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Wednesday, 07. December 2016

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08
Jun
2015

Ist der Streamingdienst bald am Ende?

Soundcloud droht der Ausverkauf ?

Soundcloud

Unter DJs und Musikproduzenten erfreut sich der Streaminganbieter Soundcloud nach wie vor größter Beliebtheit. Er bietet einfachen und unkomplizierten Upload und gegen Zahlung Promotion für seine Nutzer. Beinahe jeder neue EDM-Track wird vor seiner Veröffentlichung als Preview auf Souncloud hochgeladen, um ihn den Fans schmackhaft zu machen. Mit Millionen von monatlichen Nutzern ist Soundcloud eines der aktuell beliebtesten sozialen Netzwerke. Eigentlich könnte es gar nicht besser laufen. Und doch droht jetzt Ungemach durch seiteninterne Umstrukturierungen, insbesondere auf rechtlicher Ebene. Dadurch könnte das Unternehmen den größten Teil seiner Stammnutzer einbüßen.

 

Soundcloud

Soundcloud wurde im Jahr 2007 von den Sound-Designern Alexander Ljung und Eric Wahlforss gegründet. Der Streamingdienst – anfangs noch als soziales Netzwerk zum raschen Austausch unter Musikern konzipiert – wuchs rasch und konnte innerhalb weniger Monate MySpace – eines der damals beliebtesten sozialen Netzwerke – aus diesem Bereich verdrängen. Seither bietet Souncloud Newcomer wie Stars eine beliebte Anlaufstelle, insbesondere im EDM-Bereich. Für Anfänger in der EDM-Szene bietet Soundcloud die Möglichkeit, eigene Produktionen hochzuladen und so der Öffentlichkeit zu präsentieren, während Stars mit Kurz-Previews zu neuen Releases und Podcasts das Verlangen ihrer Fans nach neuer Musik immer weiter steigern können.  Inzwischen hat Soundcloud 350 Millionen monatliche Nutzer. Aus urheberrechtlichen Gründen werden jedoch insbesondere in letzter Zeit Mashups und Mixe eher unbekannter Nutzer wie auch Bootlegs von Szenegrößen wie Mike Candys vom System gelöscht, was zu mehrere Protestwellen führte.

 

Zusammenarbeit mit Zefr

Im August 2014 ging Soundclouds neue Zweigstelle On.Soundcloud an den Start, die für Pro- und Pro-Unlimited-Nutzer reserviert ist. Die höchste Rechte-Stufe, der sogenannte Premier-Account, kann nur durch Einladung erlangt werden und ist somit nur bekannten und erfolgreichen langjährigen Nutzern von Souncloud vorbehalten. Premier-Rechte erlauben es, seine eigenen Tracks verstärkt zu bewerben. Das war der erste Schritt zur Kommerzialisierung von Soundcloud, durch die „Spotlight“-Features konnten so bekannte Musiker ihre Musik noch leichter promoten, während es für neue Produzenten noch schwerer wurde, Fuß zu fassen.

Im April dieses Jahres kündigten die Betreiber von Soundcloud zudem eine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Zefr an. Zefr stellt seit Jahren eine Software für die Videoplattform YouTube zur Verfügung, dank der urheberrechtlich geschütztes Material herausgefiltert und so gezielt gesperrt werden konnte. Die Auswirkungen dieser Partnerschaft auf Soundcloud sind spürbar, diverse von außen verlinkte Dateien wurden bereits gelöscht, ebenso wie Mixtapes, Mashups und Bootlegs. Das hatte einen Shitstorm zahlreicher Nutzer sowie eine Massenabwanderung zu anderen Diensten wie Mixcloud oder Bandcamp zur Folge. Einerseits ist der Wunsch nach mehr Urheberrechtsschutz zwar verständlich, andererseits war Soundcloud jahrelang eine Plattform für ebendiese Arten musikalischer Entfaltung, die zum Rückgrat vieler Nutzer des Dienstes wurde und nun einfach wegfällt.

 

Erste Löschungen durch Zefr

Bereits eine Woche nach der Implementierung von Zefr gab es schon den ersten Skandal auf Soundcloud: Fünf Tracks der legendären DJs und Produzenten Knife Party wurden wegen offensichtlicher Urheberrechtsverletzungen an sich selbst (?) von ihrem eigenen Account entfernt, was zu einem Verlust von Millionen von Klicks führte; das System hatte versehentlich die originalen Uploads von Previews und Vollveröffentlichungen als Verletzungen der Rechte des Labels Big Beats erkannt und daraufhin die Tracks kurzerhand gelöscht. Nach einer Beschwerde von Knife Party sowie einer öffentlichen Demütigung von Soundcloud auf Twitter wurden die Dateien wiederhergestellt.

Der nächste Skandal ließ nicht lange auf sich warten; wenige Wochen nach der Löschung und Wiederherstellung der Knife-Party-Tracks scheiterten die Verhandelungen zwischen Soundcloud und der Sony/Columbia-Gruppe über die Vergütungen für die Verwendung von bei deren Labels registrierten Tracks. Daraufhin veranlasste Sony die Löschung aller Tracks von bei ihnen unter Vertrag stehenden Künstlern wie Hozier, Adele oder Passion Pit. Letztendlich war es Sonys Bestreben, mehr Geld aus dem eigentlich als soziales Netzwerk gestarteten Projekt zu schlagen und mit Soundcloud einen ähnlich hoch dotierten Vertrag wie mit Spotify (wir berichteten) abzuschließen. Letztendlich befand das Management von Sony/Columbia, dass Soundcloud nicht genug Möglichkeiten der Gewinnmaximierung bot und brachen somit den Kontakt ab.

 

Auch Größen wie Martin Garrix und Madeon betroffen

Am 17. Mai wurde es dann wirklich lustig, Zefr beschloss kurzerhand, dass Martin Garrix' Song „Don't Look Down“ nicht auf Martin Garrix' Account zu finden sein dürfe. Und als Martin Garrix den dann nicht mehr fand, fand er das gar nicht gut und beschwerte sich – wie auch sonst – auf Twitter, was abermals massive Proteste hervorrief. Letztendlich kam Garrix allerdings zu einer gütlichen Einigung mit seinem Label und Soundcloud, die den Track versehentlich gelistet hatten. Kurz darauf stellte Soundcloud die Datei wieder her.

Ende Mai kündigte dann auch Madeon – tief enttäuscht von seinem Label und Soundcloud – an, dass bald seine gesamte Musik gelöscht werde. Bislang ist das zwar noch nicht geschehen, aber bei allem, was der Streit zwischen Sony und Soundcloud bisher hervorgebracht hat, kann es sich nur um eine Frage der Zeit handeln, bis Sony seine Drohung auch hier wahr macht. 


Wie geht es jetzt weiter?

Durch den Sony-Soundcloud-Streit sind auch andere große Labels auf den Geschmack gekommen und befürchten, mit Soundcloud nicht genügend zu verdienen. Daher herrscht derzeit große Unsicherheit, welche Musik in naher Zukunft überhaupt noch auf den Soundcloud-Servern lagern wird. Zu groß ist die Konkurrenz von Streamingdiensten wie Spotify oder Pandora, die wahre Sturmfluten in die Kassen der großen Labels spülen und eine weit bessere Kontrolle ermöglichen. Währenddessen haben es aufstrebende Künstler auch nicht mehr leicht, auf Soundcloud den Durchbruch zu schaffen. Dementsprechend ist die Stammnutzerschaft stark verunsichert, was die Zukunft der Plattform betrifft – obwohl die Seite mit 350 Millionen monatlichen Nutzern und einem Zuwachs von 3 Stunden Musik pro Sekunde boomt wie nie. Aber auf Hochkonjunktur folgt ja bekanntlich die Rezession.

 

Vertrag geleaked

Letzte Woche kam dann der letzte große Knall bisher: Ein Vertrag von Soundcloud mit der NMPA (National Music Publisher's Agency) wurde geleaked. Dieser sieht – wie offenbar jeder wichtige Vertrag im amerikanischen Musikbusiness – eine Meistbegünstigungsklausel vor, nach der die NMPA entweder 10,5% der Gesamteinnahmen oder 22% der Einnahmen aus Verwertungsrechten von Soundcloud erhält, abhängig davon, welche Zahl größer ist. Solche Verträge stehen wohl auch noch mit großen Labels aus, die Soundcloud dann entweder in den vollendeten Bankrott treiben, oder – wie gleich ausgeführt – zu einem Bezahlservice machen.

Zwei neue Nutzergruppen – kostenpflichtig, versteht sich – sollen mit Rechten ausgestattet werden, die es ihnen erlauben, Musik werbefrei zu genießen (Ach, das ist was neues? Offenbar bald schon.) und eine begrenzte Zahl von Downloads zu tätigen (Also quasi wie Spotify, nur in schlechter.). Der Vertrag sieht weiterhin vor, dass die Labels pro Premium-Nutzer 18ct pro Monat erhalten, wenn dieser Wert die oben genannten übersteigt. Weiterhin soll der abrufbare Inhalt weiter beschränkt werden. Vollen Zugriff auf alle Funktionen wird dann nur noch eine Nutzergruppe mit dem wunderbar eingängigen und kurzen Namen „SoundCloud Full Catalog Subscription Service“ (kann man das dann mit SCFCSS abkürzen?) haben. Dieser Dienst soll den Labels eine weitere Möglichkeit bieten, die Hörer auszuque... ich meine Geld aus ihrer Musik zu schlagen. Pro SCFCSS-Nutzer (ich glaube, die Abkürzung kann sich durchsetzen) verdienen die großen Labels nach derzeitigem Planungsstand künftig 80ct pro Monat. Dennoch soll es in Zukunft weiterhin auch vollständig kostenfreie Angebote geben, die allerdings dann werbedurchseucht sein werden.

Was meint Ihr, wird Soundcloud sich zum besseren oder schlechteren verändern? Lasst es uns wissen und geigt/tippt uns Eure Meinung (je nachdem, was Euch mehr liegt)!

 



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