Das Video von "Blurred Lines" sorgte für einen Skandal.
Erinnerst du dich an die Zeit, als MTV noch Macht hatte? Wenn ein Video dort verbannt wurde, war das keine Strafe - es war der ultimative Ritterschlag. Nichts verkauft sich besser als ein "Verboten"-Stempel. Musikvideos waren immer das visuelle Schlachtfeld der Popkultur. Hier wurde provoziert, bis die Moralwächter Schnappatmung bekamen. Mal ging es um zu viel nackte Haut, mal um Blasphemie, mal um Gewalt, die so realistisch war, dass einem das Popcorn im Hals stecken blieb.
Heute, im Zeitalter des Internets, ist es schwerer geworden, uns zu schocken. Aber einige dieser Clips haben Narben in unserer kollektiven Netzhaut hinterlassen. Wir haben für dich tief im Archiv der Aufreger gewühlt. Hier sind die 15 Videos, bei denen Eltern entsetzt den Fernseher ausschalteten und wir heimlich weiterguckten.
Madonna ist die unangefochtene Königin der Provokation. Aber 1989 übertraf sie sich selbst. Brennende Kreuze? Ein schwarzer Jesus, den sie in einer Kirche küsst? Stigmata an den Händen? Der Vatikan lief Sturm und verdammte das Video öffentlich. Pepsi, die Madonna gerade für eine riesige Werbekampagne gebucht hatten, bekamen Panik und zogen den Millionen-Deal zurück. Madonna war's egal. Sie behielt die 5 Millionen Dollar Gage und hatte den größten Hit des Jahres. Das Video ist Kunst, Ketzerei und Marketing-Genie in einem.
Dieses Video ist ein Rausch. Gefilmt aus der Ich-Perspektive (POV), erleben wir eine Nacht voller Drogen, Alkohol, Schlägereien und Vandalismus in London. Es war so intensiv und dreckig, dass es fast überall verboten wurde. MTV zeigte es nur tief in der Nacht. Der Clou? Der Songtitel wurde als frauenfeindlich kritisiert, aber der "Twist" am Ende des Videos - wenn der Protagonist in den Spiegel schaut und man sieht, dass es eine Frau ist - stellte die ganze Diskussion auf den Kopf. Ein visueller Schlag in die Magengrube.
Es gibt zwei Versionen dieses Videos. Die eine kennst du aus dem Radio-TV. Die andere, die "Unrated Version", zeigte die Models (darunter Emily Ratajkowski) komplett oben ohne, nur mit hautfarbenen Slips bekleidet. Aber der Skandal war nicht nur die Nacktheit. Kritiker zerpflückten den Songtext und das Video als frauenfeindlich und verharmlosend gegenüber sexueller Gewalt ("I know you want it"). Es löste eine riesige Debatte über den "Male Gaze" im Pop aus - und wurde trotzdem (oder deswegen) der Hit des Jahres.
Der Moment, in dem Hannah Montana endgültig starb. Miley wollte ihr Disney-Image nicht nur ablegen, sie wollte es mit einem Vorschlaghammer zertrümmern. Und genau das tat sie. Nackt auf einer Abrissbirne schwingend und an einem Vorschlaghammer leckend - subtil ist anders. Das Video wurde millionenfach parodiert, aber es erreichte genau das, was Miley wollte: Jeder sprach über sie. Und wenn man ehrlich ist: Der Song ist eine verdammt gute Pop-Ballade, die durch das visuelle Drama nur noch stärker wurde.
Heute wirkt das Video fast harmlos, aber 1983 war es ein Atombombenabwurf im konservativen Großbritannien. Das Video spielt in einem schwulen S&M-Club, komplett mit Leder, Ketten, Käfigen und einem Tiger. Die BBC verbannte Song und Video sofort. DJ Mike Read stoppte die Platte sogar mitten im Radio, als er den Text verstand. Das Ergebnis? Der Song schoss auf Platz 1 und blieb dort gefühlt ewig. Frankie Goes to Hollywood zeigten der Welt, dass Zensur die beste Werbung ist.
Rammstein lieben Provokation. Aber mit "Pussy" gingen sie dorthin, wo keine Mainstream-Band vorher war: in die Hardcore-Pornografie. Das Video (unter der Regie von Jonas Åkerlund) zeigt die Bandmitglieder - bzw. Body-Doubles mit digital eingefügten Gesichtern - beim tatsächlichen Geschlechtsverkehr. Auf Videoportalen musste man sein Alter nachweisen, im Fernsehen lief es gar nicht. Rammstein kommentierten damit satirisch den deutschen Sextourismus ("Blitzkrieg mit dem Fleischgewehr"). Geschmacklos? Vielleicht. Ein PR-Coup? Definitiv.
Wie bringt man das konservative Amerika im Jahr 2021 zum Ausrasten? Man rutscht an einer Pole-Dance-Stange aus dem Himmel in die Hölle und gibt Satan einen Lap-Dance. Lil Nas X nutzte dieses Video als stolzes, queeres Statement. Er entschuldigte sich nicht für seine Sexualität, sondern feierte sie in einer bunten CGI-Orgie. Fox News drehte durch, Kirchengruppen protestierten, und Lil Nas X lachte sich ins Fäustchen, während er die Charts stürmte. Ein Meisterwerk des modernen Trollings.
Zwei russische Schulmädchen in nassen Uniformen, die sich im strömenden Regen hinter einem Zaun küssen, während die Gesellschaft zuschaut. Das Duo t.A.T.u. spielte perfekt mit dem Lolita-Image und dem Tabu der gleichgeschlechtlichen Liebe (obwohl die beiden im echten Leben gar kein Paar waren, was den Zynismus dahinter noch vergrößerte). Es war kalkulierter Skandal vom Feinsten, aber das Bild der beiden Mädchen im Regen ist eines der ikonischsten der 2000er Jahre.
Kanye West weiß, wie man Aufmerksamkeit bekommt. In "Famous" sehen wir ein riesiges Bett, in dem berühmte Persönlichkeiten nackt schlafen: George W. Bush, Donald Trump, Rihanna, Chris Brown und natürlich Taylor Swift. Es waren Wachsfiguren (inspiriert von einem Gemälde), aber der Effekt war gruselig realistisch. Es fühlte sich an wie ein voyeuristischer Eingriff in die Privatsphäre. Taylor Swift war "not amused", und Kanye hatte mal wieder die Schlagzeilen für sich gepachtet.
Achtung, dieses Video tut weh. M.I.A. zeigt hier eine militärische Säuberungsaktion. Soldaten stürmen Wohnungen, zerren Menschen in Busse und zwingen sie, durch ein Minenfeld zu laufen. Die Opfer? Rothaarige. Es ist eine brutale, neunminütige Parabel auf Rassismus, ethnische Säuberungen und Polizeigewalt. YouTube sperrte das Video sofort wegen der drastischen Gewaltdarstellung (inklusive Kopfschüssen). Es ist kein Video, das man gerne sieht, aber eines, das man nie vergisst.
Willkommen in den frühen 80ern, als Bands noch dachten: "Hey, wir drehen einfach einen Softporno und nennen es Kunst." Duran Duran wollten ihr Image als brave "Pretty Boys" loswerden und ließen die Regisseure Godley & Creme von der Leine. Das Ergebnis sollte eigentlich nur in Nachtclubs laufen: Oben-ohne-Schlammcatchen, Kissenschlachten in Reizwäsche, Eiswürfel auf nackter Haut und Champagner-Duschen. MTV bekam die Bänder und sagte sofort: "Niemals." Das Video wurde stark zensiert, aber die ungeschnittene Version wurde auf dem Schulhof gehandelt wie Goldstaub.
Musikalisch ist das hier eigentlich nur ein Sample von Steve Winwood auf Dauerschleife. Aber visuell? Junge, Junge. Das Video zeigt den wohl schweißtreibendsten Aerobic-Kurs der Geschichte. Eine Gruppe von Frauen in extrem knappen Spandex-Tangas macht Übungen, die anatomisch fragwürdig und sexuell mehr als eindeutig sind. Der einzige Mann im Kurs (und der Zuschauer) weiß gar nicht, wo er zuerst hinschauen soll. Es ist das platteste "Sex Sells"-Marketing aller Zeiten - und es funktionierte perfekt. Tony Blair (der damalige britische Premier) soll angeblich fast vom Rudergerät gefallen sein, als er es sah.
Hier ging es nicht um Sex, sondern um die harte Realität. N.W.A. zeigten der Welt, was in den Straßen von L.A. wirklich los war. Keine Studiotricks, sondern Bilder von Polizeirazzien, Verhaftungen und wütenden jungen Männern, die sich nicht mehr unterdrücken lassen wollten. Das Video (und der Song "Fuck tha Police") wirkte so bedrohlich auf das Establishment, dass das FBI (!) einen Drohbrief an die Plattenfirma schickte, in dem sie der Band vorwarfen, Gewalt gegen Polizisten zu verherrlichen. Ein Ritterschlag für die "World's Most Dangerous Group".
Das Jahr 2020 war trist, und dann kamen Cardi und Megan und brachten Farbe (und noch ganz andere Dinge) ins Spiel. "Wet Ass Pussy" ist eine Hymne auf weibliche Lust, die so explizit ist, dass konservative Kommentatoren in den USA live auf Sendung fast kollabierten. Das Video ist eine bonbonfarbene Fantasie-Villa voller Tiger, Schlangen und Choreografien, die die Grenzen der Physik testen. Es war der ultimative Beweis, dass nichts die Moralwächter so sehr triggert wie Frauen, die selbstbewusst über ihren Körper bestimmen.
"I want to f*** you like an animal." Trent Reznor lieferte hier den Soundtrack für Albträume. Das Video sieht aus wie ein verwitterter Stummfilm aus dem Keller eines Serienmörders. Wir sehen einen Affen am Kreuz, ein pochendes Herz, Sado-Maso-Ledergear, rohes Fleisch und einen drehenden Reznor im Nichts. Es ist verstörend, dreckig und faszinierend zugleich. MTV musste das Video massiv schneiden und immer wieder Schwarzblenden einfügen, weil die Bilder einfach zu intensiv für das Nachmittagsprogramm waren. Ein Meisterwerk des Industrial-Horrors.
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