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Vor 20 Jahren

Boten Anna: Als wir alle dachten, es geht um ein Boot

(Geschätzte Lesezeit: 2 - 3 Minuten)

Basshunter - Boten Anna"Boten Anna" von Basshunter.

Weißt du noch, wie das Leben 2006 aussah? Deine Sorgen: ob dein Rechner das neue Spiel packt und wie du genug Energy-Drinks für die nächste LAN-Party besorgst. Wir saßen in abgedunkelten Kellern, das Gesicht vom bläulichen Licht der Röhrenmonitore beleuchtet, und aus den billigen PC-Lautsprechern hämmerte dieser eine Song. „Boten Anna" von Basshunter. Die Hymne einer unbeschwerten Jugend, in der wir alle dachten, ein Schwede singt über ein ruderndes Mädchen.


Jag känner en bot

Wir haben es alle falsch verstanden. Wenn Jonas Altberg (so heißt Basshunter bürgerlich) im Refrain „Jag känner en bot" schmetterte, hörte halb Deutschland „Ich kenn' ein Boot". Wir dachten, Anna sei ein cooles Mädel, das ein Boot hat. Und das war okay so - es passte zu diesem stumpfen, aber genialen Beat. Dass der Text in Wahrheit eine Liebeserklärung an einen IRC-Chat-Bot war, der Leute aus dem Channel kicken kann, wussten die wenigsten.


Die Romantik des IRC-Chats

Für die Jüngeren: IRC war quasi das WhatsApp der Steinzeit, nur für Nerds. Und genau da kommt Basshunter her. Er war kein gecasteter Popstar. Er war ein Zocker. Ein Typ, der in seinem Schlafzimmer saß, Fruit Loops (eine Musiksoftware) aufmachte und Beats bastelte, während er DotA spielte. Das macht diesen Song so sympathisch. Er ist nicht im Hochglanz-Studio entstanden. Er klingt nach Dosenbier, Pizzakartons und durchzockten Nächten. Der Sound von uns Nerds, der plötzlich im Mainstream-Radio lief.


Einfach mal den Kopf ausschalten

Musikalisch ist „Boten Anna" Eurodance auf Steroiden. 140 BPM, eine Melodie, die man mit einem Finger auf dem Keyboard nachspielen kann, und dieser typische Hands-Up-Bass, der einfach nur nach vorne geht. Keine tiefe Message, keine politische Agenda - nur Spaß haben. Später kam die englische Version („Now You're Gone"), die den Text komplett änderte und daraus eine schnulzige Trennungsnummer machte. Kommerziell erfolgreich, ja. Aber der wahre Kult, das echte Gefühl, das gibt es nur auf Schwedisch.


Warum wir das heute vermissen

Wenn du den Song heute auf einer Party hörst, passiert etwas mit dem Raum. Alle grinsen. Es ist eine kollektive Erinnerung an eine Zeit, in der Social Media noch nicht unser Leben bestimmte und „viral gehen" noch etwas Besonderes war. Basshunter hat uns damals, ohne es zu wissen, den Soundtrack für die letzte wirklich unschuldige Phase des Internets geliefert. Vielleicht sehnen wir uns deshalb so nach diesem Song. Weil er uns daran erinnert, wie einfach alles war. Du, deine Freunde, ein Netzwerkkabel und ein Song über einen Chat-Roboter, den wir alle für ein Boot hielten. Herrlich.

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