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Hard-Techno DJane

Sara Landry: Vom Bürojob zur Tomorrowland-Mainstage

(Geschätzte Lesezeit: 2 - 4 Minuten)

Sara LandrySara Landry beim Awakenings Festival 2025.

Wer Sara Landry heute bei einem Festival sieht - Strobolicht, hämmernde Kicks, zehntausende Menschen -, stellt sich kaum vor, dass dieselbe Person bis vor wenigen Jahren tagsüber Datensätze ausgewertet hat. Ihre Geschichte ist keine Hochglanz-Märchenstory, sondern das Ergebnis von Jahren, in denen sie beides gleichzeitig gemacht hat: einen ganz normalen Job - und konsequent an ihrer Karriere als DJ gearbeitet.


Aufgewachsen zwischen Küste und Texas

Sara Landry wurde 1993 in Kalifornien geboren. Nach der Scheidung ihrer Eltern zog sie zunächst nach Boulder, Colorado, und später nach Austin, Texas. Mit 17 Jahren zog sie nach New York City, um dort zu studieren - und tauchte während dieser Zeit tief in die New Yorker Clubszene ein, was ihr erstes Gespür dafür gab, wie ein Raum funktioniert. An der NYU studierte sie mit Schwerpunkten in Finanzwesen, Psychologie und Werbung - ein individuell zusammengestelltes Programm, das im Nachhinein weniger weit von einer DJ-Karriere entfernt ist, als man zunächst denken würde.


Zurück in Austin - mit einem Bürojob und Ableton

Nach dem Studium kehrte sie nach Austin zurück. Sie lernte autodidaktisch Sound Design, während sie gleichzeitig als Datenanalystin arbeitete. Laut Berichten arbeitete sie in dieser Zeit unter anderem beim texanischen Outdoor-Ausrüster YETI. Parallel spielte sie unter der Woche in halbleeren Räumen und gründete schließlich ihre eigene Veranstaltungsreihe: kleine Warehouse-Raves mit rund 100 Leuten, die sie Klubhaus nannte. Ihr erstes gebuchtes Gig war 2016 beim SXSW - in einem abgerissenen, offiziell nicht mehr bewohnbaren Haus im Osten von Austin, wo jemand DJ-Decks aufgestellt und Partys geschmissen hatte. Glamourös war das nicht. Aber es war ein Anfang.


Der langsame Aufstieg

Nach ersten Auftritten in Venues wie Kingdom, Plush, Parish und der Vulcan Gas Company in Austin veröffentlichte Landry 2018 ihre Debütsingle „Chasm". 2019 unterschrieb sie bei mau5trap - dem Label von deadmau5 - und veröffentlichte dort ihre erste EP „Wait". Prägend für ihre musikalische Richtung waren Reisen nach Europa, wo sie den härteren Techno-Sound zum ersten Mal hautnah im Publikum erlebte - in Clubs wie Tresor und Berghain, aber auch auf Events wie der Amsterdam Dance Event. Diese Erfahrungen überzeugten sie, genau in diese Richtung zu gehen - zu einer Zeit, als dieser Sound in Austin kaum vertreten war und ihr das Budget fehlte, entsprechende Artists selbst zu buchen. 2021 gründete sie ihr eigenes Label: Hekate Records. Ein wichtiger Schritt, der ihr künstlerische Kontrolle gab und gleichzeitig anderen Produzentinnen und Produzenten aus ihrem Umfeld eine Plattform bot.


Der Durchbruch - und was ihn ausgelöst hat

Den Wendepunkt nennt Landry selbst klar: ihr Boiler Room Set im August 2023, das eine Welle an Momentum auslöste. Die Clips kursierten auf Social Media, das Publikum wuchs rasant - und plötzlich war Hard Techno kein Nischenprodukt mehr. 2024 machte sie Festivalgeschichte: Sie war die erste Hard-Techno-Künstlerin, die auf der Tomorrowland-Mainstage spielte - in der fast 20-jährigen Geschichte des Festivals. Im selben Jahr headlinete sie The Sphere in Las Vegas - als erste weibliche DJ, die diese Bühne jemals headlinete. In der DJ Mag Top 100 von 2024 landete sie auf Platz 75.


2026: Ultra, B2B mit Amelie Lens - und wieder Tomorrowland

Das laufende Jahr hat es ebenfalls in sich. Am 29. März 2026 spielte Landry beim Ultra Miami ein B2B-Set mit Amelie Lens - und schloss damit die RESISTANCE MegaStructure, eine der begehrtesten Bühnen des Festivals, zum Abschluss. Und im Sommer steht der nächste große Moment bevor: Tomorrowland 2026 in Boom, Belgien - wieder auf der Mainstage, gemeinsam mit Namen wie Martin Garrix, Hardwell, David Guetta, Fisher und John Summit.


Jahre harter Arbeit

Sara Landrys Werdegang ist kein Overnight-Success. Er ist das Ergebnis von Jahren, in denen sie einen normalen Job gemacht, abends Partys geworfen, autodidaktisch produziert und sich Schritt für Schritt in eine Szene hineingespielt hat, die ihr am Anfang kaum zugetraut hätte, was sie heute ist. Dass sie dabei ausgerechnet einen Datenanalysten-Background mitbrachte, passt vielleicht besser zur Karriere eines DJs, als man zunächst denkt: Publikum lesen, Energie spüren, im richtigen Moment reagieren. 

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Über den Autor
S. Wernke-Schmiesing

Während meines Studiums gründeten wir 2008 die Dance-Charts. Als reine Musik-Promotion-Agentur gestartet, entwickelte sich die Plattform zu einem der größten Blogs und News-Portale für Dance-Musik in Deutschland. Als Chefredakteur heißt es täglich News recherchieren und Entscheidungen treffen. Neben der Tätigkeit für die Agentur bin ich regelmäßig als DJ in Clubs und Großraumdiskotheken unterwegs.

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