"Now And Then" von The Beatles.
Ja, ich muss auch meinen Senf dazu geben, aber das ist natürlich ganz hochwertiger Mostrich. Die Geschichte des Songs ist fast 50 Jahre lang. Ein Tape, das Yoko Ono mit vier Songideen (Piano und Gesang um 1978) von John Lennon fand, haben die übrigen drei Beatles verwertet, um für „Anthology 3" (1996) ein nettes Gimmick zu haben. „Free As A Bird" hatten sie damals unter Schwierigkeiten für die Scheibe umgesetzt. Bei „Now And Then" sind die drei Restbeatles schon in einer Nachmittagssession hängen geblieben. Das Tape rauschte zu sehr, die Stimme konnte nicht sauber vom Instrument getrennt werden.
… da waren es nur noch zwei. Mit einem rauschärmeren Bootleg, das 2009 auftauchte, und der neuesten KI-Technologie konnte nun John Lennons Stimme sauber gefiltert werden. Paul McCartney spielte das Piano neu ein, einige Basic-Track-Spuren aus der 1995er Studiosession von George Harrison konnten verwendet werden und weitere Spuren wurden neu eingespielt, inklusive einem passgenauen Streicherarrangement. Genug Vorgeplänkel.
Erst nach dem vierten Durchgang konnte es mein Kopf akzeptieren - und dann war es auch bereits ein Ohrwurm. Es ist volle Breitseite Lennon. Moll-Akkorde, die sich aneinanderreihen, ein echtes Beatles-Feeling. Aaaaber: Auch wenn die Beatles immer mit den neusten Technologien gespielt haben, hätte es bei der Spurtrennung von Gesang und Piano bleiben sollen. Obwohl viel Wert auf „Spirit" gelegt wurde, ist die Abmischung zu modern für meine Ohren. Vielleicht muss es so sein, damit auch junge Ohren einen Gefühlsfaden zum Song spinnen können. Da eine Reunion aller vier Bandmitglieder nicht zu erwarten ist - wäre schon eine Überraschung, selbst wenn man „größer als Jesus" ist - wäre es schöner gewesen, mit analoger Technik und einem 70er/80er-Mastergefühl zu arbeiten.
Wenn ich das jedoch nicht zu sehr gewichte und nachdem ich A-HAs „Hunting High And Low"-Harmoniefolge im Coda des Songs endlich erkannt hatte, konnte ich mich in den Song fallen lassen. Das zugehörige Video passt dabei für einen alten Knochen wie mich sehr gut für eine kleine Gänsehaut.
Fazit: Ich halte das für eine wichtige Veröffentlichung. Nicht wegen des Songs an sich, sondern vielmehr, um der jungen instrumentenbasierten Songwriter-Generation zu zeigen, dass Lieder nicht schwierig, filigran oder gesanglich perfekt sein müssen. Der Track zeigt, dass es selbst bei einer der größten Bands des 20. Jahrhunderts immer darum ging und geht, eine Stimmung zu erzeugen und eine Welle aus Emotionen zu reiten. Keine Angst vor drei Akkorden und eigenen Texten.
Hier hast du die Möglichkeit den Song zu bewerten. Einfach die gelben Sterne auf der rechten Seite anklicken. Die Gesamtwertung ist ein Mittelwert aller abgegebenen Stimmen.