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Spire-Studio von iZotope: Das Studio aus der Ravioli-Dose

(Geschätzte Lesezeit: 5 - 9 Minuten)

Spire-Studio von iZotopeSpire-Studio von iZotope.

Endlich. Darauf habe ich als Song-Writer so lange gewartet. Erst hatte ich die Eingebung, dass es ein Stand-Alone-Portable-Studio geben müsste, das in guter Qualität Ideen direkt dort aufnimmt, wo sie entstehen. Dann sah ich, dass es mit dem Spire-Studio bereits so etwas gab, jedoch nur für den US-amerikanischen Markt. Doch nun ist es endlich in Europa angekommen. Und ich habe es ausgiebig ausprobiert.


Großartige Pre-Amps

Natürlich vergleiche ich das formschöne und ergonomische Gerät aus Metall, mit den wenigen Knöpfen nur in der Überschrift mit einer Ravioli-Dose, um Leser zu generieren. Billiger Trick? Egal. Auf jeden Fall ist das Spire-Studio kein billiger Trick. Moment. Wir müssen uns jetzt noch über den Unterschied von billig und günstig unterhalten.

Das Gerät mit den großartigen Pre-Amps von „Grace Design“ für die beiden Mic/Line-Combo-Eingänge und dem hervorragenden, eingebauten Kondensator-Mikrofon ist wirklich preiswert. Für um die 400 Euro erhält man ein 8-Track Studio, das noch vor ein paar Jahren einen großen Raum und viele Tausend Euro gekostet hätte. Damit sind wir bei „nicht billig“ angekommen. Die Qualität, mit der die Signale – entweder durch die Eingänge – oder über das Mikrofon verarbeitet werden, ist überzeugend gut. Ein Rauschen ist minimal, die Klangdichte hervorragend. Das Mikrofon ist eine eierlegende Wollmilchsau. Es kann in einer leisen Umgebung sehr feine Nuancen aufnehmen. Hier können als Negativbeispiel auch schnell Störgeräusche auffallen (Regen an der Scheibe, Computerlüfter, Blätterrascheln im Stadtpark, das Beat-Tippen mit dem Fuß), die bei anderen Aufnahmegeräten bisher keine Rolle spielten, da sie im allgemeinen Rauschen untergingen. Im Positiven kann das Spire-Studio sehr leisen Gesang in vielen Facetten und Farben aufnehmen. Andererseits hat das Mic auch kein Problem damit im Probenraum oder im Club mit jeder Menge Dezibel-Druck umzugehen. Mit einem kleinen Knopfdruck „Soundcheck“ stellt sich das Gerät in bis zu 10 Sekunden auf die Umgebungslautstärke ein und pegelt sich selbst aus. Ein etwas merkwürdiges Gefühl, die Aufgabe aus der Hand zu geben, ich habe aber nur gute Erfahrungen mit dem „Soundcheck“ gemacht, wobei immer Spitzenlautstärken erreicht werden sollten, um ein späteres Übersteuern zu minimieren.

Von der Qualität der Aufnahmen kann es das Spire-Studio also mit allen gängigen Field-Recordern aufnehmen. Nun bleibt jedoch die Frage, ob es in der Bedienung auch als hochwertiges Demo-Studio taugt. Es ist jammern auf hohem Niveau, doch hätte ich mir drei oder vier parallele Aufnahmekanäle gewünscht. Natürlich bedeutet es mehr Platz, mehr Vorverstärker und mehr Material, jedoch nehme ich meist Ideen folgendermaßen auf: ein Schlagzeug-Computer (Beat Buddy), eine Gitarre, einmal Gesang. Spiele ich mit einem Kumpel ein, dann brauchen wir Keyboard, Gitarre und zweimal Gesang. Nur für Proberaum-Demos reichen zwei Eingänge aus. Da nehme ich das eingebaute Mikrofon oder zwei externe Membran-Mikros (48V Phantomstrom ist übrigens vorhanden). Wenn ich nur Ideen aufnehme, mit Gitarre und Gesang, dann würde ein Field-Rekorder genügen, doch da ich parallele Tracks haben möchte, finde ich zwei gleichzeitige Spuren etwas dünn. (Anmerkung: Wenn Input 1 belegt ist, wird automatisch das interne Mikro abgestellt. Gitarre und Gesang parallel auf zwei Tracks ist also zum Beispiel mit Build-In-Mic und 6,3mm Klinke an der Gitarre (Input 2) möglich.

Ohne Kopfhörer wird man nichts hören. Zur Verfügung stehen zwei 3,5mm Klinken-Ausgänge für Kopfhörer, das genügt. Auch diese klingen vernünftig und sind über einen „Volume“ Schalter auf der Spire-Studio-Oberfläche zu regulieren. Mit etwas Übung können die großen „Play“ und „Stopp“ Buttons so bedient werden, dass tatsächlich acht Spuren nacheinander aufgenommen werden können und das als Stand-Alone-Funktion. Wenn der integrierte Akku dann noch – über das mitgelieferte, einfache Netzteil – aufgeladen ist, hält das Gerät ehrliche vier Stunden Aufnahmesessions aus.

Spire gehört zu iZotope, einem Sound-Engineering-Unternehmen mit innovativen Produkten. Dieses geht sehr modern mit Devices um. Leider steckt in dem Gerät keine SD-Karte, auf dem die Stems als Rohdateien gespeichert sind, um sie am heimischen Rechner an der DAW weiterzuverarbeiten. Vielmehr führt der Weg immer über die kostenlose Spire-App. Das Handy (die beiden großen Betriebssysteme funktionieren) wird somit zur Bedienoberfläche und zum Dateienverwalter für das Spire-Studio Gerät. In meiner Altersstruktur, um die 50 Jahre, ist genau dies für viele Musiker, die für das Spire-Studio prädestiniert wären, das Knock-Out Kriterium. Aber vielleicht möchte iZotope gar keine Käufer ansprechen, die Angst vor Online-Banking und der digitalen Weltverschwörung haben, sondern ist klar für die multimediale Welt aufgestellt. Ich habe kein Problem mit der Handy-Bedienung, es bleibt aber der schale Nachgeschmack eines Ex-Apple-Users. Man wird als Apple-User einiger Freiheiten beschnitten und lässt es sich gefallen, da man ein gesamtes Apple-Netzwerk aufgebaut hat, dass zwar miteinander kommuniziert, aber sonst inkompatibel ist. (Ja, ja, ich höre schon die feingliedrigen Apple-User aufschreien. Bleibt bei eurer Designer-Droge, aber macht euch bewusst, dass ihr abhängig seid.) Auch beim Spire-Studio erwarte ich persönlich, dass es in Zukunft eine Pro-App geben wird, die regelmäßige Kosten verursacht, dafür aber beste Qualität ermöglicht – also eine Frage der Abwägung und des Bedarfs.

Die App koppelt sich mit dem Spire-Studio. Ab diesem Moment ist man von der Internet-Umwelt abgeschnitten. Gut für eine störungsfreie Arbeitsatmosphäre, schlecht, da man nicht mehr erreichbar ist. Doof ist auch das Übertragen von Files in die Cloud oder sonst wohin jenseits des Handys. Das geschieht erst, wenn die Verbindung zum Spire-Studio gekappt ist und sich das WiFi wieder mit dem Internet verbindet – gar nicht so „multi“medial. Zumindest gehen über das Mobilnetz Anrufe weiterhin ein.

Spire

Die App ist sehr einfach und komfortabel zu bedienen. Zuerst musste ich mich etwas ans Scrollen gewöhnen, da die Oberfläche nicht auf einen Bildschirm passt. Spire bietet die Möglichkeit Live-Effekte zu aktivieren. Selbst für die Western-Gitarre klingt ein 50er-Jahre Amp mit sanfter Distorsion sehr gut und nützlich. Über den Kopfhörer erhält der Musiker, nahezu latenzfrei, den Effekt auf die Ohren. Das ist gut. Einen Kopfschüttler gibt es allerdings. Ich kann mich nur entscheiden, dass ich die Spur mit Effekt aufnehme oder ohne. Es wird keine Ur-Datei gespeichert, auf die ich später zugreifen kann. Kurzum: Wenn mir ein Effekt später doch nicht gefällt, dann kann ich nicht auf eine cleane Aufnahme zugreifen, da diese nicht existiert. Andersherum können Effekte nicht im Nachhinein auf eine Spur angewandt werden. Ich finde es sehr ärgerlich, aber dies ist eine Frage der Firmware-Updates. iZotope wird mit Sicherheit daran mit Hochdruck arbeiten, denn würde es so bleiben, wäre es ein KO-Kriterium für alle Musikschreibenden.

Die Effekte für den Gesang gefallen mir derzeit nicht so gut, aber das ist ein noch geringeres Problem, denn iZotope ist sehr breit aufgestellt in absolut hochwertigen Softwarelösungen im Bereich von Sounds und Effekten. Da müssen sie schnell mal ein Upgrade aus dem eigenen Sortiment springen lassen. Denn derzeit ist die Feinabstimmung echt mau. Entweder ist die Stimme crisp, aber ohne Effekt oder klingt nach Kathedrale oder gefliestem Klo. Das geht besser. Ich habe meine Stimme immer clean aufgenommen und später am Rechner – in der eigenen DAW – mit Effekten unterlegt. Die Qualität der reinen Aufnahmen reicht vollkommen aus, um vernünftige und hochwertige Demos durch externes Mastering zu erstellen.

Habe ich noch nicht die 31 LEDs erwähnt, die nicht nur gut aussehen, sondern tatsächlich auf dem Spire-Studio orientierend helfen und bei der Ansteuerung unterstützen? Und wie sieht es mit der Tasche aus, die man für viel Geld zusätzlich erwerben kann? Das Spire-Studio sitzt sicher eingepackt in der runden Tasche mit Schulterriemen, das Netzteil verschwindet in einer Außentasche und im oberen Bereich ist noch Platz für Reisekopfhörer und ein 3m 6,3mm Klinkenkabel. Der Preis ist aber schon zu hoch angesetzt, mit 69 Euro.


Nutzungsmöglichkeiten

Vor meinem Fazit muss ich noch auf weitere Nutzungsmöglichkeiten zu sprechen kommen.

Zum einen ist das Spire-Studio sehr gut geeignet, um eine eigene Rede oder eine Diskussionsrunde – zum Abhören oder Transkribieren – aufzunehmen. Durch das integrierte Mikrofon werden sogar hörbare Ergebnisse erzielt, wenn der Sprecher mit dem Rücken zum Gerät steht und in den Raum spricht. Mit einem Lavalier-Mikrofon am Revers entstehen Aufnahmen, die als semi-professionelle Mitschnitte dienen können, zum Beispiel zur Video-Nachvertonung.

Zum anderen kann es mit auf dem DJ-Deck platziert werden. Ein Mitschneiden von Sets ist eigentlich nicht schwer, aber die Atmosphäre des Clubs zu transportieren ist jedoch sehr schwierig. Ich habe bei einigen Gigs einen Monitorausgang in den Input 2 laufen lassen und das integrierte Mikro zum Floor gestellt. Soundcheck nicht vergessen, um nicht zu übersteuern, und dann war jeder Schrei der Entzückung und jedes Mitgrölen auf dem Spire-Studio gebannt. Ein Zeitdokument-Mitschnitt in hoher Qualität für den egozentrierten DJ oder seine musikalischen Anhänger.

Letztlich soll nicht der virtuelle Workflow mit Musiker-Kollegen auf der ganzen Welt vergessen werden. Über jeden Cloud-Speicher können gemeinsame – vom Spire-Studio synchronisierte – Musikprojekte verwirklicht werden. Dafür waren bisher gute DAWs notwendig. Nun können Songs aufgenommen und vor-abgemischt werden. Großartig!


Fazit

Es gibt durchaus noch Einiges zu Meckern für mich, aber die Zeit nehme ich mir nur, wenn ich es für wichtig halte. Und das Spire-Studio halte ich für wichtig. Es ist eine kleine Offenbarung als Field-Studio im Taschenformat. Die Qualität der verbauten Hardwareelemente ist außergewöhnlich gut für den moderaten Preis. An der Software sollte iZotope schnell nachsteuern, damit der Komfort sich dort auch mit der Qualität deckt. Ich hätte mir eine doppelte Funktion gewünscht. SD-Karte als 8-Track-Field-Rekorder und per App, wenn ich gleich Effekte nutzen oder in den Mix gehen möchte. Doch dieses kleine Manko hält mich nicht davon ab davon zu schwärmen, wie gut ich erste Ideen bereits aufnehmen, verarbeiten und weitergeben kann – und das überall, wirklich überall. Für Kreative, die durchgängig von Kreativität überfallen werden gibt es eine deutliche Kaufempfehlung. Für die zögerlichen Bedenkenträger empfehle ich noch eine Generation abzuwarten, bis die Kinderkrankheiten auskuriert sind. Aber dann gibt es auch für die kein Halten mehr.

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Über den Autor
Marco Boehm

Musik begleitet mich im Leben. Als Musiker, Songwriter und DJ sind Beats und Rhythmus die Grundlagen für das Musikgefühl. In Kombination mit musiktheoretischem Hintergrund wird daraus ein ganzheitliches Musikverständnis. Elektronische Clubmusik kann mich dabei genauso beeindrucken wie Pop, Rock oder Chartmusik. Selbst der Eurovision Song Contest fasziniert mich. Aus diesem Grund lasse ich mich auf keine Musikrichtung festlegen.

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