FCK 2020 - Zweieinhalb Jahre mit Scooter.
Ein Event-Film wird nur selten aufgeführt. So wunderte es mich als Kinobesucher nicht, dass der Saal bei der Aufführung der offiziellen Scooter-Doku „FCK 2020 - Zweieinhalb Jahre mit Scooter" am Donnerstagabend sehr gut besucht war. Welcher Fan möchte es sich entgehen lassen, H.P. Baxxter und Co. auf der großen Leinwand zu hören und zu sehen?
Die erste Szene beamt uns in die Aufnahmen des Livestream-Konzerts „I Want You To Stream", das 2020 im allerersten Lockdown ins Internet übertragen wurde. Nach der musikalischen Einstimmung und den Backstage-Szenen des Livestreams dreht sich erst einmal alles um H.P. Baxxters Leben in seiner pompösen Villa, frustrierenden Gesprächen bezüglich der Corona-Zwangspause sowie einer Runde Kaffee & Tee mit Hans Peter Gerdes' Mutter und Schwester.
Die Anfänge und ersten Erfolge der Band nehmen einen verhältnismäßig kleinen Teil der Spielzeit ein. Hierbei kommen auch der langjährige Produzent Rick J. Jordan und H.P. Baxxters Cousin Ferris Bueller zu Wort, die zur Erstbesetzung von Scooter gehörten. Der Film widmet sich kurz danach den Aufnahmen der letzten zweieinhalb Jahre, in denen die Band mit Kamera begleitet wurde und es zeitweise fast unmöglich war, längerfristig geplante Auftritte und gemeinsame Treffen wegen der pandemiebedingten Einschränkungen wahrzunehmen. Neben diversen Eindrücken des Tourneelebens, Meetings, Videodrehs und Studioaufnahmen werden neben H.P. Baxxter und Jens Thele unter anderem auch die damaligen Scooter-Mitglieder Sebastian Schilde und Michael Simon immer wieder interviewt. Nicht zuletzt dadurch erfährt man etwas von dem Barzwang während der Tournee, den H.P. Baxxter für Band und Crew einst ausrief und dem sich Schilde als einer der Ersten widersetzte. Mit einem Augenzwinkern wird zudem gezeigt, dass die persönlichen Voraussetzungen und Wünsche des Sängers nicht immer einfach zu erfüllen sind. Spannend und humorvoll auch die Szenen im Musikstudio, wenn H.P. Baxxter seine legendären Lyrics entstehen lässt.
Gegen Ende der knapp zwei Stunden kommt etwas Schärfe hinzu, als das gesamte Team über eine mögliche Single diskutiert und dies in einer Auseinandersetzung zwischen H.P. Baxxter und Michael Simon eskaliert. Nur kurz darauf werden die beiden „Keyboarder", wie sie oft in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, von H.P. Baxxter zu Crewmitgliedern degradiert - nachdem sie während der laufenden Tournee kurzzeitig ohne Absprache abgereist sind. Der Film endet mit einem Auftritt von Scooter, bei dem die Stimmung durch diese Vorfälle eisig wirkt, und hinterlässt - im Wissen um den inzwischen offiziellen Ausstieg von Michael und Sebastian - einen schalen Beigeschmack.
Fazit: „FCK 2020 - Zweieinhalb Jahre mit Scooter" lässt uns mit vielen Details auf die letzten Jahre der Bandgeschichte schauen. Dabei wird deutlich, dass die Arbeit der Musiker und Crewmitglieder ein echter Knochenjob ist. Über die Geschichte von Scooter und die Spannungen zwischen den einzelnen Mitgliedern hätte man gerne noch mehr gesehen. Das Ende stimmt viele Fans eher traurig - doch es gibt genug Szenen, die zum Schmunzeln und Lachen anregen. Insgesamt eine kurzweilige und unterhaltsame Dokumentation, in der die Musik von Scooter glücklicherweise eine tragende Rolle spielt und immer wieder zu hören ist.