Ein neues juristisches Kapitel im Nachgang der Tragödie um Tim Bergling, besser bekannt als Avicii, wurde aufgeschlagen. Arash „Ash" Pournouri, der langjährige Manager des verstorbenen DJs, hat in Schweden Klage eingereicht - mit dem Ziel, die öffentliche Wahrnehmung seiner Rolle im Leben und Sterben des Superstars zu korrigieren.
Dokumentarfilm „Avicii: True Stories"
Der Fall richtet sich gegen die Avicii AB und weitere Unternehmen, die heute von der Familie des Künstlers kontrolliert werden. Wer die Karriere von Avicii verfolgt hat, kennt die Narrative, die seit Jahren in der Öffentlichkeit kursieren. Besonders der Dokumentarfilm „Avicii: True Stories" sowie zwei veröffentlichte Bücher haben das Bild davon geprägt, wie die letzten Jahre des schwedischen Ausnahmetalents verlaufen sind. Genau gegen dieses Bild wehrt sich Pournouri nun vehement.
Der Vorwurf: Falsche Darstellung der Verantwortung
Im Kern geht es Pournouri um seinen Ruf. Er kritisiert, dass er in den genannten Werken zu Unrecht als Hauptverantwortlicher für den gesundheitlichen Zusammenbruch und den späteren Suizid von Tim Bergling dargestellt wird. Ein zentraler Punkt der Kritik war stets, er habe den Künstler gegen dessen Willen zu immer weiteren Tourneen gedrängt, obwohl es diesem sichtlich schlecht ging.
Pournouri hält dagegen: Diese Darstellung sei zeitlich und faktisch falsch. Er betont, dass die geschäftliche Zusammenarbeit mit Avicii bereits 2016 endete. Tim Bergling nahm sich das Leben im Jahr 2018. Der ehemalige Manager argumentiert, dass er für die Ereignisse in den zwei Jahren nach der Trennung nicht verantwortlich gemacht werden könne.
Es geht nicht ums Geld
Ein interessantes Detail der Klage ist die Motivation. Laut Pournouri zielt das Verfahren nicht auf finanzielle Entschädigung ab - es geht ihm nicht um Schadensersatz, sondern um eine Richtigstellung der Fakten. Er gibt an, jahrelang versucht zu haben, diese Differenzen privat und aus Respekt vor der Familie Bergling zu klären. Da dies jedoch nicht gelang, sieht er den Gang vor Gericht als einzigen Ausweg, um seine Sicht der Dinge offiziell protokollieren zu lassen.
Beweise statt Spekulationen
Um seine Version der Ereignisse zu belegen, kündigte der Ex-Manager an, umfassendes Material offenzulegen. Dazu sollen E-Mails, vertragliche Vereinbarungen und zeitlich datierte Aufzeichnungen gehören. Damit will er der Öffentlichkeit ermöglichen, sich anhand von Dokumenten ein eigenes Bild zu machen, statt sich nur auf Erzählungen zu verlassen.
Gleichzeitig zieht er klare ethische Grenzen: Pournouri versichert, keine privaten medizinischen Details von Tim Bergling zu veröffentlichen und die Situation nicht für persönliche Angriffe oder Schuldzuweisungen an Fans zu nutzen.
Die Familie Bergling hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen oder der eingereichten Klage geäußert. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Prozess entwickelt und ob er das Bild, das die Musikwelt von den Hintergründen der Avicii-Tragödie hat, nachhaltig verändern wird.




