"What Is Love" von Haddaway - Szene aus dem Musikvideo.
Seien wir ehrlich: Du kannst diesen Titel nicht lesen, ohne dass dein Gehirn sofort antwortet: „Baby don’t hurt me, don’t hurt me, no more.“ Es ist ein Reflex. Haddaway hat 1993 nicht einfach einen Hit gelandet, er hat eine Frage in den Raum gestellt, die uns alle beschäftigt - und sie in einen Beat verpackt, der so gnadenlos nach vorne geht, dass dir gar nichts anderes übrig bleibt, als auf die Tanzfläche zu rennen. Aber wusstest du, dass dieser Welthit eigentlich ein „Unfall“ aus dem Kölner Umland war?
Wenn du an Eurodance denkst, hast du oft Retorten-Bands im Kopf. Ein hübsches Model, das die Lippen bewegt, und ein Rapper im Hintergrund. Bei Haddaway war das anders. Der Typ ist echt. Nestor Alexander Haddaway ist so etwas wie der James Bond des Eurodance: Geboren in Trinidad, aufgewachsen in den USA, studiert in Washington, und dann... gelandet in Köln. Ja, genau. Der Mann, der den Sound von Miami in die Welt trug, wohnte im Rheinland und spielte dort American Football bei den Cologne Crocodiles.
Die Geschichte der Aufnahme ist fast schon unverschämt unspektakulär. Haddaway jobbte damals als Stylist und Choreograf und wollte unbedingt singen. Er landete im Studio von Coconut Records in Hennef (einem kleinen Ort bei Bonn, wo der Glamour-Faktor eher gegen Null geht - ich weiß wovon ich rede, ich war in diesem Studio).
Die Produzenten hatten dieses Demo. Haddaway ging in die Gesangskabine. Er brauchte keine Tage, keine Wochen. Er brauchte, so erzählt man sich, eine knappe Dreiviertelstunde. Er sang den Song einfach runter, mit dieser Dringlichkeit in der Stimme, die klingt, als würde er jemanden anflehen. Die Produzenten wussten sofort: Das ist es. Sie nahmen quasi die erste Version. Manchmal muss man Musik nicht zerdenken, man muss sie einfach fühlen.
Hast du dir mal überlegt, warum der Song so gut funktioniert? Es ist der Kontrast. Der Beat ist hart, treibend, typisch 90er-Jahre-Synthie-Power. Aber der Text? Der ist pure Verzweiflung. „What is Love?“ ist keine Party-Frage. Es ist die Frage, die du dir stellst, wenn dir gerade das Herz gebrochen wurde.
Haddaway schreit seinen Schmerz nicht heraus, er singt ihn mit einer seltsamen Coolness. Und genau das holt dich ab. Du kennst das Gefühl: Du bist im Club, willst deinen Ex oder deine Ex vergessen, und die Musik ist so laut, dass du nicht mehr denken musst. Der Song nimmt dich in den Arm und sagt: „Ich weiß, es tut weh, aber tanz es einfach raus.“
Wir können nicht über diesen Song reden, ohne den Sketch zu erwähnen. Jahre nach der Veröffentlichung bekam der Song ein zweites Leben, das ihn unsterblich machte. Saturday Night Live. Jim Carrey und Will Ferrell in diesen billigen, glänzenden Anzügen. Die „Roxbury Guys“.
Sie machten nichts anderes, als im Auto zu sitzen und rhythmisch mit dem Kopf zur Seite zu nicken. Diese Bewegung ist so ikonisch geworden, dass sie untrennbar mit dem Song verbunden ist. Wenn „What Is Love“ heute auf einer Party läuft, siehst du sofort, wer den Film kennt. Die Köpfe gehen zur Seite, der Blick wird stumpf, und für drei Minuten sind wir alle Teil des schlechtesten (und besten) Club-Dates aller Zeiten.
Viele stempeln Haddaway als One-Hit-Wonder ab. Das ist unfair (hör dir mal „Life“ an, auch ein Brett!), aber selbst wenn: Wen interessiert’s? Wenn du einen Song hast, der 30 Jahre später immer noch auf jeder Hochzeit, jedem Festival und in jedem Autoradio funktioniert, hast du das Game durchgespielt.
Haddaway hat uns gezeigt, dass man auch aus dem beschaulichen Hennef die Welt erobern kann, wenn der Beat stimmt. Also, tu deinem Nacken einen Gefallen und wärm dich kurz auf, bevor der Refrain kommt. Du wirst es brauchen.
Wusstest du... ...dass Haddaway vor seiner Musikkarriere tatsächlich unter anderem als Teppichverkäufer gearbeitet hat? Stell dir vor, du kaufst einen Perser bei dem Mann, der kurz darauf die Charts weltweit anführt. Das nenne ich mal Karrierewechsel.
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