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Wozu Drogen?

Review: Wilwarin-Festival

(Geschätzte Lesezeit: 2 - 3 Minuten)

Festivals sind nach einer Flaute in den 1990ern und 2000ern wieder angesagt. Totgeglaubte Festivals werden wieder zum Leben erweckt, die traditionsreichen Festivals geraten an ihre Kapazitätsgrenzen und Mega-Events, mit Mega-Headlinern, mit Mega-Technik und Mega-Preisen, erreichen entspannt ihr Break-Even und fahren fette Gewinne ein. Da fragt man sich, wieso Dance-Charts.de von einem kleinen, norddeutschen 8000-Mann Festival berichtet, zumal der Themenschwerpunkt irgendwo zwischen Independent, Hip-Hop, Ska und Punk liegt.

Das passt nun wirklich nicht in das EDM-Themenspektrum. Nur dass es bereits 18 Jahre besteht und von Freaks und Hippsters gleichermaßen besucht wird, reicht auch nicht aus. Dass das Festival in einem Wald stattfindet und Wilwarin auf elbisch Schmetterling bedeutet, bringt uns schon näher ans Thema.

 

Ein Trip, wie bei „Herr der Ringe“

Wilwarin E_StageAuch, wenn die Main-Stage eher die Sechzehntel-Anschläge auf der Gitarre bietet, die Second-Stage mit Holzbohlen aussieht, wie eine Festhalle der Beorninger, eine Skater-Stage zum Rollen auffordert und eine Amphi-Reggae-Stage mit Off- und Back-Beat bei lustigem Zigarettenrauch zum Verweilen einlädt, findet man noch tiefer im Wald etwas, das eigentlich nicht existieren dürfte – gerade nicht hier. Die E-Stage, der „echteste und ehrlichste“ Club der Welt (bitte entschuldigt diese gequälten Superlative). Ein sattes Soundsystem lässt den Tänzer, der bald barfuß im weichen Sand stampft, vergessen im tiefen Wald unter freiem Himmel zu sein. Öffnet dieser dann doch die Augen, eingefangen vom Beat und Rhythmus, sieht er durch Bäume den Sternenhimmel. Eine künstlerische Licht- und Effektinstallation ist ebenso mehrdimensional, wie die Musikrichtungen, die hier in 50 Stunden non-stopp von etwa ebenso vielen DJs verabreicht werden. Überall, in den eigens gebauten Holzbrücken und Emporen, gibt es Ecken und Nischen zum Chillen und Spacen.

 

One-Off-Rave der frühen 1990er

Für mich war es, auch dieses Jahr, wie eine Zeitreise oder ein erlebbares Museum, das trotzdem am Puls der Zeit schlägt. Die ersten Raves in den 1990ern fühlten sich ähnlich pulsierend-schwebend an. An einem kurzfristig ausgerufenen Ort wurde eine Nacht, oder ein Wochenende, aufgelegt und getanzt. Dabei gab es keine „Verbote“. Ob Techno, House, Deep, Breakbeat, Drum `n` Bass, Dubstep, Trance, Ambient oder Goa – alles hat seine Zeit in den Sets der unterschiedlichsten DJs. Ob morgens um 4 Uhr die Sonne aufgeht, die Mittagshitze den Sand aufheizt oder die Abenddämmerung Nebel bringt, immer wird getanzt, zur immer passenden Musik. Es fühlt sich knisternd, ein bisschen illegal und unglaublich gut an.

Wilwarin-Festival

 

Fazit: Wer also diese rhythmisch-treibende Zeitreise ins Hobbitland erleben möchte, der sollte frühzeitig die Karten für das Wilwarin-Festival in Ellerdorf zwischen Rendsburg und Neumünster kaufen (ist regelmäßig ausverkauft) und sich für das erste Wochenende im Juni die Zeit blocken.

 

www.wilwarin.de

 

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