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DONNERSTAG, 21. September 2017

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18
Dez
2016

Musikalischer Jahresrückblick

KSHMR: Das waren seine Tracks in 2016

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KSHMRDJ & Produzent KSHMR

Man weiß nicht so recht, was man von Niles Hollowell-Dhar alias KSHMR im Jahr 2016 halten sollte. Wie gewohnt ging es bei ihm querbeet durch die Genres, von Dance-Pop über Bigroom und sogar Psytrance bis hin zu Future Bass und Trap war alles irgendwie dabei. Über seine Fertigkeiten als Produzent brauchen wir nicht mehr zu streiten, denn diese sind mehr oder weniger unbestritten. Seine Live-Sets hingegen sind da so eine Sache... Wer sich lediglich um sein eigenes Entertainment schert, dürfte sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gut unterhalten fühlen. All diejenigen, die für ihr Geld auch reale Arbeit geboten haben möchten, dürften sich hingegen etwas hintergangen fühlen, denn KSHMRs „Live-Sets“ wirkten doch durch die Bank ziemlich prerecorded, was jedoch nicht verwunderlich ist – schließlich legt der Mann erst sein gut einem Jahr öffentlich auf. Musikalisch hatte KSHMR im Jahr 2016 allerdings so einiges zu bieten!


R3hab & CIara – Get Up (KSHMR Remix) (Januar)

Das Jahr begann für KSHMR mit einem für seine Verhältnisse etwas ungewohnten Genre, das er im weiteren Verlauf von 2016 allerdings immer häufiger produzieren sollte, nämlich mit trappigem Dance-Pop. Aller Anfang ist schwer und so ist es auch nicht verwunderlich, dass dieser Remix zu R3habs und Ciaras tropisch angehauchtem „Get Up“ nichts für schwache Nerven war. Rein technisch lässt sich KSHMR nichts nachsagen, aber ein wirklicher Mitsing-Faktor tritt bei diesem Lied eben auch nicht ein. Zu bewusst dissonant ist das gesamte Setting gehalten, zu quäkig stellen sich die einzelnen Sounds dar, zu saft- und kraftlos ist Ciaras Stimme in den Strophen – genau gegenteilig in den Refrains, die dank ihrer angenehmen Stimmlage tatsächlich ein wenig ins Ohr gehen. Insgesamt maximal eine mittelprächtige Produktion, aber es kommt noch besseres, versprochen!


KSHMR & Felix Snow feat. Madi – Touch (Februar)

KSHMRs erste Original-Single des Jahres war eine Kollaboration mit Felix Snow und der Sängerin Madi. „Touch“ hat durchaus etwas berührendes, bis es in den doch sehr brachialen Drop hineingeht, der einen im Vergleich mit dem doch sehr beschaulichen und behaglichen Mainpart recht unsanft aus den Laken zu hauen weiß. Wir finden uns – trotz Beatports „Electro-House“-Labelung – im gepflegten Trap wieder. Die Strophen plätschern gemütlich vor sich hin und können einen durchaus gut einlullen. Gepflegte Pluck-Sounds und das Phänomen des Jahres 2016 schlechthin, nämlich Vocal-Chops, verbreiten gute Laune. Und obwohl uns der Drop mit der brachialen Gewalt glitchiger Dub-Sounds trifft, haben es die Produzenten geschafft, ihn perfekt auf den Rest des Tracks abzustimmen. Durchaus bemerkenswerte Produktion, die als Gratis-Beigabe für alle Beatport-Konsumenten noch eine weitaus massentauglichere VIP-Version mit sich brachte. Im 2/4-Takt und mit weniger harten Sounds lässt sich das Lied für den typischen Pop-Fan doch gleich viel besser aushalten!


KSHMR feat. Sidnie Tipton – Wildcard (April)

Wohl einer von KSHMRs besten Track in diesem Jahr dürfte Wildcard gewesen sein. Der lange als Kollaboration mit dem niederländischen Progressive-House-Duo Vicetone gehandelte Song war KSHMRs erster Solotrack, der es an die Spitze der Beatport-Top-100 schaffte und wohl auch einer der beliebtesten Tracks des US-Amerikaners überhaupt. Die Breaks wissen durch ihr interessantes Sounddesign und Sidnie Tiptons erstklassig auf die Produktion abgestimmte Stimme zu überzeugen, der Drop hat dagegen eine ordentliche Wucht und den Mitgröhl-Faktor schlechthin – nach einer gewissen Menge Alkohol dürfte sich jeder dazu verleitet fühlen! In den vergangenen Wochen veröffentlichte KSHMR via Facebook ein Studio-Tutorial, in dem er demonstrierte, wie er Sidnie Tiptons Gesang in Melodyne an seine Vorstellungen anpasste. Wie schon zu „Touch“ gab es auch für „Wildcard“ eine VIP-Version, die entweder als Beigabe zum Beatport-Kauf des Tracks erhältlich war oder in KSHMRs EP-Album „The Lion Across The Field“ erhältlich war.


KSHMR – Dadima (Mai)

Speaking of it... im Mai kam dann KSHMRs EP-Album „The Lion Across The Field“, in dem er ein Kinderbuch vertonte, das er Jahre zuvor geschrieben und veröffentlicht hatte. Dadima, indisch für „Oma“, ist KSHMRs eigenen, indischen Großmutter gewidmet und hat das, was man wohl als „Atmosphäre“ bezeichnen würde. Sitar-Klänge, Panflöten, indische Vocal-Chops – die volle Palette, wenn es um indischen Sound geht. Interessant ist hieran zu beobachten, dass der Track mit 102 Beats pro Minute wohl das langsamste ist, was bisher unter dem Namen „KSHMR“ erschien – ein Hinweis auf zukünftige Produktionen? Ganz bestimmt, denn genauso geht es auf der EP auch weiter. Insgesamt lässt sich über „Dadima“ sagen, dass der Track zwar ein hohes Niveau erreicht, aber nicht wirklich hochklassig ist. Drops und große Teile der Breaks sind sehr angenehm anzuhören, aber dieser Track ist nichts, was man monatelang in Dauerschleife hören kann.


KSHMR – Hymn of Reflection (Mai)

Wir bleiben im selben Tempo-Bereich um die 100 Beats pro Minute. „Hymn of Reflection“ ist ein weiterer Track von der EP „The Lion Across The Field“. Hierbei handelt es sich wohl um eine der interessantesten Produktionen dieses Albums, da wir einerseits eine Vielzahl verschiedener, interessanter Sounds zu hören bekommen, andererseits aber auch schöne Stimmen und durch einen kräftigen Daftizer gejagte Vocal-Chops – quasi ein „Get Lucky“ aus Fernost. Die Mischung aus organisch und elektronisch passt hier einfach zu gut. Eine eingängige Melodie und die angenehme Grundstimmung lässt einen sehr harmonisch strukturierten, gut hörbaren, aber auch nicht übermäßig spektakulären Track entstehen, der sich eigentlich am besten als Hintergrundbeschallung eignet.


KSHMR – Jungle Whistle (Mai)

Als KSHMR „Jungle Whistle“ erstmals im Dezember 2015 auf seiner Facebook-Seite teaste, wussten seine Fans nicht so recht, was sie davon halten sollten. Der geteaste Abschnitt war etwas quäkig, andererseits aber auch wieder sehr atmosphärisch, sodass sich die Fans uneins waren, was denn nun aus dieser Nummer werden sollte. Herausgekommen ist eine Mischung aus dem wie gesagt sehr quäkigen Break-Part und einem interessant instrumentierten Drop, der leichte Moombah-Vibes zu verbreiten weiß. Die Kombination aus quäkigen Saws und Stringsounds arrangiert in orientalischen Harmonien kann schon einiges. Zu beachten sind besonders die für westliche Harmonieschemata undenkbaren übermäßigen Sekund-Intervalle im Drop-Lead. Tempomäßig ist eine Steigerung auf 110 Beats pro Minute zu erkennen. Eine der stärkeren Produktionen von der EP, ganz ohne Frage.


KSHMR – Sleepwalk (Mai)

„Sleepwalk“ ist die wohl unspektakulärste Produktion von „The Lion Across The Field“. Die etwas beliebig gewählten Melodien plätschern betulich vor sich hin, östliche Stimmen schnattern unverständlich vor sich hin, eine allgegenwärtige Panflöte bläst uns in sanftestmöglicher Manier den Marsch ohne wirklich da zu sein. Tempomäßig erreicht die Nummer zwar einen Nennwert im Bereich eines normalen Housebeats, vermag aber doch eher einzuschläfern, da eine wirklich dominante Kickdrum fehlt – Tempo ist eben nicht alles! Wenn man es sich in seinem Ohrensessel gemütlich machen möchte und gerne ruhige, elektronische Saiten anschlagen möchte, dann möge man „Sleepwalk“ erlauben, seinem Namen gerecht zu werden. Das berühmte Wort „Geschmackssache“ trifft hier ganz gut zu.

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