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ESC – No Points?

Eurovision Song Contest in der Krise?

Nicht nur Freunde und Bekannte, nicht nur die die deutschsprachige Intanettkommjunitie (#Antianglizismisieren ist doch das neue Schlagwort - oder doch nicht?), sondern die gesamte Galaxis mit allen seinen Lebensformen (happy #towelday anyway) fragt sich, warum ich mich noch nicht zum #ESC2015 ausgelassen habe. Schlicht gesagt komme ich erst heute dazu.

Eigentlich ist ja nichts älter als der Wurstbart von gestern, aber ich muss doch noch mal eingrätschen - zur deutschen Teilnehmerin und dem ESC im Allgemeinen. Ann Sophie findet sich am Ende des Abends mit NULL Punkten wieder. Das bietet doch viele Optionen für Häme und Fiesigkeiten. Das möchte ich mir heute mal sparen, sondern einen Aspekt aufgreifen, der in jeder Berichterstattung fehlt.

Klar, Peter Urban (man sagt ja, nur weil er für den ESC moderiert, braucht kein deutscher Beitrag ins Halbfinale, denn wir brauchen ihn auch im Finale ;-)) sagt, dass das Bewertungssystem angeglichen werden muss, da nun mehr Teilnehmer im Feld sind und ein 11-Platzierter genauso null Punkte erhält wie ein 27-Platzierter. Sicherlich kann auch über das (zumindest schon mal fairere) Zuschauer-Jury-Voting diskutiert werden, aber das deutsche ESC-Problem liegt woanders.

 

Preußischer Stock im Arsch

Wir sind das Land der Teilnehmer mit dem preußischen Stock im Arsch. Musikalisch ausgefeilt, gesanglich mehr als solide, choreografisch einwandfrei – charismatisch-verrückt… „Karis – was?“. Wer im ESC gewinnen will braucht eine „Type“, wie die bärtige Wurst, wie die barfüßige Hippie-De-Forest, wie die weltfremde Psycho-Loreen oder meinetwegen auch wie die verzogene ADHS-Rotzgöre Lena.

Das war aber irgendwie ein deutscher Ausrutscher, der über Jahre von Stefan Raab forciert wurde. Eigentlich haben die Plattenfirmen das Sagen. Sie schicken auf Hochglanz polierte Songs und Interpreten ins Rennen um das gläserne Mikrophon. Das mag zwar gut im täglichen Geschäft der Plattenbosse funktionieren, jedoch tickt der ESC anders. Es ist eine sehr alt eingesessene Veranstaltung, die sich jedoch immer wieder und immer schneller neu erfindet. Nachdem ABBA 1974 den ESC (der damals und bis 2001 noch unter „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ firmierte) gewonnen hatte, blieb ein wenig zu lange die Zeit der bunten und schrillen Fummel und schrägen Chansons bestehen.

Während es das mediale Aus in Deutschland bedeutete (die Kern-Zuschauerschaft lag zwischen 70 und 120 Jahren), blieb in Skandinavien der ESC jung. Er wird dort jedes Jahr gefeiert in einer Stimmungsmischung aus EM-Fußballfinalteilnahme und Fasching. Die 1980er waren auch die Zeit, in der der ESC erst zur heimlichen, dann zur unheimlich großen Plattform für Homosexuelle und Paradiesvögel wurde. Da gesellschaftlich noch massiv unterdrückt, war die Schwulenszene sehr versprengt und kaum organisiert. Durch den ESC bestand die Möglichkeit des europaweiten Austauschs und das offensive Eintreten für Neigungen und Sexualität. Zugleich rückte das Thema vom Rand der Gesellschaft in den Fokus – zumindest für einen Abend. Bis heute ist der ESC eine der größten Veranstaltungen für Homosexuelle.

Eurovision Song Contest in der Krise?


Mehr als nur ein bisschen Frieden für Stefan Raab

Auch „Ein bisschen Frieden“ (Nicole 1982) hat den ESC in Deutschland nicht wieder gestärkt. Dies schaffte erst Stefan Raab mit unterschiedlichen Formaten und Teilnahmen. Er setzte voll auf Charisma und/oder Quatsch. Dennoch war es trotz allem zu akkurat und zu „deutsch“, um Europa zu überzeugen. Erst mit Lena Meyer-Landrut und ihrem minimalistischen Auftritt im „Kleinen Schwarzen“ hatte Raab einen „Typen“ geschaffen, den Europa in dem Jahr brauchte. Beeindruckend!

Nun mag sicher der Eine oder Andere fragen, wieso denn die Plattenbosse das Sagen beim ESC haben, denn seit 2013-2014 gibt es im Vorwege das „Clubkonzert“, bei dem auf einem Internetportal die besten Newcomer gesucht werden, um eine Wild-Card für das deutsche Finale zu vergeben. Das hört sich ja zunächst einmal äußerst demokratisch und offen an – gerade da beide deutschen Kandidaten aus diesem Clubkonzert resultierten. Der Haken dabei ist jedoch, dass die gesamte Internetplattform von der Casting-Agentur „Brainpool“ (dahinter steht wieder Raab) organisiert wird.

Das bedeutet, dass von Brainpool vorgecastete Interpreten gepusht werden, als „Empfehlung der Redaktion“ oder auf noch wesentlich subtilere Art und Weise. Auch wenn die Internetseite kein Fake ist und „freie Bewerber“ eine Chance auf das „Clubkonzert“ haben, wird massiv darauf geachtet, dass die „blitzeblanken“ (und vermeintlich aussichtsreichsten) Interpreten die meisten Votes erhalten. Kurzum ist die Internetfarce die Freikarte für das Stefan Raab Imperium – auch eine Art Plattenboss.

 

Ann Sophies „Loser-Schranke“

Auch ja: Ann Sophie. Die Arme konnte aus psychologischer Sicht gar nicht gewinnen, denn in ihrem Kopf war immer die „Loser-Schranke“: Eigentlich-Habe-Ich-Gar-Nicht-Den-Voreintscheid-Für-Deutschland-Gewonnen-Wie-Kann-Ich-Dann-Den-ESC-Gewinnen??? – Aber liebe Ann Sophie, auch ohne dieses Trauma und einem damit anderen Auftreten (zumindest auf der Meta-Ebene) wäre der Song nur im unteren Mittelfeld gelandet, denn er hatte trotz gutem vokalen Handwerk den preußischen Stock im Arsch.

 

Der ESCirkus zieht weiter nach Schweden

Reisende soll man nicht aufhalten. Aus diesem Grund geht es auch 2016 im Gewinnerland wieder um die – nein, nicht Wurst (dies ist wahrscheinlich der letzte Wurst-Kalauer für alle ESC-Zeiten) – zwölf Punkte. Für Deutschland wäre wünschenswert, wenn sich die Organisatoren auf das Wesentliche besinnen. Der Eurovision Songcontest ist ein Wettbewerb für Songwriter und Composer, nicht für die „Dienstleister“ Sänger. In einem halbwegs fairen Auswahlverfahren sollen lediglich Songwriter ihre eigenen Werke vorstellen und interpretieren, damit die Songs „echt“ bleiben. Dieser Songwriter handelt für sich, erst nach der Wahl hat dieser die freie Entscheidung für ein Management. Auch wenn dann nicht Tausendschön auf der Bühne steht, wird es eine „Type“ sein, die Deutschland mit ganzer Seele durch das eigene Lied vertreten kann.

 

Fazit: Nur, wenn sich die deutsche Organisation des ESC (erneut) reformiert, kann der Wettbewerb (nach dem Gewinn 2016) endlich in der deutschen Hauptstadt des ESC stattfinden; in Hamburg.


 

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