Die 20 besten Songs des Jahres 1985.
Wenn man an das Jahr 1985 denkt, hat man sofort ein Bild im Kopf: ein volles Wembley-Stadion in London, ein volles JFK-Stadion in Philadelphia und ein Phil Collins, der mit der Concorde über den Atlantik fliegt, um auf beiden Bühnen zu spielen. Es war das Jahr von Live Aid. Bob Geldof trommelte die größten Stars des Planeten zusammen, um gegen den Hunger in Äthiopien zu rocken. Musik war plötzlich mehr als nur Unterhaltung - sie war ein weltumspannendes Ereignis, ein politisches Statement. Queen stahl allen die Show, und für einen Tag schien es, als könnten Gitarren wirklich die Welt verändern.
Aber 1985 war auch technisch eine Revolution. Die CD (Compact Disc) trat ihren Siegeszug an, angeführt von den Dire Straits, deren Album Brothers in Arms in jedem Hi-Fi-Laden lief, um zu zeigen, wie kristallklar Musik klingen kann. In den Kinos reiste Marty McFly Zurück in die Zukunft, und Falco zeigte den Amerikanern, dass auch ein Österreicher rappen kann.
Musikalisch war es eine irre Mischung: Euro-Disco aus Deutschland (Modern Talking!), Stadionrock aus den USA und sophistizierter Pop aus England. Wir tanzten, wir schmusten und kauften Haarspray in Paletten. Hier sind unsere 20 Favoriten aus dem Jahr, in dem die Musikwelt zusammenrückte.
Es gibt Musikvideos, und es gibt das Video. Als A-ha im Herbst 1985 diesen Song (im zweiten Anlauf) veröffentlichten, klappte der Welt die Kinnlade runter. Die Mischung aus Realfilm und Bleistiftzeichnung war revolutionär. Aber vergessen wir nicht den Song selbst: dieser treibende Synthesizer-Beat und Morten Harkets Stimme, die sich am Ende in Höhen schraubt, die nur Hunde und Fledermäuse hören können. Ein perfekter Popsong, der auch heute noch jede Tanzfläche füllt.
"I want my MTV..." - mit diesem Intro und dem Gastgesang von Sting eröffneten die Dire Straits ihren größten Hit. Mark Knopfler schrieb den Text, nachdem er Lieferanten in einem Elektromarkt beobachtet hatte, die sich über Rockstars im Fernsehen lustig machten. Das Gitarrenriff ist so ikonisch, dass man es nach einer Sekunde erkennt. Es war der erste Song, der auf MTV Europe lief. Rockmusik, die den Zeitgeist perfekt traf.
Der Song beginnt mit einem "Hey, hey, hey, hey!" und endet mit einer Faust in der Luft. Als Titelsong für den Kultfilm The Breakfast Club wurde die schottische Band unsterblich. Sänger Jim Kerr wollte den Song zunächst gar nicht aufnehmen, weil er nicht von ihm geschrieben war. Zum Glück ließ er sich überreden. Es ist die Hymne für alle Außenseiter, Rebellen und High-School-Träumer.
Wien, 1985. Falco nimmt Mozart, mixt ihn mit Rap, Synthesizern und einer gehörigen Portion Arroganz. Das Ergebnis: der erste und bis heute einzige deutschsprachige Song, der Platz 1 der US-Charts erreichte. Falco inszenierte sich als genialer Wahnsinniger, als Punk im Rokoko-Kostüm. Der Song ist hektisch, genial und völlig einzigartig. "Er war ein Superstar, er war populär..." - genau wie Falco selbst.
Wenn dieser Song läuft, kauft sich jeder im Raum sofort eine imaginäre E-Gitarre. Bryan Adams erzählt, wie er seine erste Gitarre im Pfandhaus kaufte und eine Band gründete. Es ist pure Nostalgie, verpackt in perfekten kanadischen Stadionrock. Egal ob man 1969 dabei war oder erst 2005 geboren wurde - bei diesem Lied fühlt sich jeder, als wären es die "besten Tage seines Lebens" gewesen.
Dank der Serie Stranger Things hat dieser Song kürzlich ein unglaubliches Comeback gefeiert, aber 1985 war er genauso magisch. Kate Bush war immer ein bisschen anders, ein bisschen kunstvoller. Der Song handelt davon, mit Gott einen Deal zu machen, um die Plätze mit dem Partner zu tauschen und ihn besser zu verstehen. Der trommelnde Beat und die sphärischen Klänge sind zeitlos. Ein Meisterwerk des Art-Pop.
Madonna war 1985 die Königin der Welt. Sie spielte im Film Desperately Seeking Susan mit und lieferte dazu diesen Club-Hit. "Into the Groove" ist vielleicht ihr tanzbarster Song überhaupt. Der Basslauf zwingt einen förmlich auf die Tanzfläche. Der Text ist eine Einladung: Lass die Sorgen draußen und tanz einfach. Madonna klang hier so cool und selbstbewusst wie nie zuvor.
Ein Song, der wie eine Fahrt im Cabrio bei Sonnenuntergang klingt. Dabei ist der Text eigentlich politisch und handelt vom Machtstreben im Kalten Krieg. Aber die Produktion ist so glatt, so elegant und so typisch 80er, dass man die ernste Botschaft leicht überhört. Dieser schwebende Gitarren-Sound am Anfang ist einer der besten Momente des Jahrzehnts.
1985 gab es gleich zwei Songs mit diesem Titel (der andere kommt noch!), aber das hier ist die ultimative Schmonzette. Jennifer Rush, die Amerikanerin, die in Deutschland zum Star wurde, singt mit einer Lautstärke und Leidenschaft, dass die Gläser im Schrank wackeln. Celine Dion coverte es später, aber das Original von '85 hat diese spezielle 80er-Dramatik, die man einfach lieben muss.
Ja, ihr dürft lachen. Aber ihr müsst auch zugeben: Ihr kennt den Text. 1985 tauchten Thomas Anders (mit der NORA-Kette) und Dieter Bohlen (im Trainingsanzug) auf und brachten den Euro-Disco-Sound in die Charts. Die hohen Chöre, der einfache Beat, die englischen Texte, die eigentlich keinen Sinn ergaben - es funktionierte. Deutschland hatte seine Pop-Superstars, und die halbe Welt feierte mit.
"Wait a minute, Doc. Are you telling me you built a time machine... out of a DeLorean?" - Dieser Song ist untrennbar mit dem Film Zurück in die Zukunft verbunden. Es ist treibender, gut gelaunter Rock'n'Roll mit Bläsern. Huey Lewis singt mit einer Energie, dass man sofort sein Skateboard schnappen und sich an einen Jeep hängen möchte. Der Sound von amerikanischem Optimismus.
Nach dem Vorbild von Band Aid in England versammelten sich die US-Stars: Michael Jackson, Lionel Richie, Bruce Springsteen, Bob Dylan, Tina Turner ... die Liste ist endlos. Musikalisch ist es vielleicht etwas kitschig, aber der Moment, wenn Ray Charles am Ende improvisiert oder Springsteen seinen Part röhrt, ist Gänsehaut pur. Ein historisches Dokument der Hilfsbereitschaft.
Der Schlagzeuger der Eagles lieferte hier einen der atmosphärischsten Songs der 80er. Es geht um das Ende des Sommers, das Älterwerden und die Erinnerung an eine verlorene Liebe ("I saw a Deadhead sticker on a Cadillac"). Der Synthesizer-Sound ist melancholisch, aber treibend. Ein Lied, das perfekt passt, wenn die Tage im September wieder kürzer werden.
1985 trat eine junge Frau ins Rampenlicht und veränderte den Gesang für immer. Whitney Houstons Debütalbum erschien, und dieser Song zeigte, was sie konnte. Sie musste nicht schreien, um Kraft zu zeigen. Ihre Stimme war kristallklar, jazzig und voller Gefühl. Dies war der Startschuss für eine der größten (und tragischsten) Karrieren der Musikgeschichte.
Ein österreichisches Phänomen. Die Band Opus spielte diesen Song live in Oberwart, und das Band lief mit. Der "Na na na na na"-Refrain zum Mitklatschen war geboren. Es ist der ultimative Stadion-Song. Maradona wärmte sich dazu auf, und auf jeder Kirmes, jedem Dorffest und jeder Party funktioniert dieser Song seit 1985 als Stimmungsgarant. Simpel, aber effektiv.
Stünde es eine Rangliste für Power-Balladen, wäre dieser Song ganz oben. Die Rocker von Foreigner wurden hier ganz weich. Mick Jones schrieb den Song nachts um 3 Uhr, und Lou Gramm singt ihn mit einer Intensität, die unter die Haut geht. Spätestens wenn der Gospel-Chor einsetzt, gibt es kein Halten mehr. Feuerzeuge (oder heute Handys) an!
An Phil Collins kam man 1985 nicht vorbei. Sein Album No Jacket Required war ein Blockbuster. "Sussudio" (ein Wort, das er erfand, weil es gut klang) ist Funk-Pop vom Feinsten, stark inspiriert von Prince. Die Bläser knallen, der Rhythmus ist hektisch, und Phil beweist, dass Schlagzeuger sehr wohl gute Frontmänner sein können. Ein Song, der schwitzt.
Modern Talking waren die Könige, Sandra war die Königin. Produziert von ihrem späteren Ehemann Michael Cretu, lieferte Sandra den perfekten europäischen Pop-Sound. Ein bisschen mystisch, sehr tanzbar und mit einer Stimme, die zwar nicht gewaltig, aber unglaublich charismatisch war. In 21 Ländern stand dieser Song auf Platz 1.
Annie Lennox hat eine Stimme wie eine Opernsängerin, und hier darf sie sie voll ausspielen. Der Song ist pure Freude. Und das Mundharmonika-Solo in der Mitte? Das ist kein Geringerer als Stevie Wonder. Es ist einer jener seltenen Songs, die himmlisch klingen, ohne langweilig zu sein. Barock trifft Pop.
Zum Schluss ein Instrumental, das jeder kennt. Der Titelsong zu Beverly Hills Cop mit Eddie Murphy. Harold Faltermeyer, ein Münchner (!), komponierte diesen Synthie-Hit. Dieser "Ding-Ding-Ding"-Sound ist der Inbegriff von 1985. Später leider durch einen verrückten Frosch verunstaltet, ist das Original immer noch ein cooles Stück elektronischer Popgeschichte.
Das waren unsere Highlights von 1985. Ein Jahr, in dem wir dachten, Musik könnte die Welt retten - und zumindest für ein paar Stunden hat es sich auch so angefühlt.