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Wie viel verdient ein Künstler pro Stream?

(Geschätzte Lesezeit: 2 - 4 Minuten)

So viel verdienen Stars (und Newcomer) pro StreamWie viel verdient ein Künstler pro Stream? 

Wir alle haben sie auf dem Smartphone: die App, die uns Zugriff auf Millionen von Songs gibt. Egal ob Spotify, Apple Music oder Deezer - für knapp zehn Euro im Monat liegt uns die Musikwelt zu Füßen. Aber hast du dich schon mal gefragt, was davon eigentlich bei deiner Lieblingsband ankommt, wenn du auf „Play" drückst? Die Antwort ist ernüchternd: Es sind Bruchteile von Cents. Eine aktuelle Analyse zeigt drastische Unterschiede zwischen den Anbietern. Während manche Plattformen versuchen, fair zu vergüten, gleichen andere eher einem „Masse-statt-Klasse"-Modell. Wir haben die aktuellen Zahlen analysiert und für euch in Euro aufgelistet.


Die nackten Zahlen: Wer zahlt am besten?

Die folgende Tabelle zeigt, wie viel Geld brutto für einen einzigen Stream fließt und wie oft du einen Song hören musst, damit beim Künstler ein einziger Euro ankommt.

PlattformVergütung pro Stream (ca.)Streams für 1 Euro
TIDAL €0,0109 ~ 92
Apple Music €0,0068 ~ 147
Amazon Music €0,0034 ~ 293
Spotify €0,0027 ~ 370
YouTube Music €0,0017 ~ 588
Pandora €0,0011 ~ 885
Deezer €0,0009 ~ 1070

 Basis der Berechnung: 1 USD = 0,85 EUR. Werte sind Durchschnittswerte und können je nach Abo-Modell und Land variieren.


Die 3-Klassen-Gesellschaft des Streamings

Schaut man auf die Daten, gibt es klare Gewinner und Verlierer:

  1. Der „Edle": Tidal Tidal ist der Spitzenreiter. Hier gibt es über 1 Cent pro Stream. Das klingt wenig, ist aber im Streaming-Vergleich Luxusklasse. Um hier einen Euro zu generieren, reichen knapp 92 Hörer.

  2. Das Mittelfeld: Apple Apple Music zahlt mit ca. 0,68 Cent pro Stream solide, liegt aber deutlich hinter Tidal. Wer hier Musik hört, sorgt dafür, dass Künstler etwa 147 Streams benötigen, um den Euro vollzumachen.

  3. Die Sparfüchse: Spotify, YouTube & Deezer Spotify ist Marktführer, zahlt aber nur ca. 0,27 Cent pro Stream. Das bedeutet: Dein Lieblingssong muss 370 Mal laufen, damit der Künstler einen Euro sieht. Noch härter ist es bei Deezer: Hier sind es rechnerisch über 1000 Streams für einen Euro.


Brutto ist nicht gleich netto

Jetzt kommt der wichtigste Punkt, den viele Fans übersehen: Die oben genannten Cent-Beträge landen nicht direkt im Geldbeutel des Künstlers. Das ist lediglich der Brutto-Umsatz, der ausgeschüttet wird. Davon gehen noch etliche Stationen ab:

  • Der Vertrieb (Distributor): Damit der Song überhaupt auf Spotify & Co. landet, braucht man einen Vertrieb. Dieser nimmt sich oft einen prozentualen Anteil (z. B. 15-20 %) oder verlangt Gebühren.

  • Das Label & Management: Ist der Künstler bei einem Plattenlabel unter Vertrag, nimmt sich dieses oft den Löwenanteil für Marketing und Vorschüsse. Bei großen Deals sehen Künstler vom Streaming-Geld manchmal nur einen kleinen Bruchteil.

  • Die Steuer: Am Ende des Tages ist das Streaming-Geld eine Einnahme, die versteuert werden muss. Das Finanzamt hält also auch noch die Hand auf.

Fazit: Von den 0,0027 Euro bei Spotify bleiben netto oft nur Bruchteile übrig. Wenn eine Newcomer-Band also stolz postet, dass sie 100.000 Streams erreicht hat, bedeutet das nicht, dass sie reich ist - es bedeutet oft eher, dass sie sich davon vielleicht ein gebrauchtes Mikrofon kaufen kann, wenn überhaupt. Wer seine Lieblingskünstler wirklich unterstützen will, kauft daher Konzerttickets, T-Shirts, die gute alte Vinyl-Platte oder weiteren Merch. Streaming ist bequem für uns Fans - aber ein hartes Brot für die Musiker.