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Ohrwürmer aus der Werbung: 15 Songs, die durch TV-Spots berühmt wurden

(Geschätzte Lesezeit: 6 - 12 Minuten)

Tom Odell - Another Love"Another Love" von Tom Odell war Teil einer Telekom-Kampagne.

Du sitzt auf der Couch, die Werbepause läuft, und eigentlich willst du nur wissen, wie der Film weitergeht. Dann kommt dieser eine Spot. Und plötzlich googelst du nicht den Film, sondern den Song. Wir alle kennen das. Manche Werbesongs nerven so lange, bis man sie liebt. Andere sind vom ersten Takt an so gut, dass man vergisst, dass einem gerade Joghurt oder ein Mobilfunkvertrag verkauft werden soll.


30 Sekunden Primetime-Sendezeit

Was dabei oft untergeht: Für viele Künstler war genau dieser eine TV-Spot der Startschuss für alles. Ohne die richtige Werbung wären einige der größten Hits der letzten Jahrzehnte nie über den Status einer B-Seite hinausgekommen. Und umgekehrt haben Werbespots Songs aus der Versenkung geholt, die längst vergessen waren. Die Werbebranche hat längst verstanden, dass der richtige Song einen Spot unvergesslich macht - und dass umgekehrt 30 Sekunden Primetime-Sendezeit mehr für einen Künstler tun können als jede Radiotour. Hier sind 15 Beispiele, bei denen Werbung und Musik eine unheilige, aber verdammt erfolgreiche Allianz eingegangen sind.

Eines vorweg: Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt Dutzende weitere Beispiele. Aber diese 15 zeigen am besten, was passiert, wenn der perfekte Song auf den perfekten Spot trifft.


15 Songs, die durch TV-Spots berühmt wurden


1. Stiltskin - Inside (Levi's, 1994)

Wir müssen mit dem König der Werbesongs anfangen. In den 90ern war Levi's nicht nur eine Hosenmarke, sondern der wichtigste Musik-Kurator der Welt. Wenn dein Song in einem 501-Spot lief, warst du gemacht.

Der Spot: Ein Setting wie aus einem dystopischen Amish-Film. Ein frommer Jungenchor, schwarz-weiß, religiöse Strenge. Und mittendrin ein Typ mit langen Haaren, der oben ohne (aber natürlich mit der Jeans) durch die Gegend läuft.

Der Song: Ein Grunge-Brett, das sich gewaschen hat. „Inside" beginnt mit diesem düsteren Bass und explodiert dann im Refrain. Stiltskin waren eigentlich ein One-Hit-Wonder, wie es im Buche steht. Der Song wurde extra für den Spot geschrieben, klang aber so authentisch nach Seattle-Sound, dass er in ganz Europa auf Platz 1 schoss. Fun Fact: Sänger Ray Wilson landete später kurzzeitig als Frontmann bei Genesis. Kein Witz.


2. The Dandy Warhols - Bohemian Like You (Vodafone, 2001)

Erinnerst du dich an die Zeit, als Mobilfunkwerbung plötzlich „cool" sein wollte? Vodafone hatte Anfang der 2000er einen Lauf, der fast schon unheimlich war.

Der Spot: Menschen, die Spaß haben. Lachende Gesichter, rote Filter, das „How are you?" Logo am Ende. Diese „Lebe dein Leben"-Ästhetik eben.

Der Song: „Bohemian Like You" ist einer der lässigsten Indie-Rock-Songs aller Zeiten. Dieses Rolling-Stones-artige Gitarrenriff, der gelangweilte Gesang von Courtney Taylor-Taylor und das „Woo-Hoo!" im Hintergrund. Die Band existierte schon eine Weile im US-Untergrund, aber erst dieser Spot machte sie in Deutschland zu Superstars. Der Song läuft heute noch auf jeder WG-Party, und niemand denkt mehr an Handyverträge. Das ist der ultimative Sieg der Musik über das Produkt.


3. Mr. Oizo - Flat Beat (Levi's, 1999)

Wir bleiben noch kurz bei Levi's, weil man an diesem Phänomen nicht vorbeikommt. Diesmal ging es um die „Sta-Prest"-Hosen, die nicht knittern.

Der Spot: Ein Büro, ein Schreibtisch, ein Typ - und eine gelbe Plüschpuppe namens Flat Eric. Eric sitzt im Chefsessel, raucht (ja, damals durften Puppen im TV noch rauchen, glaube ich) und wippt mit dem Kopf zum Beat.

Der Song: Quentin Dupieux alias Mr. Oizo lieferte mit „Flat Beat" ein Stück minimalistischen Electro-Wahnsinn. Der Track besteht gefühlt aus drei Tönen und einem Bass, der klingt wie ein kaputter Auspuff. Es war seltsam, es war neu, und es ging durch die Decke. Flat Eric wurde zum Popkultur-Phänomen, und Mr. Oizo bewies, dass man mit einem Instrumental-Track ohne Gesang Platz 1 der Charts erobern kann - solange die Puppe cool genug ist.


4. Alex Clare - Too Close (Internet Explorer 9, 2012)

Microsoft und Coolness? Das passte 2012 eigentlich nicht zusammen. Der Internet Explorer war das Ding, das man benutzte, um Chrome herunterzuladen. Aber dann kam dieser Spot.

Der Spot: Visuell beeindruckend. Eine leere weiße Fläche, die sich aufbaut, während der Song an Fahrt aufnimmt. Alles schnell, dynamisch, HTML5-optimiert.

Der Song: „Too Close" ist das perfekte Kind seiner Zeit. Es beginnt als soulige Ballade und droppt dann in diesen wuchtigen Dubstep-Part („Wub-Wub-Wub"), der 2012 der heißeste Scheiß war. Alex Clare war kurz davor, von seinem Label gedroppt zu werden. Der Song dümpelte im Nirgendwo. Dann kam die Kampagne, und plötzlich war der Track ein globaler Hit. Clare hat danach nie wieder so einen Erfolg gehabt, aber dieser Song hat ihm vermutlich die Rente gesichert.


5. Robin Beck - First Time (Coca-Cola, 1988)

Wir gehen zurück in die 80er. Schulterpolster, Föhnwellen und der Glaube, dass eine braune Zuckerbrause die Welt vereinen kann.

Der Spot: Du kennst die Bilder. Junge, schöne Menschen, die am Strand, in der Stadt oder auf der Ladefläche eines Pick-ups eine Coke trinken. Alles perfekt ausgeleuchtet.

Der Song: Ursprünglich war das nur als Jingle geplant. „First time, first love ...". Die Resonanz war jedoch so gigantisch, dass man Robin Beck ins Studio schickte, um eine Vollversion aufzunehmen. Das Ergebnis ist eine Power-Ballade, die so viel 80er-Jahre-Pathos hat, dass es fast wehtut. Aber sind wir ehrlich: Wenn der Refrain kommt, singst du mit. Der Song war in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien auf Platz 1. Ein Werbesong, der echte Popgeschichte schrieb.


6. Caesars - Jerk It Out (Apple iPod Shuffle, 2005)

Manche Songs sind wie das Schweizer Taschenmesser der Werbebranche: Sie passen einfach überall. Die Schweden von Caesars lieferten genau so ein Ding.

Der Spot: Apple machte 2005 den Anfang und nutzte den Track, um den ersten iPod Shuffle (den weißen Stick ohne Display) als das coolste Gadget der Welt zu verkaufen. Dabei blieb es nicht. Renault wollte den Vibe für den Mégane, Coca-Cola die Energie, Nivea die Frische. Irgendwann lief der Song gefühlt in jedem zweiten Werbeblock.

Der Song: Dieses Orgel-Riff! Dödö-dö-dö-dö. Es fräst sich sofort ins Hirn und geht nicht mehr weg. „Jerk It Out" ist dreckiger, treibender Indie-Pop, der perfekt in die „Indie-Sleaze"-Ära der 2000er passte. Obwohl das Bandprojekt seit 2012 offiziell auf Eis liegt, ist der Song unsterblich. Er ist der Beweis, dass eine einzige, perfekte Hookline reicht, um Marketing-Abteilungen auf der ganzen Welt glücklich zu machen.


7. Jet - Are You Gonna Be My Girl (Apple iPod, 2003)

Apple hat in den 2000ern nicht nur Hardware verkauft - sie haben uns unseren Musikgeschmack diktiert. Die iPod-Kampagnen waren ikonisch.

Der Spot: Schwarze Silhouetten tanzen vor neonfarbenen Hintergründen (pink, grün, gelb). Das Einzige, was man im Detail sieht: die weißen Kopfhörerkabel und den weißen iPod.

Der Song: Die australische Band Jet lieferte mit „Are You Gonna Be My Girl" den perfekten Garagen-Rock-Sound. Dreckig, tanzbar, retro - es klang ein bisschen wie Iggy Pop auf Speed. Durch diesen Spot wurde der Song unsterblich. Er lief auf jeder Indie-Disco-Party. Apple hatte das Talent, Bands zu finden, die kurz vor dem Durchbruch standen, und ihnen den letzten Schubs zu geben.


8. Babylon Zoo - Spaceman (Levi's, 1996)

Nochmal Levi's. Ich verspreche, es ist das letzte Mal. Aber dieser Fall ist zu kurios, um ihn wegzulassen.

Der Spot: Aliens, Raumschiffe, Sci-Fi-Ästhetik. Ein blauer Planet. Alles sehr futuristisch für die 90er.

Der Song: Im Spot hörte man nur den Teil des Songs, der wie ein hochgepitchter Chipmunk-Techno klang („Space-man! I always wanted you to go..."). Die Leute liebten es. Sie rannten in die Plattenläden, kauften die Single - und waren schockiert. Denn der Rest des Songs war gar kein Techno, sondern ein langsamer, zäher Britpop-Song. Der „schnelle" Teil war nur ein Remix-Intro. Trotzdem (oder gerade deshalb) verkaufte sich die Single millionenfach. Ein klassischer Fall von „Der Trailer war besser als der Film".


9. Alice Merton - No Roots (Vodafone, 2017)

Manchmal muss man alles auf eine Karte setzen. 2017 war Alice Merton keine etablierte Künstlerin mit Major-Deal, sondern eine Newcomerin, die ihre Debütsingle komplett aus eigener Tasche finanzierte. Ein Risiko? Oh ja.

Der Spot: Dann kam Vodafone. Der Konzern hat in Deutschland eine beängstigend gute Trefferquote bei Musik-Entdeckungen (man denke an Rag'n'Bone Man, Capital Cities oder Woodkid). Sie pickten den Song für ihre TV-Kampagne, und plötzlich lief er in jedem Wohnzimmer der Republik.

Der Song: Sobald dieses knochentrockene Bass-Riff loslegt, weißt du Bescheid. „No Roots" ist minimalistisch, treibend und der perfekte Soundtrack für eine Generation, die überall und nirgends zuhause ist. Der Spot katapultierte den Track wochenlang in die Charts und brachte Merton am Ende sogar einen Echo ein. Guter Song trifft auf riesiges Werbebudget - und der Rest ist Geschichte.


10. Empire of the Sun - We Are The People (Vodafone, 2010)

Vodafone schlägt wieder zu. 2010 suchte der Konzern einen Song, der nach Freiheit, Festival und Gemeinschaft klingt.

Der Spot: Wieder junge Leute, die Dinge tun, die junge Leute in der Werbung eben tun: Roadtrips, am Lagerfeuer sitzen, das Leben genießen.

Der Song: Empire of the Sun sehen aus wie Aliens, die auf dem Weg zum Karneval falsch abgebogen sind, aber sie schreiben Melodien für die Ewigkeit. „We Are The People" ist Synthie-Pop in Perfektion. Diese akustische Gitarre am Anfang, die dann in den breiten Synthesizer-Refrain übergeht - das ist Gänsehaut pur. Der Song lief im deutschen Radio monatelang auf Heavy Rotation, hauptsächlich befeuert durch die massive TV-Kampagne.


11. Gossip - Heavy Cross (Telekom, 2009)

In Deutschland gibt es ein Phänomen: Songs, die hier riesig werden, während sie im Rest der Welt „nur" erfolgreich sind. „Heavy Cross" ist das Paradebeispiel.

Der Spot: Die Telekom bewarb ihre neuen Tarife (oder war es Entertain? Egal). Man sah die charismatische Beth Ditto, wie sie mit ihrer unglaublichen Präsenz alles an die Wand singt.

Der Song: Beth Dittos Stimme ist eine Naturgewalt. „Heavy Cross" kombiniert Disco-Drums mit Punk-Attitüde. In Deutschland hielt sich der Song unfassbare 97 Wochen in den Charts und wurde zum „Dauerbrenner des Jahrzehnts". Ohne die Dauerbeschallung durch die magentafarbene Werbung wäre er sicher auch ein Hit geworden - aber wohl kaum so ein monumentaler Klassiker der deutschen Radiolandschaft.


12. Moby - Porcelain (Diverse, 2000)

Moby ist ein Sonderfall. Sein Album Play aus dem Jahr 1999 verkaufte sich zunächst schleppend. Seine Idee: Er lizenzierte einfach jeden Song auf dem Album für Werbung, Filme und TV. Wirklich jeden.

Der Spot: Es gab nicht den einen Spot. „Porcelain" lief in der Werbung für Bailey's, für Bosch-Waschmaschinen, für Autos, für Parfüm. Du konntest den Fernseher nicht einschalten, ohne dieses Klavier-Sample zu hören.

Der Song: Melancholisch, ruhig, atmosphärisch. „Porcelain" ist der Soundtrack für verregnete Sonntage. Mobys Strategie ging auf: Durch die Omnipräsenz in der Werbung wurde Play eines der meistverkauften elektronischen Alben aller Zeiten. Er hat quasi das System gehackt.


13. Elvis Presley vs. JXL - A Little Less Conversation (Nike, 2002)

Zur Fußball-WM 2002 wollte Nike zeigen, wer der Boss ist (obwohl Adidas der offizielle Sponsor war).

Der Spot: „The Secret Tournament". Ein Käfig auf einem Schiff. Eric Cantona als Schiedsrichter. Und die besten Fußballer der Welt (Ronaldo, Ronaldinho, Henry, Totti) spielen 3-gegen-3. Es war der coolste Fußball-Werbespot aller Zeiten.

Der Song: Der niederländische DJ Junkie XL (JXL) nahm sich einen eher unbekannten Elvis-Song aus dem Jahr 1968 und legte einen fetten Big-Beat darunter. Das Ergebnis war pure Energie. Der Remix schoss weltweit auf Platz 1 - das erste Mal seit Ewigkeiten, dass der King of Rock'n'Roll wieder die Charts anführte. Und das alles wegen eines Sneaker-Herstellers.


14. Capital Cities - Safe and Sound (Vodafone, 2013)

Manchmal braucht ein Hit einfach einen zweiten Anlauf. Als das US-Duo den Song 2011 ursprünglich veröffentlichte, passierte ... fast nichts. Er dümpelte vor sich hin.

Der Spot: Dann kam 2013 Vodafone und lieferte einen der emotionalsten Spots des Jahrzehnts: ein Liebespaar, das im Zeitraffer gemeinsam alt wird. Falten kommen, Haare werden grau, aber sie halten Händchen. Kitsch, ja - aber dieser schöne Kitsch, bei dem man kurz schlucken muss.

Der Song: Sobald diese ikonische Trompeten-Hook einsetzt (Paparapapa...), geht die Sonne auf. „Safe and Sound" ist purer Optimismus, verpackt in Indie-Pop. Die Kombination aus den rührenden Bildern und diesem treibenden Beat traf genau den Nerv der Zeit. Das Ergebnis: 35 Wochen in den deutschen Charts. Deutschland (und der Spot) war der Zünder, der den Song erst zum Welthit machte.


15. Tom Odell - Another Love (Telekom, 2013)

Manchmal braucht ein Weltstar nur den richtigen Schubs zur richtigen Zeit. 2013 kannte kaum jemand den jungen Briten mit den blonden Haaren. Sein Debütalbum Long Way Down war noch nicht mal draußen.

Der Spot: Die Telekom wollte damals ihr neues, schnelles LTE-Netz bewerben. Das Motto: „Besondere Momente teilen." Zu sehen waren Menschen auf Reisen, emotionale Abschiede, große Wiedersehen - Bilder, die Fernweh und Nähe gleichzeitig auslösten. Diese typische „Erleben, was verbindet"-Ästhetik, die voll auf die Tränendrüse drückte.

Der Song: „Another Love" ist eine Naturgewalt. Er beginnt mit diesem einsamen, hämmernden Klavier und steigert sich in einen Refrain, der pure Verzweiflung schreit („All my tears have been used up"). Die Kombination aus den emotionalen Bildern und dieser rohen Energie sorgte dafür, dass niemand wegschalten konnte. Der Song hielt sich unfassbare 66 Wochen in den deutschen Charts - über ein Jahr. Dass er 2022 durch TikTok noch einmal viral ging, beweist nur, was die Telekom schon 2013 wusste: Dieser Song ist zeitlos.