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Alles nur geklaut?

KSHMR & Tigerlily - Invisible Children

(Geschätzte Lesezeit: 3 - 5 Minuten)

Am Montag erscheint via Spinnin' Records KSHMRs Kollaboration mit der australischen DJane Tigerlily, weithin bekannt als „Tigerbae“ und wohl die Hauptperson in den nächtlichen Fantasien vieler EDM-Fans. Diese Zusammenarbeit kommt schon etwas überraschend, ad hoc hätte wohl niemand mit dieser Konstellation gerechnet. Umso besser ist aber, dass die Fans der beiden Künstler kaum auf diese Produktion warten mussten. Wie für KSHMR und Spinnin' Records allgemein eher ungewöhnlich verstreichen zwischen der Premiere des Tracks und der Veröffentlichung lediglich drei Wochen – das dürfte wohl Rekord sein! Erstmals vorgestellt wurde die Nummer auf KSHMRs Facebook-Seite durch mehrere Video-Snippets, in denen zuerst der Buildup und dann der Drop präsentiert wurden. Allerdings könnte sich hinter dem Track auch ein dunkles Geheimnis verbergen...


Psy of Die?

Ohne jetzt zu prophetisch werden zu wollen: Pstrance scheint aktuell sehr auf dem Vormarsch zu sein – zumindest Einflüsse aus dem Genre. Mit „Invisible Children“ erwartet uns nach Timmy Trumpets und Carnages „Psy Or Die“ nun bereits das zweite Spinnin'-Records-Release in kürzester Zeit, das Stilmerkmale dieses Genres trägt. Aber warum auch nicht?

Produzenten wie BLiSS sind auf dem Vormarsch und mit dem langsamen Aussterben des klassischen Bigroom benötigt die EDM-Szene eine neue Musik, um Energie zum Publikum zu transportieren. In der Break erwarten uns typische KSHMR-Sounds – Gitarren verschiedenster Sorte, eine östlich anmutende Stimme und sogar einige nahöstliche Sounds, die wir sonst eher von Jetfire kennen. Den Riser zum ersten Drop kennen wir bereits aus Kuras Electro-House-Bombe „Makhor“. Zuletzt bedankte sich Kura via Twitter sogar bei KSHMR dafür, sein Sample wiederverwendet zu haben.

Das wirklich interessante an dem Track sind zweifelsohne die Drops. Zu den üblichen Bigroom-Kicks gesellt sich hier eine mehr als fette Psytrance-Bassline, die zu weiten Teilen auch die Melodie trägt. Den Rest übernimmt ein Vocal-Sample mit sehr eingängiger Melodie – man ist fast zum Mitsingen gezwungen.

Im zweiten Drop ist das fast noch interessanter, denn hier wird zwar das selbe Arrangement genutzt, allerdings anscheinend einmal durch den Häcksler geworfen. Insgesamt eine sehr fett produzierte Nummer – einfach Lautsprecher aufdrehen und die Bassmassage des Neocortex genießen. Der Name „Invisible Children“ ist übrigens eine Anspielung auf Slum-Kinder aus Indien und soll auf die Missstände dort hinweisen.


Alles nur geklaut?

Nun zur Entstehung des Tracks: Wie schon gesagt kamen Kuras Makhor-Trommeln zum Einsatz, aber das ist wohl nicht der einzige Teil dieser Nummer, bei dem sich die Produzenten (ob nun gefragt oder ungefragt) anderswo bedient haben dürften. Vielmehr ist diese Nummer ein mehr als exakter Klon des Tracks „Indirasta“ von Jango, der vor einigen Monaten erschien – nur weitaus sauberer produziert.

Vom Vorwurf des Plagiats möchten wir KSHMR freisprechen, denn dazu kann er einfach zu gut und vielfältig produzieren. Vielmehr liegt der Verdacht nahe, dass Tigerlily hier involviert war. KSHMR zufolge kamen die anfängliche Idee zu dem Track sowie erste Entwürfe von ihr. Demnach habe sie sich mit ihren Drafts zunächst an den EDM-Altmeister Tiësto gewandt, der sie daraufhin an KSHMR verwiesen habe.

Ihm zufolge seien ihre Vorschläge zu diesem Zeitpunkt schon weit entwickelt gewesen, er selbst habe nur noch einige eigene Ideen hinzugefügt und das Projekt in kürzester Zeit fertiggestellt. Das lässt in jedem Falle aufhorchen, wenngleich wir der Australierin ohne Beweise nichts unterstellen wollen. Hört selbst in das „Original“ hinein und urteilt selbst.

 

 

Update: KSHMR äußert sich!

Nachdem er in Hunderten Kommentaren und Tweets auf die Ähnlichkeit zwischen "Invisible Children" und "Indirasta! hingewiesien worden war, äußerte sich KSHMR heute Vormittag via Facebook und Twitter zu dem Sachverhalt. Das in seinem Track verwendete markante Vocal aus dem Drop sei demnach dasselbe wie in der Produktion von Jango, was jedoch darauf zurückzuführen sei, dass beide dasselbe Vocal-Samplepack "Indian Vocal Sessions" von dem Anbieter Loopmasters für ihre Arbeit genutzt hätten.

Dass auch die Bassline beider Tracks nahezu gleich ist, erstaunte aber auch KSHMR selbst. Er selbst stellte fest, dass sich Jango wohl ebenso wie er selbst an dem Arrangement des Tracks "Mumbai" von JDG und Samual James orientiert habe und die Ähnlichkeit wohl so zu erklären sei. Der israelische Produzent Jango wiederum machte sich zeitgleich einen Spaß daraus, die Verschwörungstheorien in den Kommentaren unter seinem Track zu lesen, unter denen aus ungeklärtem Grund viele ebenso wie wir Tigerlily für die Schuldige hielten – die müssen doch alle von uns abgeschrieben haben! :)

Im Übrigen hätte es Jango seinem Statement nach zu urteilen mehr als nur gefreut, wenn KSHMR tatsächlich seine Idee aufgegriffen hätte – Kollegialität, die anderswo stark vermisst wird!

KSHMR & Tigerlily - Invisible Children

 

Fazit: Insgesamt ein mehr als gelungener Track von KSHMR (und Tigerlily). Die Kombination aus indischen Sounds, einer Psytrance-Bassline und KSHMRs überragenden Produktionskünsten haben hier ein Meisterwerk entstehen lassen, das ohne Zweifel in den kommenden Wochen und Monaten zu vielen Gelegenheiten laufen wird!

 

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Über den Autor
Maximilian Wild

Ich bin Jurastudent und bereite mich derzeit auf mein Staatsexamen vor. Meine Interessenschwerpunkte liegen im Bereich des geistigen Eigentums, das sich mit meinem ausgeprägten Interesse für Musik trifft. Für Dance-Charts.de verfasse ich hauptsächlich Nachrichten, Kommentare und Kolumnen, die sich mit aktuellen Entwicklungen der Szene befassen. Ich favorisiere kein Genre besonders, sodass sich in meinen Playlisten bunte Mischungen aus Tech House, Hardstyle und EDM finden. Mein absoluter Lieblingsact ist allerdings das deutsche House-Duo Claptone.

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