10 berühmte Songs die zensiert wurden.
Radiosender verweigerten das Abspielen, Behörden setzten Alben auf den Index, Volksfeste verbannten Nummer-eins-Hits: Zensur hat in der Popgeschichte viele Gesichter. Diese zehn berühmten Songs bekamen den Rotstift zu spüren, und fast alle wurden dadurch nur noch größer.
Der bekannteste Radiobann der Popgeschichte: Im Januar 1984 erklärte BBC-Moderator Mike Read live im Programm, diese Platte wegen ihres anzüglichen Covers und Textes nicht mehr spielen zu wollen. Die BBC verbannte „Relax" daraufhin komplett aus Radio und Fernsehen, da stand die Single auf Platz 6. Zwei Wochen später war sie die Nummer eins und blieb es fünf Wochen lang. Kein Verbot hat je einen Song wirkungsvoller beworben.
Zum Thronjubiläum der Queen veröffentlichten die Sex Pistols ihre Abrechnung mit der Monarchie. BBC und große Handelsketten boykottierten die Single, die trotzdem, oder gerade deshalb, die Charts stürmte. Bis heute hält sich die Erzählung, die Platte sei nur durch Manipulation von Platz 1 der offiziellen Liste ferngehalten worden.
Das gehauchte Duett war zahlreichen Rundfunkanstalten Europas zu explizit, sogar der Vatikan verurteilte den Song öffentlich. Verkauft hat er sich davon unbeeindruckt millionenfach und gilt heute als Klassiker des Chansons. Der Skandal von damals ist längst Legende.
Zensiert wurde hier nicht etwa das Thema des Songs, sondern ein Markenname: Die BBC störte sich an der Zeile mit „Coca-Cola", Schleichwerbung war im britischen Rundfunk tabu. Ray Davies unterbrach eigens die US-Tournee der Band, flog nach London und sang die Stelle als „cherry cola" neu ein. Eine der kuriosesten Zensur-Episoden der Rockgeschichte.
Rosi und ihre Telefonnummer waren dem Freistaat zu heikel: Bayerische Radiosender boykottierten den Song über das Münchner Rotlichtmilieu wegen des Wortes „Nutten", und auch die ZDF-Hitparade spielte ihn nicht, Dieter Thomas Heck war er nach eigenen Worten „zu heiß". Genützt hat es nichts: Anfang 1982 stand „Skandal im Sperrbezirk" acht Wochen auf Platz 1 und wurde zu einem der ersten großen Hits der Neuen Deutschen Welle. Bis heute gehört er in jede Liste der besten deutschen Party-Songs.
Brennende Kreuze und ein Heiliger als Liebhaber: Das Video zu „Like a Prayer" empörte den Vatikan und kostete Madonna ihren Werbedeal, denn Pepsi zog den frisch gestarteten Spot mit dem Song zurück. Die Kontroverse zementierte Madonnas Ruf als Provokateurin, geschadet hat sie ihr nie.
Titel und Video sorgten für einen der größten Aufreger der Dance-Geschichte: Die BBC spielte den Track kaum, viele Sender nur als Instrumental, das verstörende Ego-Perspektiven-Video lief höchstens spätnachts. Die Debatte über Kunstfreiheit und Frauenfeindlichkeit begleitet den Song bis heute.
Ausgerechnet die Friedenshymne schlechthin. Der Song stammt von 1971, sein Zensur-Moment kam 30 Jahre später: Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 kursierte beim US-Radioriesen Clear Channel eine Liste mit Songs, die vorerst nicht gespielt werden sollten. Neben harten Rocksongs stand auch „Imagine" darauf, offenbar war die Zeile von der Welt ohne Himmel und Religion zu heikel. Die Liste wurde öffentlich und sorgte für Kopfschütteln weltweit.
Ein deutscher Sonderfall: Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien setzte das Album „Liebe ist für alle da" im November 2009 auf den Index, unter anderem wegen der Gewaltdarstellung in „Ich tu dir weh" und eines Fotos im Booklet. Das Album durfte nur noch unter der Ladentheke verkauft werden. Ein Gericht kippte die Indizierung wenige Monate später, die Schlagzeilen hatte die Band da längst.
Der jüngste Fall dieser Liste: Der Partyschlager über die Puffmutter Layla stand wochenlang auf Platz 1 der deutschen Charts, als die Stadt Würzburg das Lied auf ihrem Volksfest untersagte. Weitere Feste zogen nach, halb Deutschland debattierte über Sexismus im Partyschlager. Das Ergebnis: noch mehr Aufmerksamkeit, noch mehr Streams, und ein Song, der zum Politikum wurde.
Das Muster zieht sich durch fünf Jahrzehnte: Kaum ein Verbot hat je einen Song kleiner gemacht. Wer Musik verbannt, verschafft ihr Schlagzeilen, und aus Skandalen von gestern werden die Klassiker von morgen. Die Charts jedenfalls haben am Ende fast immer für die Songs gestimmt.