2000er Hit

Die Geschichte hinter dem Song: 'Bomfunk MC's - Freestyler'

(Geschätzte Lesezeit: 2 - 4 Minuten)

Bomfunk MC's - FreestylerSzene aus dem Musikvideo zu "Freestyler" von Bomfunk MC's.

Erinnerst du dich an den Typen mit den riesigen Dreadlocks und den viel zu großen Kopfhörern? Natürlich tust du das. Im Jahr 2000 wolltest du genau so sein wie er. Du wolltest lässig in der U-Bahn sitzen, an deiner Fernbedienung drehen und zusehen, wie die Welt um dich herum vor- und zurückspult. „Freestyler" von den Bomfunk MC's war nicht nur ein Song - es war der ultimative Style-Guide für die Generation Y2K.


Rock the microphone

Bevor wir über die Musik reden, müssen wir eine Sache klären. Eine Sache, die uns alle seit 25 Jahren beschäftigt. Was zur Hölle singt der Typ da eigentlich im Refrain? Für uns alle klang es wie: „Raka-maka-fon". Wir haben es auf dem Schulhof gebrüllt. Wir haben es im Auto geschrien. Und wir hatten keine Ahnung, was es bedeutet. Die Auflösung ist fast enttäuschend banal: Es heißt „Rock the microphone". Der finnische Rapper Raymond Ebanks (der Typ mit dem coolen Kinnbart) hat es nur so schnell und rhythmisch verschluckt, dass daraus ein eigenes Wort wurde. „Rakamakafon" ist bis heute der inoffizielle Titel dieses Tracks.

Wenn du das Musikvideo heute ansiehst, ist es wie eine Zeitkapsel. Es zeigt Helsinki in diesem kühlen, bläulichen Filter, der Ende der 90er überall war. Aber der wahre Star des Videos ist nicht der Rapper, sondern der Junge (Marlo Snellman, damals 15 Jahre alt). Und was hält er in der Hand? Einen Sony MiniDisc-Player.

Kurz erinnern: Die MiniDisc sollte die Zukunft sein. Kleiner als eine CD, cooler als eine Kassette. Das Statussymbol schlechthin. Im Video wird suggeriert: Wenn du dieses Gadget hast, bist du Herr über Zeit und Raum. Du kannst Breakdancer einfrieren und die Zeit zurückdrehen, wenn dir der Kaffee runterfällt. Wir haben alle heimlich probiert, ob das mit der Fernbedienung unseres CD-Players auch funktioniert. (Spoiler: Hat es nicht.)


Aus Finnland, nicht aus London

Das Verrückte an „Freestyler" ist, dass er so gar nicht nach seiner Herkunft klingt. Der Sound - dieser Mix aus Breakbeat, Drum and Bass und Hip-Hop - klang eigentlich total nach Londoner Underground. Nach UK Garage. Dass dieser Welthit ausgerechnet aus Finnland kam, dem Land der Saunas und Heavy-Metal-Bands, hat damals viele überrascht. Die Bomfunk MC's waren Exoten. Aber der Beat von Produzent Jaakko Salovaara war so präzise und dieser gleitende Synthesizer-Sound (dieses Wiuuuu-Wiuuuu) so catchy, dass es völlig egal war, woher sie kamen.


Ein One-Hit-Wonder? Jein.

In Deutschland und weiten Teilen Europas waren die Bomfunk MC's das klassische One-Hit-Wonder. Ja, sie hatten noch andere Songs („Super Electric" war auch okay), aber nichts kam an die Wucht von „Freestyler" ran. Der Song war 2000 die meistverkaufte Single in Europa. Er lief überall - auf MTV, auf VIVA, im Radio, auf dem Autoscooter. Er war der Soundtrack für eine Zeit, in der wir dachten, das neue Jahrtausend würde aus fliegenden Autos und silbernen Klamotten bestehen.


Warum der Song heute noch knallt

Freestyler" ist extrem gut gealtert. Warum? Weil er eine unfassbare Energie hat. Sobald dieser Breakbeat loslegt und Raymond Ebanks einsteigt („Straight from the top of my dome..."), wippt der Kopf automatisch mit. Es ist Musik, die sich nach Bewegung anfühlt. Nach Skaten, nach Graffiti, nach U-Bahn-Fahren ohne Ziel. Es ist der Sound einer Generation, die optimistisch in die Zukunft blickte - mit einem MiniDisc-Player in der Tasche, der leider bald vom iPod gekillt wurde. Aber hey, für drei Minuten sind wir wieder 15 und die coolsten Kids am Bahnhof.

Wusstest du... ...dass der Junge aus dem Video, Marlo Snellman, später selbst Musiker wurde und sogar als Model arbeitete? Er bekam die Rolle im Video angeblich durch Zufall, weil seine Mutter in der Modebranche arbeitete und ihn vorschlug. Heute erkennt man ihn ohne die riesigen Dreads allerdings kaum wieder.

 

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