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Der Sommerhit 1989 und sein Plagiat-Skandal

Kaoma - Lambada: Bedeutung, Geschichte und der Plagiat-Skandal

(Geschätzte Lesezeit: 2 - 3 Minuten)

Kaoma - Lambada"Lambada" von Kaoma - löste Tanzwelle aus.

„Lambada" von Kaoma war der Sommerhit des Jahres 1989: Nummer 1 in Deutschland, zwölf Wochen an der Spitze in Frankreich, weltweit über fünf Millionen verkaufte Singles allein im ersten Jahr. Der Song heißt eigentlich „Chorando Se Foi", auf Deutsch „Weinend ging sie fort", und Loalwa Braz singt ihn auf Portugiesisch. Die Melodie allerdings war geklaut. Der Fall landete vor Gericht, und Kaoma verlor.


Was bedeutet „Lambada" eigentlich?

Der Name bezeichnet einen Tanz- und Musikstil aus Brasilien, der Ende der 80er in Badeorten wie Porto Seguro seinen Höhepunkt erlebte: eng, schnell, mit viel Hüfte. Der Text hat mit dem Tanz wenig zu tun. Er handelt von Liebeskummer, die berühmteste Zeile lautet übersetzt: „Weinend ging, wer mich einst zum Weinen brachte." Wer bei „Lambada" also an pure Lebensfreude denkt, singt in Wahrheit ein trauriges Lied.


Die wahre Herkunft: ein Anden-Song aus Bolivien

Das Original stammt von der bolivianischen Folk-Gruppe Los Kjarkas. Ihr Stück „Llorando se fue" erschien 1981, die Brüder Gonzalo und Ulises Hermosa ließen es noch im selben Jahr beim bolivianischen Kulturinstitut registrieren, 1985 zusätzlich bei der deutschen GEMA. 1986 nahm die brasilianische Sängerin Márcia Ferreira eine portugiesische Version auf. Genau diese Fassung hörten die französischen Produzenten Olivier Lorsac und Jean Karakos in Porto Seguro. Sie kauften einem brasilianischen Verlag die Rechte an über 400 Lambada-Titeln ab und stellten in Paris die Band Kaoma zusammen, mit Musikern aus Brasilien, Afrika und der Karibik.


Der Plan geht auf: Nummer 1 in Deutschland

Im Juli 1989 erschien die Single, und der Plan ging auf. Das Video, gedreht am Cocos-Strand von Trancoso in Bahia und auf der Insel Tagomago bei Ibiza, finanzierte der Limonadenhersteller Orangina, der die Bilder gleich für seine Werbung nutzte. Das tanzende Kinder-Duo Chico & Roberta wurde damit selbst berühmt. In Deutschland stieg der Song bis auf Platz 1 und holte Doppel-Platin für mehr als eine Million verkaufte Exemplare, in Großbritannien reichte es für Platz 4. Ein Sommerhit, wie er im Lehrbuch steht, und bis heute fester Bestandteil der größten Hits der 80er.


Ein Komponist, den es nie gab

Auf der Platte stand als Autor ein gewisser Chico de Oliveira. Das Problem: Diesen Mann gab es nicht. Am 30. August 1989 enthüllte die Zeitung Le Monde, dass sich hinter dem Namen Produzent Olivier Lorsac verbarg. Los Kjarkas verklagten daraufhin die Macher von Kaoma und gewannen 1990. Márcia Ferreira zog ebenfalls vor Gericht und bekam am 7. März 1991 in Paris recht: Ihre portugiesische Textfassung war übernommen worden, trotz einzelner Änderungen. Heute werden die Hermosa-Brüder, Arrangeur Alberto Maraví sowie Márcia Ferreira und José Ari offiziell als Autoren geführt. Die Musiker von Kaoma selbst traf keine Schuld, sie waren Angestellte der Produzenten.


Sängerin Loalwa Braz

Die Stimme des Hits nahm ein tragisches Ende: Loalwa Braz wurde im Januar 2017 im Alter von 63 Jahren bei einem Raubüberfall in Brasilien getötet, die Täter wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Ihre Aufnahme lebt weiter, auch in der Gegenwart des Pop: Jennifer Lopez sampelte die Melodie 2011 für ihren Welthit „On the Floor". Und sobald irgendwo die ersten Akkordeon-Takte laufen, ist der Sommer 1989 sofort wieder da.

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