Die 20 besten Songs des Jahres 1984.
Willkommen im Jahr 1984. George Orwell hatte uns für dieses Datum eine düstere Überwachungsdystopie vorhergesagt. Was wir stattdessen bekamen? Lila Regen, eine Jungfrau in weißer Spitze und tanzende Geisterjäger. 1984 ist das absolute Peak-Year der 80er Jahre. Es war das Jahr, in dem alles „Larger than Life“ wurde. Die Superstars waren nicht nur berühmt, sie waren Ikonen. Prince, Madonna, Bruce Springsteen und Michael Jackson (immer noch auf der Welle) kämpften um die Vorherrschaft. Der Sound wurde bombastisch. Produzenten klotzten, sie kleckerten nicht. Jedes Schlagzeug klang wie eine Kanone, jeder Synthesizer wie ein Raumschiffantrieb.
Es war auch das Jahr der großen Blockbuster-Filme, die untrennbar mit ihrer Musik verbunden waren (Footloose, Ghostbusters, Purple Rain). Und in Deutschland? Da zeigten wir der Welt, dass wir nicht nur Marschmusik, sondern auch astreinen Synthie-Pop und harten Rock exportieren können.
Die Auswahl auf 20 Songs zu beschränken, war dieses Mal fast schmerzhaft, weil die Dichte an Welthits so absurd hoch ist. Aber hier sind sie: Die 20 Songs, die 1984 zum vielleicht größten Musikjahr der Geschichte machten.
Fangen wir mit dem Meister an. 1984 gehörte Prince. Der Film, das Album, der Song. "Purple Rain" ist kein normales Lied, es ist eine religiöse Erfahrung. Über acht Minuten lang (in der Albumversion) verschmilzt Prince Rock, Gospel, Pop und pure Emotion. Dieses Gitarrensolo am Ende? Das ist vermutlich das Gefühl, wenn eine Seele in den Himmel aufsteigt. Prince zeigte der Welt, dass man verletzlich und gleichzeitig der coolste Typ im Universum sein kann.
Ein Hard-Rock-Gitarrist (Eddie Van Halen) setzt sich ans Keyboard. Die Fans waren entsetzt - bis sie den Song hörten. "Jump" hat das vielleicht fröhlichste und bekannteste Synthesizer-Intro aller Zeiten. Es ist der Sound von purem Optimismus. David Lee Roth grinst sich durch den Text, Eddie liefert trotzdem ein Wahnsinns-Solo ab, und die Welt sprang mit. Der ultimative Stadion-Hit.
Hier wurde der Superstar geboren. Als Madonna bei den MTV Awards in einem Hochzeitskleid über die Bühne rollte und diesen Song sang, hielten konservative Eltern den Atem an und Teenager fanden ihre neue Königin. Produziert von Nile Rodgers, ist der Song musikalisch viel raffinierter, als man oft denkt. Der Basslauf ist genial, und Madonnas quietschige, selbstbewusste Stimme definierte eine ganze Ära.
"Relax, don't do it..." - oder doch? Die BBC bekam Panik wegen des sexuell aufgeladenen Textes und verbot den Song. Das Ergebnis? Er schoss sofort auf Platz 1. Produzent Trevor Horn schuf hier ein Klangmonster. Es wummert, es kracht, es ist aggressiv und tanzbar zugleich. Zusammen mit den "Frankie Say Relax"-T-Shirts war das mehr als Musik, es war ein kulturelles Phänomen.
Der Boss war bekannt für hemdsärmeligen Rock. Aber 1984 wollte er einen Hit. Er schrieb diesen Song angeblich über seine Frustration, einen Hit schreiben zu müssen. Ironischerweise wurde es sein größter. Der Synthesizer treibt den Song an, aber Bruce singt immer noch mit der Leidenschaft eines Mannes, der aus seinem tristen Alltag ausbrechen will. Und ja, das Video mit der jungen Courteney Cox ist Kult.
Technisch gesehen war George Michael noch bei Wham!, aber dies war sein erster Solo-Ausflug. Und was für einer. Das Saxophon-Intro erkennt man in 0,5 Sekunden. Es ist der ultimative Song für den letzten Tanz des Abends, wenn das Licht angeht und der Boden klebt. Kitschig? Vielleicht. Aber so herzzerreißend schön gesungen, dass es völlig egal ist. Ein zeitloser Klassiker über Schuld und Reue.
Aus Münster in die ganze Welt. Alphaville lieferten mit "Big in Japan" schon einen Hit, aber "Forever Young" ist ihre Hymne für die Ewigkeit. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und der Angst vor der Atombombe ("Hoping for the best, but expecting the worst") singt Marian Gold davon, den Moment festzuhalten. Ein Song, der auf jedem Abiball läuft und jeden, der ihn hört, für drei Minuten unsterblich macht.
Das größte Comeback der Musikgeschichte. Tina Turner war Mitte 40, hatte eine schwere Scheidung hinter sich und galt als "altes Eisen". Dann kam dieser Song. Sie tauschte den Rock gegen eleganten Pop-Soul, stolzierte auf High Heels durch New York und zeigte allen, wer die Chefin ist. Ihre Stimme ist voller Lebenserfahrung - rau, warm und unglaublich sexy.
Okay, hier müssen wir kurz klugscheißen: Die erste Version kam 1984 raus (und floppte), der Welthit wurde es erst 1985 mit dem berühmten Video. Aber der Song gehört einfach in diese Ära des Umbruchs. Dieser Synthesizer-Riff ist pure Energie, und Morten Harkets Stimme, die am Ende in Höhen klettert, wo die Luft dünn wird, ist schlichtweg beeindruckend. Nordische Pop-Perfektion.
Man kann diesen Song hassen, aber man kann ihn nicht ignorieren. Es ist der Inbegriff von "Bubblegum Pop". Bunt, laut, fröhlich und völlig überdreht. George Michael und Andrew Ridgeley in ihren kurzen Hosen und den "Choose Life"-Shirts hüpften durch das Video und brachten den Sonnenschein in die Charts. Ein Song wie ein doppelter Espresso mit viel Zucker.
Nochmal Deutschland, aber diesmal hart. Die Scorpions aus Hannover eroberten die USA im Sturm. Das Riff ist eines der besten der Rockgeschichte - simpel, brutal und effektiv. Klaus Meine singt sein charmantes "Denglisch", und der Song rockt einfach alles weg. Ob im Stripclub oder im Fußballstadion, dieser Song funktioniert überall, wo Testosteron in der Luft liegt.
Nach dem verrückten "Girls Just Want To Have Fun" zeigte Cyndi hier ihre verletzliche Seite. Es ist eine der schönsten Balladen der 80er. Ihre Stimme bricht immer wieder leicht weg, was dem Song eine unglaubliche Intimität verleiht. "If you're lost, you can look and you will find me..." - ein Versprechen von Freundschaft und Liebe, das zu Tränen rührt.
Musikalisch ein toller Pop-Rock-Song mit einem genialen Synthesizer-Solo (das eigentlich eine Gitarre sein sollte). Aber unsterblich wurde er durch das Video: Freddie Mercury mit Schnurrbart, Staubsauger und Frauenkleidern als Hausfrau. In den USA ein Skandal, im Rest der Welt ein riesiger Spaß und eine Hymne für die persönliche Freiheit.
Der Film war ein Hit, der Song war ein Phänomen. Wenn dieser Beat loslegt, zucken die Füße automatisch. Es ist schneller Rock’n’Roll im 80er-Gewand. Kenny Loggins war der König der Soundtracks (Top Gun kam ja auch noch), und "Footloose" ist sein Meisterstück. Ein Song, der einen dazu bringt, in einer Scheune tanzen zu wollen.
Ein Song, der tanzbar ist, aber eine tieftraurige Geschichte erzählt. Jimmy Somerville singt mit seinem unverwechselbaren Falsett über einen jungen Schwulen, der seine Heimatstadt verlassen muss, weil er dort nicht akzeptiert wird. Der pulsierende Synthesizer-Beat treibt den Song voran wie eine Zugfahrt in ein neues Leben. Wichtig, mutig und musikalisch brillant.
"Who you gonna call?" - Es gibt wohl kaum eine Frage, auf die weltweit so viele Menschen die gleiche Antwort brüllen würden. Der Song zum Film ist purer Funk-Pop. Er groovt, er ist witzig und er hat diesen Basslauf, den Ray Parker Jr. (vielleicht etwas zu sehr) von Huey Lewis inspirieren ließ. Egal: Es ist der perfekte Soundtrack für Geisterjagden im Kinderzimmer.
Mitten im ganzen Lärm und Neonlicht von 1984 kam Sade Adu, setzte sich auf einen Barhocker und brachte Coolness und Eleganz zurück. Der Song ist eine Mischung aus Jazz, Soul und Pop. Er klingt nach teurem Parfüm und Cocktails in einer Hotellobby. Sades Stimme ist so entspannt, dass sie den Blutdruck senkt. Ein stilvoller Ruhepol.
Mark Hollis war ein Genie, das sich nie um Trends scherte. "Such a Shame" ist Pop, aber intelligent und eigenwillig. Die Elefantenschreie (Synthesizer), der treibende Rhythmus und Hollis' fast klagender Gesang machen den Song einzigartig. Besonders in Europa war dies ein gigantischer Hit, der weit über den üblichen Einheitsbrei hinausging.
Ein Lied über das Nachtleben und den Kontrollverlust. Das Original stammte vom Italiener Raf, aber Laura Branigan machte daraus eine dunkle, mystische Disco-Hymne. Ihre raue Stimme passt perfekt zu der treibenden Bassline und den E-Gitarren. Der Song klingt wie eine wilde Nacht in einer Großstadt, die nie endet. "I live among the creatures of the night..."
Zum Abschluss nochmal purer Bombast. Duran Duran waren auf dem Höhepunkt ihres Ruhms. Produziert von Nile Rodgers, ist dieser Song laut, aggressiv und theatralisch. Das Video war damals eines der teuersten aller Zeiten. Die Trommeln klingen riesig, der Refrain ist zum Brüllen gemacht. Ein Song, der zeigt, warum Duran Duran die Könige der "New Romantic"-Welle waren.
Das war 1984. Ein Jahr, in dem die Popmusik so groß, so laut und so perfekt war wie nie zuvor.
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