I bless the rains

Die Geschichte hinter dem Song: 'Toto - Africa'

(Geschätzte Lesezeit: 2 - 4 Minuten)

Toto - AfricaSzene aus dem Video zu "Toto - Africa".

Es gibt dieses eine Intro. Diese Synthesizer-Fanfare, die klingt wie ein Sonnenaufgang in Wohlfühlatmosphäre. Und dann dieser Drum-Beat. Bumm-tsch-ka-bumm-tsch. Sobald das läuft, passiert etwas mit uns. Wir greifen uns ans Herz, schließen die Augen und brüllen den Refrain mit, als hätten wir persönlich die Serengeti durchquert. „Africa" von Toto ist nicht nur ein Song - es ist ein Internet-Meme, ein Kulturgut und der Beweis, dass Kitsch verdammt geil sein kann. Aber wusstest du, dass die Band den Song eigentlich peinlich fand und ihn fast vom Album geschmissen hätte?


National Geographic als Songwriter

Wir müssen zurück ins Jahr 1981. Toto sind keine coole Garage-Band - sie sind die besten Studiomusiker der Welt. Technisch perfekt, aber ein bisschen, nun ja... uncool. Keyboarder David Paich spielt gerade an seinem neuen Spielzeug rum, einem Yamaha CS-80 Synthesizer. Er drückt eine Taste, es kommt so ein blecherner Kalimba-Sound raus, und er hat sofort dieses Riff im Kopf.

Jetzt wird es kurios: David Paich war damals noch nie in Afrika. Er hatte keinen blassen Schimmer, wie es dort riecht oder aussieht. Alles, was er wusste, hatte er aus Dokumentationen im Fernsehen und aus Geschichten seiner Lehrer in der katholischen Schule über Missionare. Er saß also in seinem klimatisierten Studio in Los Angeles und fantasierte sich einen Kontinent zusammen. Deswegen sind die Lyrics auch so... nennen wir es mal „kreativ". Er singt vom Kilimandscharo, der sich wie der Olymp über die Serengeti erhebt (geografisch fragwürdig, da man den Berg von dort kaum so sieht). Er singt von „wilden Hunden", die in der Nacht heulen. Es ist Afrika, wie man es sich als weißer Junge in Kalifornien vorstellt. Romantisch, mystisch und ein bisschen naiv.


„Wenn das ein Hit wird, renne ich nackt rum"

Als Paich den Song der Band vorspielte, war die Reaktion: Stille. Und dann Gelächter. Gitarrist Steve Lukather (der Typ ist eine Legende) fand den Song furchtbar. Er sagte später mal: „Ich dachte, das wäre so ein ‚Rettet die Wale'-Ding. Der Text ergab für mich keinen Sinn." Bassist David Hungate mochte ihn, aber der Rest der Band wollte ihn eigentlich nicht auf dem Album Toto IV haben. Sie fanden ihn zu experimentell, zu weich, zu seltsam. „Africa" schaffte es nur ganz knapp als letzter Track auf die Platte - quasi als Füllmaterial. Lukather soll sogar gewettet haben: „Wenn das ein Hit wird, renne ich nackt den Hollywood Boulevard runter." (Ob er es getan hat, ist leider nicht überliefert - aber er hätte es müssen.)


Warum der Song trotzdem ein Meisterwerk ist

Man kann über den Text lachen, aber musikalisch ist „Africa" ein Uhrwerk. Wir müssen über Jeff Porcaro reden. Der Drummer. Hör dir den Beat mal genau an - das ist kein normaler Rhythmus. Jeff Porcaro hat sich dafür Loops gebastelt. Er spielte Teile des Rhythmus live ein, schnitt das Tonband ab, klebte es zu einem Kreis (Loop) zusammen und ließ es durchlaufen. Das gibt dem Song dieses hypnotische, schwebende Gefühl. Es ist Polyrhythmik für das Pop-Radio. Dazu diese Harmonien im Refrain: Wenn Bobby Kimball (und der Rest der Truppe) „I bless the rains down in Africa" singt, sind da so viele Gesangsspuren übereinander, dass es klingt wie ein ganzer Chor. Handwerklich schlicht Champions League.


Das zweite Leben als Internet-Witz

Eigentlich wäre der Song irgendwann im Oldie-Radio verschwunden. Aber das Internet hat ihn gerettet. Irgendwann in den 2010ern wurde „Africa" zum ultimativen Meme. Es gab Twitter-Bots, die den Text posteten. Es gab Cover-Versionen von Weezer (auf Fan-Druck hin!). Er lief in Stranger Things und South Park. Warum? Weil der Song diesen schmalen Grat wandert: Er ist so drüber, dass es lustig ist, aber so gut produziert, dass man ihn wirklich liebt. Er ist Soft Rock in Perfektion. Er tut niemandem weh, er macht gute Laune, und er lässt uns alle für vier Minuten glauben, wir wären Abenteurer.

Wusstest du... ...dass die Zeile eigentlich gar nicht „I bless the rains" heißen sollte? David Paich dachte, das wäre nur ein Platzhalter-Text, bis ihm etwas Besseres einfällt. Aber die Band hatte sich so an den Klang gewöhnt, dass sie es einfach ließen. Zum Glück. „I watch the rains" wäre irgendwie langweiliger gewesen.

 

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