Laura Branigan landete mit ihrer Version von "Self Control" einen Welthit.
Ein Song, zwei Hits, dieselben Wochen: Im Sommer 1984 stand „Self Control" gleich zweimal in den deutschen Top Ten. Das Original kam vom Italiener Raf, die Coverversion von US-Sängerin Laura Branigan, und beide lieferten sich ein Rennen, das die deutsche Chart-Geschichte so nie wieder gesehen hat. Hier ist die Geschichte hinter dem dunklen Synth-Pop-Klassiker.
„Self Control" handelt vom Kontrollverlust im Nachtleben. Sobald die Sonne untergeht, übernimmt eine andere Seite die Regie: Die Hauptfigur lebt „among the creatures of the night", treibt durch Neonlicht und Clubs und weiß dabei ganz genau, dass sie sich selbst verliert. Tagsüber Vernunft, nachts Rausch. Diese Spannung zwischen Lust und Selbstaufgabe, verpackt in einen hypnotischen Beat, hat den Song zu einem der dunkelsten Dance-Hits der 80er gemacht.
Das Original stammt von Raffaele Riefoli alias Raf. Geschrieben hat er den Titel zusammen mit Giancarlo Bigazzi und Steve Piccolo, das Arrangement lieferte Celso Valli. Raf brachte seine Version Anfang 1984 als Debütsingle heraus, ein klassisches Stück italienischer Studio-Schule. Fast zeitgleich griff Laura Branigan zu, die in den USA schon mit „Gloria" groß geworden war, ebenfalls einem italienischen Original aus der Feder von Bigazzi und Umberto Tozzi. Sie kannte also das Rezept: italienische Melodie plus amerikanische Power-Stimme.
Im Mai 1984 zogen beide Versionen in die deutschen Charts ein. Am 25. Juni übernahm Branigan Platz eins und hielt ihn sechs Wochen lang, während Raf mit dem Original zeitgleich auf Platz zwei stand. Zwei Fassungen desselben Songs gleichzeitig auf den ersten beiden Plätzen: Das gab es in Deutschland weder davor noch danach. Branigans Version stand außerdem in Österreich, der Schweiz und Kanada an der Spitze und kletterte in den USA in die Top 5 der Billboard-Charts.
Für den Videoclip holte sich Branigan William Friedkin, den Oscar-prämierten Regisseur von „Der Exorzist" und „French Connection". Sein Clip zeigt die Sängerin, die nachts einem maskierten Verführer in eine surreale Traumwelt folgt, und passte damit exakt zur Botschaft des Songs. Ein Hollywood-Regisseur dieser Größenordnung hinter einem Musikvideo war 1984 eine kleine Sensation.
Raf startete mit dem Song eine lange Karriere und wurde in seiner Heimat Italien zum Star. Laura Branigan starb 2004, ihr größter Hit läuft aber bis heute auf jeder 80er-Party und wurde unzählige Male gecovert, gesampelt und remixt. Wie sich der Track im Vergleich schlägt, zeigt unsere Liste der 100 größten Hits der 80er. Und wer tiefer in den Sound italienischer Produktionen dieser Ära eintauchen will, findet in unseren Italo-Hits 20 weitere Klassiker.
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