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Thursday, 08. December 2016

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08
Nov
2016

Zwischen Tag und Nacht

Sven Väth - Sound of the 17th Season » [Tracklist + Album Review]

Zum Sun-Downing des Party-Clubbing-Jahres gehört seit 2000 als feste Größe die Mix-Kompilation “The Sound of…”. Handverlesene Tracks, edel vom Meister selbst gemixed, lassen den Hörer immer ein Stück Ibiza (selbst wenn man noch nie dort war) sowie das große Wissen und Können von einem der Urgesteine der elektronischen DJs spüren.


Zwischen Tag und Nacht

Als einer der letzten großen Vinyl-DJs fühlt man eine besonders weite Atmosphäre in seiner Trackauswahl und dem Stimmungsbogen. War es zu Beginn der „The Sound of…“ Serie noch eine CD, sind es mittlerweile zwei Scheiben, die wie ein Live-Set aufgebaut werden, jedoch mit einem sehr breiten Spektrum – von flüsterleise bis pulsierend mächtig. Die Mixe liegen im Übergang zwischen Tag und Nacht. Mit Vogelgezwitscher und einem gefüllten Cocktailglas in der Hand, das man sich vor die Augen hält und die Sonne im Meer versinken sieht, beginnt die erste CD zwischen Downbeat und Ambient. Doch die Stimmung heizt sich langsam auf. Die flackernden Lichter der Tanzfläche unter freiem Himmel lösen die Sonne ab und spätestens ab der zweiten Scheibe muss man grooven. 125 Beats per Minute lassen jeden Tänzer den druckvollen Bass und viele Old-School-Hooklines spüren und in sich aufnehmen. Die nackten Füße tanzen sich, gemeinsam mit den schwingenden Armen, im noch warmen Sand in Trance.

Doch funktioniert Sven Väths Doppel-Album auch im kalten Nordeuropa oder braucht es 27°C, Sonnenmilch und einen Ibiza-43-Glimmer, um die lebendigen und modernen Elektro-Achtziger und Techno-Neunziger spüren zu können? Väths Ausflüge als Booking Agent oder Club-Besitzer zeigen, dass es ihm gelingt, „sein“ Ibiza zu uns zu bringen. Nicht ohne Grund war sein Cocoon-Club in Frankfurt Mitte der 2000er die Club-Adresse für elektronische Musik in Deutschland.


Sven Väths Ibiza

Anders herum hat Sven Väth Ende der 1990er-Jahre erst Ibiza zu der House-und-Techno-Party-Hochburg gemacht, die es heute noch ist. Mit den Cocoon-Partys, die erst um die 1.000 Besucher hatten, war ein neues Party-Konzept geboren. Dabei gehörte die „The Sound of…“ Kompilation, die nun in die siebzehnte Runde geht, zum dazugehörigen Jahresabschluss. Die heutigen 10.000 Leute in den Clubs und die EDM-Stars der Szene sind also eigentlich Väths Kinder. Väth hat sich weiterentwickelt, ist jedoch seinem Stil treu geblieben Klassiker zu nutzen, Frisches zu verknüpfen und dabei tanzbare und schwingende Sets zu schaffen. Dies ist Väth auch einmal mehr mit der 17th Season gelungen. Vielleicht ist er als „Opa“ in der Szene etwas selbstironischer und lockerer dabei durch die Stile zu hüpfen, doch das lässt das Doppel-Album erdig schweben und das ist gut so.


Höreindrücke des Doppel-Albums

Tatsächlich beginnt die erste CD mit Vogelgezwitscher von Harald Björk; Groove und feine, gerade Beats. Mit dem dritten Track zeigt Väth: „hier bin ich“ mit Rhauder. Raggamuffin Dancehall (angedeutet) trifft House. Alex & Digby führen dann in tanzbares, experimentelles Ambiente –  sowas mixed nur der Väth, und es passt. Weiter geht es über Breakbeats und in die 90er. Sehr selbstironisch darf Electrica Salsa mit seinen sterilen Spät-80er-Synthie-Sounds am Ende der ersten CD mitspielen. Roman Flügel hat diesen Klassiker geremixt und gehört selbst zu einem der Künstler, die schon auf der ersten „The Sound of…“ zu hören waren. Den Abschluss bildet Pantha du Prince, die nun ganz 80er Jahre „Chill-Out-Trippin‘ trifft Depeche Mode“ sind.

Die zweite Scheibe wird hitziger, aber nicht weniger eine Hommage an die Achtziger und Neunziger. Redshapes Tel Aviv hüpft mit dem pupsig-knatternden Sound sogar in die Siebziger Synthi-Pop Zeit. Ich wurde sofort an den Disco-Klassiker Popcorn von Hot Butter erinnert – ob das als Qualitätsmerkmal zu deuten ist sei dahingestellt. Weiter geht es durch die Zeiten mit echtem Techno und plötzlich beginnt es zu flirren und old-school Acid Figuren entstehen. Später bleibt man bei einem Synth Riff hängen, das so schön monoton ist, um sich hineinzusteigern (Damian Lazarus) und dann gibt es nochmal die volle Acid-Breitseite (Danny Daze) mit Tempospielchen. Dies bereitet auf Sven Väths eigenen Track Robot als Progressive House Brett aus dem Jahre 1994 vor. Von da ab bleibt das Set auf einem treibenden Niveau aus Techno und  (Deep) House.

Bei dieser Reise durch die Zeit der elektronischen Musik bleibt also kein Wunsch offen. Trotz des Durchjagens durch die Stile empfindet man das gesamte Doppel-Album als stimmig und erfrischend. Es ist musikalischer Geschichtsunterricht und gleichzeitig Work-Out, denn diese Scheibe schreit: „Tanz‘ gefälligst!“


TOP-Five, um Sven Väths "Sound of the 17th Season" zu hören

- Nachts auf der Autobahn als Kurierdienstfahrer
- Im Lounge-Café in der Stadt mit Panoramafenstern zur Hauptstraße
- Im eigenen Zimmer, wenn man in Unterhosen tanzen will
- Mit Kopfhörern in öffentlichen Verkehrsmitteln und im Fitnessstudio
- Am Strand irgendwo auf Ibiza


Tracklist: Sven Väth - Sound of the 17th Season

CD1:
01. Harald Björk - Sabor Latino (Mix of Life version)
02. Ripperton - Ordine Gigante
03. Rhauder & Paul St. Hilaire - Molekule
04. Love Over Entropy - Sea
05. Kamran Sadeghi - Flow me
06. Alex & Digby - Angolan Rumble
07. Traumer - Ijah
08. Omar S - Heard’chew single ft. John FM
09. Eddie Fowlkes - Oriane
10. C-Rau - Sheeos Unn
11. OFF feat. Sven Väth - Electrica Salsa (Roman Flügel Remix)
12. Pantha du Prince - Dream Yourself Awake

CD2:
01. Levon Vincent - A-1 Novel Sound 12
02. Redshape - Tel Aviv
03. Hot City Orchestra - Nine (André Galluzzi Remix)
04. Adam Port - Sonnenfinsternis
05. Damian Lazarus - Trouble at the Seance (Kölsch Remix)
06. Margot - Er Suonone
07. Danny Daze - Swim
08. Sven Väth - Robot (Kölsch Remix)
09. Slam - Take You There ft. Mr. V
10. Floorplan - Spin
11. Bart Skills - Fifth Gear
12. Johannes Heil - By Night Part One
13. Emmanuel - Entroterra
14. Konstantin Sibold - Mutter

Sven Väth - Sound of the 17th Season

 

Fazit: Das Doppel-Album schlägt den Bogen aus musikalischer Geschichte und tanzbarer Lebendigkeit. Wie immer ist auch die siebzehnte Kompilation ein Hörgenuss mit frech, aber bedacht, gewählten Tracks, gemixt in höchster Perfektion.  

 

 



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