitri Vegas & Like Mike übernommen, die mit ihrem Set voll und ganz überzeugten. Zu „Hey Baby“, ihrer kommenden Kollaboration mit Diplo folgte in zweites Feuerwerk und eine großartige Lasershow. Zudem forderte Like Mike zu einem Sit-Down und einem Circle Pit während ihres Welthits „Tremor“ auf.

Airbeat-One   Bild: Steffen Schulze / Airbeat-One MediateamHardstyle und auch Trap ließen sie nicht aus.  Fast ein wenig zu bemitleiden war Lost Frequencies, der vor nur einer Hand voll Zuschauern parallel zu den zwei Belgiern spielte. Auch wenn sie oft in Kritik geraten, kann man nicht verwehren, dass ihr Set eines der Highlights des Festivals war.

Armin van Buuren knüpfte mit seinem Energie geladenen Set nahtlos an und Steve Aoki feuerte mit einer mehr als großartigen Laune und problemlos ersichtlichem Spaß eine Torte nach der anderen ins Publikum. Für positives Aufsehen sorgte der Zeitpunkt, an dem er eine Zuschauerin auf die Bühne bat, um mit ihm einmal gemeinsam hinter dem Mischpult zu stehen und dort mit ihm zum Einsetzen des Drops abzugehen. Nach seinem letzten Lied leerte sich die Tanzfläche rasant.

Jewelz & Sparks beschallten mit ihrem Set ein letztes Mal die Bühne mit hochqualitativen Big-Room, made in Germany. Anzumerken ist, dass man ihre Produktion „Drip“ in gefühlt jedem zweiten Set gehört hat. Zudem waren sie das einzige Duo, während des ganzen Festivals, welches tatsächlich live gescratcht hat. Parallel staute es sich bereits seit Stunden auf dem Campingplatz, da alle auf die glorreiche Idee kamen, direkt nach Dimitri Vegas & Like Mikes Set schnellstmöglich vom Campinggelände runterzufahren und letzten Endes nachher doch in einer Schlange bis zum Festivalgelände warteten.

Spätestens um die Mittagszeit des Folgetages waren alle mit dem Abbau beschäftigt. Bereits jetzt türmten sich Berge an Müll an den verlassenen Campingplätzen, da man für die Entsorgung ja im Vorfeld bezahlt hat. Auch der Abbau der Stages und der Stände wurde direkt eingeleitet. Womit das Festival mehr oder weniger endgültig vorbei war.

 

Fazit: Das Airbeat One konnte durchweg überzeugen. Timetable, Lichtshow, Feuerwerk und alles drum herum konnte überzeugen. Man kann davon ausgehen, dass die Besucherzahlen auch im nächsten Jahr wieder ansteigen werden, da der Support spürbar größer und größer wird. Einzige Negativpunkte waren die nichtfunktionierenden Duschen und die Müllregelung. 

 

 



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