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Glidesonic - Return to Desire (Don’t Love Me Just Love Me)

Wann kommt die musikalische Revolution?

Generation Ed Sheeran

(Geschätzte Lesezeit: 3 - 5 Minuten)

Generation Ed SheeranWann kommt die musikalische Revolution? 

Musik ist immer ein Ausdruck einer Generation und Kultur. Über Musik kann sich der Jugendliche von den Eltern und Erwachsenen abgrenzen und auflehnen. Musik war im 20. Jahrhundert das Sprachrohr der Veränderung und Auflehnung gegen bestehende Systeme.


Jede Generation hat ihre musikalische Aussage

Die Swing Kids im Dritten Reich hörten gemeinsam Jazz und Swing und trafen sich heimlich um nach der Musik der „Feinde“ zu tanzen, um der Militärmusik zu entkommen – unter Gefahren für ihr Leben. Die Beatgeneration, beginnend mit den Beatles lehnte sich, ausgehend vom Nordwesten Englands, gegen die Eltern auf, die sagten: „Wir müssen wieder das zerstörte Land aufbauen, keine Zeit für Spaß.“ Die „Hippiegeneration“ mit dem Eckpunkt des Woodstock-Festivals prangerte den Krieg, insbesondere in Vietnam, an und stand ein für Love and Peace, selbst unter Repressalien durch die Staatsgewalt. In den 1980ern war der Punk mit der Angst um Krieg und Zukunft und dem Slogan „No Future“ gegenwärtig. Etwas differenzierter keimten zwei Strömungen in den 1990ern auf. Der Grunge, als musikalische Aggression gegen die Beliebigkeit in der Gesellschaft und der Rave als kollektiver Ausbruch aus den gesellschaftlichen Bahnen (zumindest für ein Wochenende).


Ed Sheeran und die neuen Deutschpoeten

Tja, und der Aufstand der derzeitigen Generation ist Ed Sheeran und sind die neuen Deutschpoeten? Musik, die Emotionen und Gänsehaut erzeugen sind hoch im Kurs. Jeder Hörer fühlt sich persönlich angesprochen und kann sich mit den Harmonien und den Texten irgendwie identifizieren. Nur sind diese Gefühle nicht echt und eigen, sondern professionell und exakt arrangiert mit einem Ziel: Geld verdienen. Das Produkt ist die Musik und vielleicht auch der Künstler, der mittlerweile vom Namen und Gesicht fast austauschbar geworden ist, ob Bosse, Joris, Poisel, Madsen, Max oder Benne, alle plätschern pseudo-tiefgründig dahin, auf Seelenfang bei der zumeist jungen Zuhörerschaft. Böhmermann hat, selbst hoch medienwirksam, schon einmal der Maschinerie den Spiegel vorgehalten, mit dem von Affen ausgewählten Textpassagen im Song „Menschen, Leben, Tanzen, Welt“. Der Guru der Beliebigkeit ist dabei Ed Sheeran. Ohne Aussage eine Aussage treffen, nimmt derzeit weltweit eine Generation mit. „Feel Good“ oder „Feel Bad“ ist unerheblich, Hauptsache ist überhaupt etwas zu fühlen, auch, wenn es mittlerweile selbst bei Sheeran aus der Retorte, mit riesiger Musikindustrie-Maschinerie ist.

Facebook und die Politik

Diese musikalische Kultur der Abzieh-Emotionen ist wie ein Nikotionpflaster: aufgeklebt, kurz die Sucht nach Gefühlen befriedigt und wieder abgerissen. Und sie passt zu den Massenmedien, die auf Content ausgelegt sind, auf Selbstdarstellung in der Menge und zugleich Vereinsamung des Individuums. Die Musik ist nicht gemacht für eine „Jilted Generation“ (The Prodigy 1994) oder die Wut der Jugend über auch nur irgendetwas. Die Musik ist konzipiert, um jeden einzelnen Zuhörer gefügig zu halten. Es soll nicht verschwörungstheoretisch klingen, damit uns eine Macht besser leiten kann, oder so, sondern schlicht und allein marktwirtschaftlich gedacht, um das nächste Produkt, den nächsten Song wieder verkaufen zu können. Musik ohne Seele und nur Emotionen bedienend. Klingelt es? Genauso funktioniert derzeit auch Politik. Nachdem die Politiker keine Themen mehr haben, für die sie mit ganzem Einsatz kämpfen, sondern lediglich Aussagen verwalten und dabei versuchen die eigene Macht zu erhalten, durch eine Wiederwahl, ist auch die Politik dazu verkommen die Emotionen des Einzelnen zu bedienen. Kleine Pöbelparteien benutzen die „Feel Bad“ Strategie und bedienen – ohne Hintergründe und Fakten – die Ängste jedes Einzelnen und erreichen damit unglaublichen Zulauf. Wiederum nur Emotionen, ohne Inhalt und trotzdem funktioniert es.


EDM und Festivals

Vielleicht vermisst jemand nun die großen EDM-Festivals, die wie eine Jugendbewegung aussehen. Ja, diese Veranstaltungen sind tatsächlich das, was die neue Generation braucht. Heraus aus der medialen Isolation, hinein in ein gemeinschaftliches Erleben und Tun. Das ist auch der Grund, warum nach dem Festivalsterben der 1990er nun auch wieder kleine und besondere Festivals wiederbelebt oder neu ins Leben gerufen werden. Doch auch an Megaveranstaltungen der EDM-Szene kann Individualisierung abgelesen werden. Super-Stars legen Musik auf, die wiederum nur auf Emotionen angelegt sind, nämlich Beats und Rhythmen. Texte werden, bis auf unwichtige Top-Lines ganz weggelassen. Letztlich ist das aber die Grundidee der Musik. Wer sich Ureinwohner ansieht, die wenig Kontakt zur Außenwelt haben, findet genau dies: Beats und Rhythmen, um gemeinsam in eine musikalische Trance zu fallen, ein Akt der Gemeinschaft, aber individuell erlebt von jedem Einzelnen.


Wann kommt die musikalische Revolution?

Dennoch sind diese Festivals keine Aussage einer Generation. Erst, wenn etwas die Jugend so aufrüttelt, dass sie sich gemeinsam gegen das bestehende System auflehnt, dann wird es auch eine neue musikalische Revolution geben. Ein bisschen „Hambacher-Forst“ um sich in der „Feel-Bad“ Situation gut und stark zu fühlen reicht nicht. Ein Naturaktivisten-Leuchtturmprojekt ist zwar ganz nett, um kurz mediale Aufmerksamkeit zu erreichen, doch werden parallel Baumbestände in zig-facher Menge für andere Energieprojekte in Deutschland gerodet. Wenn aber die junge Generation erkennt, dass ein gemeinsamer Kampf zum Beispiel gegen Plastikverpackungen funktioniert, dann ist das der Start zu einer ökologischen Revolution. Und dies wird sich auch in einer von der Musikindustrie unabhängigen Musikentwicklung zeigen. Dazu müssen wir jedoch erst einmal die derzeitige Despoten-Schwemme auf der Welt überleben und gegen die Politikverdrossenheit durch Inhalte ankämpfen. Also, drücken wir uns die Daumen.

Marco Boehm

(dies ist ein Kommentar und somit Meinung des Autors, nicht zwangsläufig der Redaktion)

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    Elli · Vor 10 Tagen
    Muss es denn bei Musikstilen immer das große Aufbäumen sein? Die große Revolution? Eigentlich ist der prägende Musikstil doch immer ein Ausdruck der gesellschaftlichen Umstände und vielleicht ist diese gelebte Emotionalität ein Ausdruck dafür, dass das Bedürfnis der Jugend derzeit darin besteht, Emotionen zeigen zu dürfen. Wir leben in einer Zeit, in der der Leistungsdruck und die Erwartungen immer höher werden und das „Funktionieren“ immer mehr in den Vordergrund tritt, das keinen Freiraum für Abweichungen lässt. Emotionen über Musik zu verstehen und zu transportieren scheint wichtig zu sein, ansonsten wäre eigentlich auch die Popularität der Volksmusik oder eines Andreas Gabalier nicht zu erklären. Persönlich wünsche ich mir auch anspruchsvollere und vor allem weniger eingängige Texte, aber das war in den 90igern ja noch viel schlimmer, wo ganze Lieder quasi nur einen Refrain hatten (z.b. What ist Love - textlich sehr übersichtlich). Ich hab mich damit abgefunden, dass derzeit die Zeit der sensiblen Liedermacher mit viel Weltschmerz angebrochen ist. Manche Lieder sind gar nicht so schlecht, wenn sie mitreißend und positiv sind, aber im Ganzen freue ich mich schon auf eine neue Welle.
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    DJ KITON · Vor 24 Tagen
    Sehr gut ge.und beschrieben,Danke!
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    Verena Klier · Vor 24 Tagen
    Eine von der Musikindustrie unabhängige Musik wäre gut, wird es aber wohl kaum geben. Eine ökologische Revolution im Denken unserer jungen Generation - überhaupt mal ein Mitdenken - wäre mit Sicherheit dringend notwendig. Aber alles bitte nicht ohne bunte Blumen im Garten unserer Erde, auch wenn sie nutzlos erscheinen. Ich denke, der Musiker und Songwriter Ed Sheeran ist eine dieser bunten Blumen in einer doch recht kalten, nüchternen Welt.

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Über den Autor
Marco Boehm

Musik begleitet mich im Leben. Als Musiker, Songwriter und DJ sind Beats und Rhythmus die Grundlagen für das Musikgefühl. In Kombination mit musiktheoretischem Hintergrund wird daraus ein ganzheitliches Musikverständnis. Elektronische Clubmusik kann mich dabei genauso beeindrucken wie Pop, Rock oder Chartmusik. Selbst der Eurovision Song Contest fasziniert mich. Aus diesem Grund lasse ich mich auf keine Musikrichtung festlegen.

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