2 Unlimited - No Limit
Manche Songs schleichen sich ins Ohr. Andere treten die Tür ein. „No Limit" gehört ohne Zweifel zur zweiten Sorte - ein stampfendes Stück Eurodance, das 1993 halb Europa auf die Tanzfläche zwang und dem Rest der Bevölkerung den Refrain trotzdem ins Hirn brannte. Ein Ohrwurm mit der Subtilität eines Presslufthammers, und genau das war der Plan.
Hinter 2 Unlimited steckte keine klassische Bandromantik, sondern ein Produzenten-Kalkül. Die Belgier Jean-Paul De Coster und Phil Wilde tüftelten in Antwerpen an den Beats. Gesicht und Stimme lieferten zwei Niederländer: Rapper Ray Slijngaard und Sängerin Anita Doth. Angefangen hatte alles 1991 als reines Instrumental namens „Get Ready for This". Erst als den beiden Produzenten auffiel, dass ein Rap und eine eingängige Stimme das Ganze griffiger machen würden, holten sie Ray und Anita an Bord.
„No Limit" erschien am 18. Januar 1993 als erste Single zum zweiten Album „No Limits!" und wurde der größte Hit der Gruppe. Die Zahlen sind bis heute schwindelerregend: In rund 35 Ländern stürmte der Track auf Platz eins, von Frankreich über Österreich und Dänemark bis nach Großbritannien. In Europa war „No Limit" 1993 die meistverkaufte Single überhaupt. Unterm Strich sammelte das Projekt 16 Charthits und rund 18 Millionen verkaufte Tonträger ein - nicht übel für eine Idee, die als namenloses Instrumental begann.
Zur Legende gehört eine schöne Kuriosität. Für den britischen Markt strich man kurzerhand sämtliche Rap-Parts von Ray Slijngaard heraus. Die Begründung schwankt je nach Erzählung zwischen „passte nicht ins Radioformat" und „war den Briten schlicht zu albern". Übrig blieb Anita Doths Refrain - plus ein einziges gerettetes Wort: „Techno", aus der Zeile „I'm making techno and I am proud". Aus diesem Schnipsel loopte man das berüchtigte „Techno! Techno! Techno!". So wurde aus einer Zensur-Schere im Studio versehentlich einer der bekanntesten Hooks des Jahrzehnts. Manchmal hilft das Glück eben dem Tüchtigen.
In den USA blieben 2 Unlimited kommerziell eher Nischenware, doch ihre Tracks fanden einen zweiten Lebensraum: die Sportarena. Bei Spielen der NBA und NHL dröhnte „No Limit" aus den Boxen, sobald Korb oder Tor gefeiert werden wollten. Bis heute genügt der erste stampfende Synthie-Stoß, und ganze Hallen brüllen reflexartig „No, no, no, no, no, no limit" mit. Die Kritik rümpfte damals die Nase über so viel Holzhammer-Eurodance und sparte nicht mit Spott. Die Tanzfläche hat anders abgestimmt, und zwar mit überwältigender Mehrheit. Mehr als drei Jahrzehnte später läuft der Song noch immer auf jeder anständigen 90er-Party - und freiwillig bleibt dabei niemand sitzen.
1996 war für das klassische Line-up Schluss: Die Wege von Ray und Anita trennten sich, das Kapitel der goldenen Jahre endete nach fünf Jahren Dauerpräsenz. Vergessen wurde 2 Unlimited deshalb nie. 2009 standen Slijngaard und Doth nach 13 Jahren erstmals wieder gemeinsam auf der Bühne, und im selben Jahr wurde das Duo - gemessen an den Wochen in den niederländischen Top 40 - zum „beliebtesten Act der 1990er" gekürt. Eine Auszeichnung, die im Grunde nur bestätigte, was jede Tanzfläche längst wusste.
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