GALA - Freed from desire
Ein treibender Bass, ein „na na na na", das sich nie wieder aus dem Kopf verabschiedet, und eine Botschaft, die man zwischen all den Schweißperlen auf der Tanzfläche gern überhört: „Freed From Desire" ist mehr als ein Eurodance-Kracher. Der Song der Italienerin Gala wurde 1996 zum Welthit - und drei Jahrzehnte später ausgerechnet zur Stadionhymne.
Hinter Gala steckt Gala Rizzatto, geboren 1975 in Mailand. Vor ihrer Musikkarriere studierte sie Kunst in den USA, wo auch ihr erstes Demo entstand. „Freed From Desire" erschien 1996 als erste Single ihres Debütalbums „Come into My Life" und wurde von DJ Molella und Phil Jay produziert. Den Text schrieb Gala selbst - und der hat es in sich.
Statt des üblichen Tanzflächen-Hedonismus geht es um das genaue Gegenteil von Konsum. Inspiriert wurde Gala von ihrem damaligen Freund, einem Tänzer des Nationalballetts von Senegal, der in einem armen Viertel New Yorks lebte. Die Zeile „My lover's got no money, he's got his strong beliefs" ist also durchaus wörtlich gemeint: ein Loblied auf Menschen, die ohne Geld und Statussymbole zufrieden sind. Eine Hymne gegen den Materialismus, getarnt als Discokracher - das muss man erst einmal hinbekommen.
Musikalisch ist „Freed From Desire" Eurodance in Reinform: pumpender Beat, treibende Bassline, Galas markant tiefe Stimme. Das Publikum dankte es prompt. Platz eins in Frankreich und Belgien, Rang zwei in Großbritannien, Irland und Italien, dazu Diamant in Frankreich und dreifaches Platin auf der Insel. Das britische Magazin „Melody Maker" attestierte dem Stück eine fast unverschämte Europop-Unwiderstehlichkeit. Man kann ihnen schwer widersprechen.
Die kuriose zweite Karriere begann 2016. Fans des englischen Klubs Wigan Athletic dichteten den Refrain um zu „Will Grigg's on fire, your defence is terrified" - eine Hommage an ihren Stürmer Will Grigg. Das Video ging viral, und plötzlich grölte halb Europa die Melodie in den Stadien. Bei der EM 2024 lief der Song nach jedem Spiel. Eine tragische Pointe am Rande: Gala selbst verdiente an dem Welthit lange kaum etwas, weil ihr die Rechte am Original nie gehörten. 2024 nahm sie den Track deshalb noch einmal neu auf - ihre eigene Version, endlich auf eigene Rechnung. Befreit vom Verlangen, aber nicht von der Geschäftsmoral der Plattenindustrie.
Dass „Freed From Desire" so unkaputtbar ist, liegt auch an seiner Wandelbarkeit. Längst dient der Refrain nicht mehr nur dem Torjubel: Bei Demonstrationen, Pride-Paraden und Streiks wird die Melodie ebenso angestimmt, mal von der queeren Community, mal von protestierenden Lehrkräften mit eigenen, spöttischen Textvarianten. Über 700 Millionen Mal wurde der Song allein auf Spotify gestreamt. Das dazugehörige Video entstand übrigens in der Hamburger Speicherstadt - ein norddeutscher Drehort für einen italienischen Welthit, der heute in halb Europa aus den Stadionrängen schallt. Passender könnte die Reise eines Dance-Klassikers kaum sein.
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