H. P. Baxxter von Scooter.
Mal ehrlich: Du hast dich damals drüber lustig gemacht. Wir alle haben das. Als 1994 dieser wasserstoffblonde Typ im Fernsehen auftauchte und „Hyper Hyper" ins Mikrofon brüllte, dachten wir: „Okay, das ist ein Witz. In drei Wochen kennt den keiner mehr." Tja, falsch gedacht. 30 Jahre später füllt H.P. Baxxter immer noch Stadien. Und alles fing mit einem Song an, der eigentlich gar kein Song sein sollte.
Wir müssen uns kurz in die Zeit zurückversetzen. Es ist 1994. Techno wird gerade riesig. Es gibt die „coolen" DJs wie Westbam oder Sven Väth, die in dunklen Kellern und auf der Loveparade den Ton angeben. Und dann kommt eine Truppe aus Hamburg, die vorher Synthie-Pop gemacht hat, und sprengt die Party.
Die Legende von „Hyper Hyper" ist fast zu gut, um wahr zu sein - aber sie ist es: Scooter (damals H.P. Baxxter, Rick J. Jordan und Ferris Bueller) sollten eigentlich nur einen Remix für ein anderes Projekt machen. Der Track war fertig, aber er wirkte irgendwie leer.
H.P. Baxxter, der eigentlich gar nicht vorhatte, Techno-MC zu werden, schnappte sich einfach das Mikrofon, um den Sound zu testen. Er hatte keinen Text. Er hatte keinen Plan. Er fing einfach an zu improvisieren. Er schrie „Is everybody on the floor?" und fing an, die Namen von DJs aufzuzählen, die ihm gerade in den Sinn kamen. Das war kein genialer Masterplan. Das war ein Lückenfüller. Ein One-Take. Als sie es sich anhörten, merkten sie: Das ist total bescheuert. Aber es hat eine Energie, die Wände einreißt.
Das Ironische an dem Song ist der Text. H.P. Baxxter zollt darin der gesamten damaligen DJ-Elite Respekt: „We want to say hello to Westbam, Marusha, Steve Mason, The Mystic Man..." und natürlich „Sven Väth". Die Reaktion der Genannten? Die waren größtenteils entsetzt. Für die ernsthafte Techno-Szene war Scooter der Untergang des Abendlandes. Das war „Kirmes-Techno". Kommerziell, laut, billig.
Aber genau das war das Geheimnis. Scooter nahmen den elitären Techno-Sound und machten ihn massentauglich. Sie brachten die Rave-Atmosphäre in die Dorfdisco und auf den Schulhof. Du musstest kein Underground-Kenner sein, um „Hyper Hyper" zu verstehen. Du musstest nur schreien können.
Hast du dich das mal gefragt? Die Antwort ist enttäuschend banal: Es bedeutet gar nichts. Oder alles. Die Band hatte den Ausruf von einer schottischen Hardcore-Band namens Ultra-Sonic aufgeschnappt (deren Song „Annihilating Rhythm" klingt übrigens verdammt ähnlich - da drücken wir großzügig ein Auge zu). Es war einfach ein Wort, das gut klang, wenn man es mit viel Hall in ein Megafon brüllt. Es wurde zum geflügelten Wort einer ganzen Generation. Wenn heute jemand „Hyper Hyper" sagt, ist die einzig akzeptable Antwort immer noch „We need the bass drum!".
Scooter waren das erste Meme, bevor es das Internet gab. Aber sie haben überlebt, weil sie eine Sache verstanden haben: Entertainment. H.P. Baxxter ist kein DJ, der still hinterm Pult steht. Er ist ein Frontmann, ein Rockstar im Techno-Gewand. „Hyper Hyper" ist heute Kult, weil es so herrlich unperfekt ist. Es ist laut, es ist ein bisschen dumm, und es macht unfassbar viel Spaß. Wenn der Song auf einer 90er-Party läuft, fallen alle Hemmungen. Du siehst Banker, die ihre Krawatten lockern und versuchen, den Rhythmus mitzuklatschen. Scooter haben uns gezeigt, dass Musik nicht immer intellektuell sein muss. Manchmal muss sie einfach nur „Wicked" sein.
Wusstest du... ...dass die spanische Version der Sesamstraße den Song mal parodiert hat? Da sangen Figuren dann über „Super Super". Das zeigt: Wer es bis ins Kinderprogramm schafft, hat die Popkultur wirklich durchgespielt.
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