"So Strung Out" von C-Block.
„So Strung Out" von C-Block ist weit mehr als ein weiterer Eurodance-Hit der 90er. Veröffentlicht im Oktober 1996, katapultierte diese Single die deutsche Hip-Hop-Formation an die Spitze der europäischen Charts. Mit ihrer düsteren Thematik und dem eingängigen, melancholischen Sound hinterließ sie einen bleibenden Eindruck - und brach mit der oft unbeschwerten Natur des Genres, indem sie die Verzweiflung der Drogensucht schonungslos in den Mittelpunkt stellte.
Entstehung und Künstler
C-Block war ein deutsches Euro-Rap- und Hip-Hop-Projekt, das von den Produzenten Franky Miller, Jörg Wagner und Ulrich Buchmann ins Leben gerufen wurde. Gesichter und Stimmen der Gruppe waren die beiden US-Rapper Anthony „Red Dogg" Joseph und James „Mr. P" White.
Für „So Strung Out" holten sie die deutsch-spanische Sängerin Raquel Gomez ins Studio. Ihre eindringliche, emotionale Hookline („I'm so strung out and now I don't know what to do...") - ein verzweifeltes Gebet an Gott - bildet den perfekten Kontrast zu den harten, beschreibenden Rap-Versen von Red Dogg und Mr. P.
Thematik und Songtext
Wo andere Hits dieser Ära tanzbar aber textlich seicht waren, wagte sich „So Strung Out" an ein ernstes, unbequemes Thema: Kokainabhängigkeit. Die Rap-Strophen beschreiben den Teufelskreis aus Paranoia, Verzweiflung und unstillbarem Verlangen nach der nächsten Dosis.
„Cocaine got my brain and I'm sweatin' 'cause I'm ice cold."
„Paranoid, ich schaue mich überall um ... Damn, I always feel like somebody's watchin' me".
Der Song zeichnet das Bild einer Person, die die Kontrolle über ihr Leben verloren hat und zwischen Suizidgedanken („Should I take my life away?") und der vagen Hoffnung auf göttliche Erlösung („Dear God, will you pull me through?") schwankt. Diese ungeschönte Darstellung verleiht dem Track eine für das Genre ungewöhnliche Tiefe.
Musikalischer Stil und Video
Musikalisch ist „So Strung Out" ein klassischer Euro-Rap: treibender, aber melancholischer Beat, klare Struktur aus Rap-Versen und gesungenem Pop-Refrain. Als Grundlage dient ein Sample des Soul-Funk-Tracks „Ashley's Roachclip" von den Soul Searchers (1974), das durch Eric B. & Rakims „Paid in Full" bereits Hip-Hop-Berühmtheit erlangt hatte.
Das Musikvideo unterstrich die ernste Botschaft konsequent. Es zeigte Szenen von Drogenkonsum und dessen verheerende Folgen im Leben eines jungen Mannes - und endete mit klaren Anti-Drogen-Botschaften wie „Stop the Madness" und „Say No to Drugs".
„So Strung Out" war die zweite Single von C-Block und ihr mit Abstand größter kommerzieller Erfolg. In ganz Europa schlug der Song ein:
Deutschland: Platz 4 der Charts (und eine Gold-Auszeichnung).
Schweiz: Platz 7
Österreich: Platz 14.
Der Track etablierte C-Block als eine der erfolgreichsten deutschen Hip-Hop-Formationen der 90er und ebnete den Weg für das Debütalbum „General Population" (1997), das mit weiteren Hits wie „Time Is Tickin' Away" überzeugen konnte.
Bis heute ist „So Strung Out" ein Klassiker des 90er-Jahre-Raps - geschätzt nicht nur für seinen eingängigen Sound, sondern vor allem für den Mut, ein ernstes soziales Problem auf die große Bühne der Popmusik zu bringen und einer ganzen Generation in ihren dunkelsten Momenten eine Stimme zu geben.
