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Massensterben der Musiker und Schauspieler

Es war nicht 2016, das die Künstler getötet hat…

Massensterben der Musiker und SchauspielerBild: Judy Anne

Nachdem es nun auch noch George Michael und Carrie Fisher zum Weihnachtsfest dahingerafft hat, bildete sich erneut und verstärkt das kollektive Gefühl, dass das Jahr Zweitausendsechszehn ein Auftragskiller gegen die besten Künstler der Welt war.


Die Band zum Jüngsten Gericht

Gerne wird dann etwas weitergesponnen, dass „Der-Da-Oben“ sich gerade eine All-Star-Band zusammenstellt, die statt eines Posaunen-Chors eher weltliche Klassiker zum Jüngsten Gericht zum Besten gibt. Die Bloggerin „Judy Anne“, mit 11.000 Followers auf Twitter oder 1.600 Followers auf dem Blog-Portal Medium.com also gar nicht so eine große Social-Media-Setterin, hat mit ihrer „unpopulären Meinung“, wie sie es nennt, für Aufsehen im Netz gesorgt.

Frei nach der Losung der U.S.-amerikanischen Waffenlobby (NRA) „guns don’t kill people, people kill people“, einem der meistzerrissenen Slogans, schrieb Judy Anne: „2016 is Not Killing People“ und lässt „People Kill People (Themselves)“ im Raum stehen. Denn ihr Roter Faden sind die Maßlosigkeit und der Missbrauch von legalen und illegalen Drogen der Star und Sternchen, die für die Reihung der Todesfälle zuständig ist. Judy Anne geht sogar noch weiter und versucht es gesamtgesellschaftlich aufzudröseln, indem sie anführt, dass erstmalig seit 1993 die U.S. Lebenserwartung nicht mehr steigt, sondern fällt und damit die heute Vierzig- oder Fünfzig-Jährigen nicht mehr so alt werden wie ihre Eltern oder Großeltern. Dies läge vor allem an der Fettleibigkeit, der Selbstmordrate und dem Drogen- und Medikamentenmissbrauch, gibt Judy Anne an.


Kokain, die „perfekte Herzinfarkt-Droge

Im nächsten Absatz führt sie dann vom Allgemeinen zum Speziellen, nämlich George Michael – der als „Cannabis-Enthusiast“ galt, viele Designer-Drogen nutzte und auch kürzlich wieder regelmäßig „Crack Kokain“ rauchte – und Carrie Fisher, die keinen Hehl aus ihrer alkohol- und drogengeschwängerten Vergangenheit machte. Sie sind mit ihrem Herzversagen die klassischen Beispiele dafür, dass gerade Kokain die „perfekte Herzinfarkt-Droge“ ist, selbst nur ein paar Mal im Jahr konsumiert. Sie steigert den Blutdruck, verhärtet die Arterienwände und führt somit unweigerlich zu einem Herzinfarkt.  Somit beschreibt Judy Anne es schon fast sarkastisch, dass dies keine „mysteriöse Krankheit sei, die unsere beliebtesten Künstler befielen“, sondern schlicht die Folgen des Drogenmissbrauchs.

Ihr Appell wird nun klar. Sie fordert einen offeneren Umgang mit dem Thema der Substanzabhängigkeit, denn wenn sie weiter stigmatisiert wird, wäre es „fast unmöglich dafür eine Behandlung zu entwickeln“. Plakativ fragt sie, ob Prince, der zwar „größer als das Leben war“, vielleicht doch noch leben würde, wenn es so normal wäre über Sucht und Abhängigkeit zu sprechen wie über Diabetes.


Nächstes Jahr werden wieder Stars sterben

Der Grund, warum der Blog von Judy Anne so massiv und kontrovers diskutiert wird ist neben der unbequemen Betrachtung auch die polarisierende Art und Weise, wie sie über das Thema Drogenmissbrauch spricht. Im letzten Absatz sagt sie: „Hört auf mit dem Aberglauben, es ist heuchlerisch zu glauben, dass ein Kalenderjahr Menschen tötet. Alkoholismus und Drogenmissbrauch tötet Menschen. Nächstes Jahr wird es weitere töten. Nächstes Jahr vielleicht deinen Lieblingskünstler, oder vielleicht deinen besten Freund, deinen Bruder oder vielleicht auch dich.“


Trauer versus gesellschaftspolitische Diskussionen

Streng genommen ist das Blog-Post von Judy Anne gar nicht so kontrovers. Sie hat lediglich die Zeichen der Zeit genutzt, um mithilfe einer Häufung von toten Stars auf die Stigmatisierung von Alkohol-, Medikamenten- und Drogensucht hinzuweisen und mit erhobenem Zeigefinger zu sagen, dass es ein gesellschaftliches Problem ist, nicht eines von Berühmtheiten.

Dies jedoch zeitnah nach zwei neuerlichen Verlusten von Ikonen zu tun ruft schnell Hater auf den Plan, oder Fans, die mit ihrer Trauer zu tun haben und nicht bereit sind für gesellschaftspolitische Diskussionen.


All-Star-Band der Verblichenen

Aber wie ist es denn nun, für uns Freunde des „Seichten und Aberglaubens“, wie Judy Anne es bezeichnen würde, war denn 2016 nun ein Massensterben der Künstlerikonen?

Ich halte es für schwierig, denn wo hört die Ikone auf, fängt der A-Promi an und wo der C-Promi? Irgendein Meme – weiße Schrift, schwarz hinterlegt, mit vielen Reihen aneinandergehängter Namen – hat es probiert und sicherlich wird es auch gerne geteilt. Für mich fehlt aber zum Beispiel Raffael Rheinsberg, mein Onkel, aber auch einer der wichtigsten zeitgenössischen bildenden Künstler. Oder es fehlt auch Gisela May, Schauspielerin und Chansoneuse – oder Ilse Aichinger, österreichische Schriftstellerin – oder Carlos Alberto, brasilianische Fußballlegende – oder Walter Scheel, früherer Bundespräsident.

Welcher Tod war denn nun 2016 wichtiger, schlimmer, tragischer oder überraschender? Ich denke, um auf die Musiker und Stil-Ikonen zurückzukommen, es liegt an zwei Faktoren, warum sich die Todesfälle so gehäuft haben. Zum einen sind viele Künstler der ersten medialen Revolutionsstufe mit Langspielplatten und Fernsehen einfach in das Alter gekommen, in dem das Leben zu Ende geht. Zum anderen – da gebe ich Judy Anne Recht – haben die Künstler der zweiten medialen Revolutionsstufe mit aufkeimender Social-Media (damals hieß Social-Media noch „Bravo-Jugendmagazin“) und Internetplattformen mit den Spätfolgen ihrer Alkohol- und Drogenexzesse zu kämpfen, die zwischen Herzinfarkt, Hirnschlag und Lungen- und Speiseröhrenkrebs liegen. Es ist ein bisschen, wie mit den doppelten Abitur-Jahrgängen. In einem Jahr strömen einfach zwei Abschlussjahrgänge in eine ungewisse Zukunft. Es läuft also darauf hinaus, dass die Siebzig- bis Neunzig-Jährigen Old-School-Champs noch ein paar Jahre mit den „Love and Peace and Drugs Ikonen“ der 1960er und 1970er und den Designer-Drogen-Artists der 1980er und 1990er die Klinke zur „Heavens Door“ in die Hand drücken und auf der „Stairway To Heaven“ Schlange stehen werden.

Für alle, die in den 2000ern groß geworden sind: Ihr habt noch ein bisschen Schonfrist, bis die heutigen Drogen eure DJs, Musiker, Schauspieler und euch selbst zerfressen haben. Wir sind auf die Spätfolgen gespannt und schauen vom Schaukelstuhl oder einer Wolke aus zu.

 

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Über den Autor
Marco Boehm

Musik begleitet mich im Leben. Als Musiker, Songwriter und DJ sind Beats und Rhythmus die Grundlagen für das Musikgefühl. In Kombination mit musiktheoretischem Hintergrund wird daraus ein ganzheitliches Musikverständnis. Elektronische Clubmusik kann mich dabei genauso beeindrucken wie Pop, Rock oder Chartmusik. Selbst der Eurovision Song Contest fasziniert mich. Aus diesem Grund lasse ich mich auf keine Musikrichtung festlegen.

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