Tidal kennzeichnet KI-Musik und zahlt keine Tantiemen aus.
Wer bei Tidal Musik hört, soll bald auf einen Blick erkennen, ob ein Song komplett aus dem Computer kommt. Der HiFi-Streamingdienst hat eine neue KI-Richtlinie angekündigt: Vollständig KI-generierte Tracks werden künftig sichtbar gekennzeichnet - und verdienen kein Geld mehr. Die neuen Regeln greifen ab dem 15. Juli.
Vier Dinge ändern sich. Erstens will Tidal vollständig KI-generierte Musik automatisch erkennen und mit einem kleinen „AI"-Symbol neben dem Titel markieren - Hörer sehen dann sofort, was rein künstlich erzeugt wurde. Zweitens geht der Dienst gegen Missbrauch vor: KI-Songs, die sich als echte Künstler oder Bands ausgeben oder zu Betrug dienen, sollen automatisierte Tools laufend und unverzüglich aussortieren.
Drittens fließt für rein KI-generierte Musik kein Geld mehr - weder Tantiemen noch der Direktverkauf an Fans sind erlaubt. Und viertens will Tidal die Regeln später auf Musik ausweiten, die „im Wesentlichen" von KI stammt, sobald die Erkennungstechnik zuverlässig genug dafür ist.
Bemerkenswert ist vor allem, dass Tidal überhaupt einsteigt. Bis vor Kurzem kennzeichnete der Dienst KI-Tracks nämlich gar nicht. Jetzt schließt er zu Mitbewerbern auf, die längst aktiv sind: Deezer markiert KI-Musik und hält sie aus den Empfehlungen heraus, Qobuz hat eine eigene „KI-Charta" samt Erkennungstool, Spotify hat Millionen mutmaßlicher KI-Spam-Songs gelöscht und seine Regeln gegen Stimmen-Fakes verschärft, und Bandcamp lässt KI-Musik gleich ganz nicht zu. Hintergrund ist die schiere Masse: Mit Tools wie Suno oder Udio entstehen in Sekunden fertige Songs, die das Tantiemen-System fluten. Erst seit die Erkennung per akustischem Fingerabdruck verlässlich funktioniert, trauen sich die Plattformen, hart durchzugreifen.
Für Hörer bringt die Kennzeichnung vor allem Transparenz: Das „AI"-Label macht sichtbar, was von Menschen und was von Maschinen stammt. Für echte Künstler ist es ein Schutzschild - gegen Stimmenklau und gegen die Verwässerung des Tantiemen-Topfs durch KI-Massenware. Tidal, das zum Block-Konzern von Jack Dorsey gehört und sich gern als besonders künstlerfreundlich inszeniert, untermauert damit seine Linie; schon bisher dürfen hochgeladene Songs nicht fürs KI-Training verwendet werden. Eine wichtige Unterscheidung bleibt aber: Vorerst geht es nur um vollständig KI-generierte Musik. Wer KI lediglich als Werkzeug nutzt, ist zunächst außen vor - doch diese Grenze dürfte sich verschieben, sobald die Technik mitzieht.
Kleiner Hinweis am Rande: Tidal definiert „KI-generiert" als Musik, die ganz oder im Wesentlichen von generativer KI stammt - die Kennzeichnung/Demonetarisierung greift aber zunächst für vollständig KI-erzeugte Tracks, der Rest folgt mit besserer Erkennung.
Quelle: Tidal