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Thursday, 08. December 2016

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05
Jul
2015

Tiesto im Interview mit Dance-Charts.de

Exklusiv: Interview mit Tiesto

Lust auf ein Interview mit Tiesto? Dann bist du hier genau richtig. Wir haben den Star der EDM-Szene, das Urgestein der internationalen DJ-Riege Fragen stellen können. Aber langsam - eins nach dem anderen. Wie wir bereits in der 30. Ausgabe von DANCE-CHARTS TV angekündigt haben, werden wir, im Zuge des vom 09.07. – 11.07. in Salzburg stattfindenden Electric Love Festivals, live vor Ort sein. Wir freuen uns sehr, dass wir bereits im Vorfeld dieser Veranstaltung die Möglichkeit bekommen haben uns mit einer der Größen der EDM-Szene zu unterhalten: Tiesto. An dieser Stelle, möchten wir uns auch nochmals herzlich beim Management von Tiesto für die gute Zusammenarbeit bedanken. Nun aber genug der Vorworte. Viel Spaß beim Lesen.  

 


Dance-charts.de: Du beehrst das Electric Love Festival dieses Jahr zum ersten Mal. Welche Erwartungen hast du an die Veranstaltung?

Tiesto: Stimmt, es wird dieses Jahr mein erster Besuch auf dem ELF sein. Nachdem ich mich in meinem Kollegenkreis so ein bisschen über das Festival informiert habe, kann ich sagen, dass ich mich echt schon richtig auf meinen Gig freue. Bisher hab ich wirklich nur Gutes von Electric Love gehört und auch die Crowd soll fantastisch sein. Ich freue mich wirklich schon darauf.

Dance-charts.de: Wenn man sich den Terminplan vieler EDM-Künstler ansieht, dann fällt einem zwangsläufig auf, dass neben den vielen Festival-Gigs auch wieder vermehrt Club-Shows gespielt werden. Welche Art von Auftritt hat für dich den größeren Reiz: Festival oder Club?

Tiesto: Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil beide ziemlich verschieden sind. Einerseits liebe ich es in einem Club (wie zum Beispiel dem Ushuaia oder dem Hakkasan) zu spielen, weil die Atmosphäre einfach viel intimer als auf einem Festival ist und man auch engeren Kontakt mit den Fans hat. Andererseits sind Festival-Auftritte natürlich auch eine große Sache, weil die Menge an Leuten natürlich um einiges größer ist, als in einem Club. Und auch musikalisch kann ich auf Festivals dann doch noch einen Gang höher schalten. Es kommt wirklich immer auf die einzelne Situation an. Mir gefallen einfach beide Varianten richtig gut.

Dance-charts.de: Wo wir gerade beim Thema Festivals sind. Du hast ja schon auf nahezu jedem bedeutenden Festival - sei es Tomorrowland, Ultra oder TomorrowWorld - aufgelegt. Gibt es ein Festival, das für dich einen besonderen Stellenwert hat?

Tiesto: Vorneweg muss ich eines klarstellen. Hinter jedem Gig, sei es auf einem Festival oder in einem Club, stehe ich zu 100%. Ich würde niemals irgendwo auftreten, wenn mich das Konzept des Festivals oder des Clubs nicht überzeugen würde. Hmm... Also ich muss ganz ehrlich sagen, dass das Electric Daisy Carnival in Las Vegas schon großen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Die Veranstalter gehen da produktionstechnisch wirklich ans Limit und pushen das Ganze echt auf das nächste Level. Vor ein paar Tagen fand erst wieder die diesjährige Ausgabe statt. Wenn du mich also so spontan fragst, würde ich das EDC wählen. Des Weiteren muss ich sagen, dass Las Vegas fast schon zu einer Art zweiten Heimat für mich geworden ist. Deshalb hat ein Auftritt in L.A. wirklich einen besonderen Stellenwert für mich.

Dance-charts.de: Wie ich in meiner vorherigen Frage schon angerissen habe, reist du ja quasi von Auftritt zu Auftritt. Ich kann mir vorstellen, dass du zu Beginn deiner Karriere noch ziemlich aufgeregt warst, bevor du die Bühne betreten hast um vor so vielen Menschen zu spielen. Hat sich bei dir – nachdem du ja schon ziemlich lange im Geschäft bist -  irgend eine Art „Sättigungsgefühl“ eingestellt bzw. anders formuliert: Ist es für dich immer noch etwas Besonderes, vor so vielen Leuten aufzutreten oder hast du dich allmählich daran gewöhnt?

Tiesto: Stimmt. Prinzipiell könnte man meinen, dass dich mit der steigenden Anzahl an Auftritten eine gewisse Monotonie einstellt, aber das ist bei mir überhaupt nicht der Fall. Es ist für mich jedes mal wieder ein grandioses Erlebnis, meine Musik so vielen Leuten zu präsentieren und mit ihnen einfach eine tolle Zeit zu verbringen. Vor allem, wenn ich dann auch noch einen Track von mir selbst zum ersten Mal spiele und ich die Reaktionen der Fans hautnah miterleben kann, fühlt sich das echt verdammt gut an. Solche Situationen sind nach wie vor etwas wirklich Besonderes für mich und ich würde nur sehr ungern darauf verzichten.  

Dance-charts.de: Ich sehe schon, hier beiße ich auf Granit. Ok, dann wechseln wir das Thema erneut. Du hast ja bekanntlich vor kurzem sowohl mit dem Wunderkind der EDM-Szene Martin Garrix, als auch mit Niles Hollowell-Dhar aka KSHMR zusammen gearbeitet. Wie können wir uns die Unterschiede in der Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Künstler vorstellen?

Tiesto: Es war einfach großartig mit diesen beiden herausragenden Musikern zusammenzuarbeiten. Jeder der Beiden legt seine ganz eigene Art und Weiße des Produzierens an den Tag. Genau diese Individualität  - sowohl im künstlerischen als auch im persönlichen Bereich - macht für mich das Produzieren mit anderen Künstlern so interessant. Genauso wenig wie man „Secrets“ mit „The Only Way Is Up“ vergleichen kann, kann man auch die Zusammenarbeit mit Martin und Niles vergleichen. Ich bin mit den Ergebnissen beider Produktionen wirklich sehr zufrieden.

Tiesto Interview

 

Dance-charts.de: Wo wir gerade von KSHMR sprechen. Du warst es ja, der ihn der Öffentlichkeit - während deines Sets auf dem Ultra Music Festival in Miami - vorgestellt hat. War es ein schwieriges Unterfangen für dich, ihn davon zu überzeugen, dir während deines Sets einen Besuch auf der Mainstage abzustatten?

Tiesto: Nein, überhaupt nicht. Es hat mich wirklich riesig gefreut, als er zugesagt hat, als „Special Guest“, Teil meines Sets zu sein. Ich und Niles sind wirklich sehr stolz auf „Secrets“ und wir sind überglücklich, wie gut der Track bei den Fans angekommen ist. Ihn während meines Sets auf die Stage zu holen, war für mich selbstverständlich und es war auch eine tolle Art und Weiße die Veröffentlichung unserer gemeinsamen Kollaboration gebührend zu feiern.

Dance-charts.de: Wenn man sich die aktuelle Top 10 der DJ-Mag Rangliste etwas genauer anschaut, dann fällt dem geneigten Fan auf, dass exakt die Hälfte der Plätze von holländischen Künstlern eingenommen wird. Was denkst du ist der Grund, warum es derzeit so viele erfolgreiche DJ’ s aus den Niederlanden in der Szene gibt?

Tiesto: Bei uns in Holland macht die „Dance-Szene“ einen großen Teil der hiesigen Kultur aus. Schon im Grundschulalter kommen die Kinder mit Dance-Music in Berührung. Sei es im Radio oder wenn die älteren Geschwister mal die Musikanlage etwas lauter aufdrehen. Wenn man sich von klein auf mit dieser Art von Musik beschäftigt, dann ist es für mich fast schon logisch, dass der ein oder andere sein Hobby dann eben zum Beruf macht.

Dance-charts.de: Kommen wir auf die derzeitige Debatte um Streaming-Dienste zu sprechen. Ein großes Gesprächsthema war vor allem der Start von Apple Music, sowie die darauffolgende öffentliche Debatte zwischen dem Konzern aus Kalifornien und Taylor Swift. Wie schätzt du diese ganze Situation ein bzw. hast du dir schon mal darüber Gedanken gemacht, auch deine Musik von Streaming-Plattformen entfernen zu lassen, weil die Rentabilität einfach viel zu gering ist?

Tiesto: Ich denke solche Diskussionen sind nützlich für die Industrie. Solange sich beide Parteien objektiv und unvoreingenommen an einen Tisch setzten und versuchen, eine für beide Seiten einvernehmliche Lösung zu finden, kann ich daran nichts Schlechtes erkennen. Ich persönlich könnte mir allerdings nie vorstellen meine Musik aus Streaming-Plattformen entfernen zu lassen. Es ist doch großartig, wenn man seine Musik so vielen Musik-Begeisterten wie möglich zugänglich machen kann. Der finanzielle Aspekt steht für mich im Bezug auf Streaming-Dienste nicht an erster Stelle.

Dance-charts.de: Für dich – beziehungsweiße - für dein Label Musical Freedom läuft es derzeit Zeit richtig gut. Auch dein letzter Track zusammen mit DallasK kam bei den Fans gut an und steht derzeit auf Platz 5 der Beatport-Charts. Am 6. Juli 2015 wird dann ja auch „Fighting For“ via Musical Freedom erscheinen. Mich würde an dieser Stelle aber interessieren, auf welche Veröffentlichungen wir uns in Zukunft freuen können?

Tiesto: Da hast du Recht, es läuft grade wirklich ziemlich gut. Wir haben eine Menge und damit meine ich wirklich eine Menge neuer Musik in der Pipeline. Es macht mich extrem stolz, wie sich Musical Freedom gerade entwickelt und ich kann mich gar nicht genug für die Unterstützung meiner Crew und der Fans bedanken. Behaltet einfach mal unsere Webseite bzw. die Social-Media Auftritte im Auge. Da wird sich in naher Zukunft so einiges tun. Eine neue Veröffentlichung kann ich an dieser Stelle aber schon einmal ankündigen. Meine Edit zum Track von Bobby Puma und Natalie Major wird am 20. Juli ihr Release feiern. 

Dance-charts.de: Wo wir gerade beim Thema „Releases“ sind. Dein letztes Solo-Album „A Town Called Paradise“ ist jetzt seit knapp über einem Jahr auf dem Markt. Wie sehen deine Pläne bezüglich eines Nachfolgers aus?

Tiesto: Um ehrlich zu sein, beschäftige ich mich derzeit nicht mit einem neuen (reinen) Solo-Album. Aber wie du ja vielleicht mitbekommen hast, wurde vor kurzem die „Club Life Vol. 4 – New York City“ veröffentlicht, welche auch ein paar neue Tracks meinerseits beinhaltet. Aber früher oder später wird es auch wieder ein richtiges Solo-Album von mir geben.

 

Dance-charts.de: Nachdem die EDM-Szene jetzt so ziemlich im Mainstream angelangt ist, fällt einem durch die gestiegene Popularität auch die quantitative Steigerung an „Bedroom-Producern“ auf. Ich persönlich finde es ziemlich schwierig unter den ganzen neuen Jungs in der Szene den Überblick zu behalten. Ich vermute dir geht es da nicht anders, aber mich würde trotzdem interessieren, wer für dich der diesjährige „Newcomer Of The Year“ ist.  

Tiesto: Da hast du vollkommen Recht. Nachdem die Popularität derart kontinuierlich von Jahr zu Jahr zugenommen hat, kann man wirklich sagen, dass sich die EDM-Szene etabliert hat. Ich persönlich begrüße diese Entwicklung aber durchaus. Denk nur mal daran, wenn die Szene nicht so schnell gewachsen wäre. Dann hätte sich vielleicht auch ein Garrix in eine andere musikalische Richtung orientiert und das wäre doch ziemlich schade gewesen. Ich persönlich habe diesen Typen aus New York City, namens Zaxx, ganz oben auf meinem Zettel. Er besitzt wirklich großes Potenzial und wenn er so weitermacht dann kann ich mir durchaus vorstellen, dass er einer der ganz Großen werden kann. Sein Release „Alpha“ auf unserem Label war da nur ein kleiner Vorgeschmack. Behaltet ihn im Auge.

Dance.charts.de: Wir haben ja gerade den Ruck Richtung Mainstream etwas oberflächlich thematisiert. Ich würde da gern noch etwas tiefer in die Materie eintauchen. Wenn man sich mit Fans, aber auch mit Experten und Kritikern über die EDM-Szene unterhält, dann bekommt man oft folgende Aussage zu hören: „Es hört sich doch fast jeder Track gleich an und nachdem EDM nun auch der breiten Masse ein Begriff geworden ist, hat die Kreativität der Künstler noch weiter abgenommen“. Was denkst du über solche Aussagen?

Tiesto: Ich denke solche Aussagen beschränken sich nicht nur auf die Dance-Szene im Besonderen. Auch andere Stilrichtungen haben mit dieser Diskussion zu kämpfen. Meiner Meinung nach, steht die EDM-Szene da eh noch einigermaßen gut da. Es gibt wenige Genres, welche über eine derart große Anzahl an Sub-Genres verfügen, wie die EDM-Szene. Ich denke vor allem dank der Sub-Genres können wir uns auch weiterhin auf innovative Tracks freuen.

Dance-charts.de: Wo wir gerade die verschiedenen Sub-Genres zum Thema gemacht haben. Die Genres Deep-, Future- und auch Tropical-House werden ja gerade enorm gehypt. Da du ja derzeit eher im Bereich des Progressive- bzw. Electro-House zu Hause bist, würde ich gerne wissen, ob du dir auch mal vorstellen kannst, einen Track zu produzieren, der in einem der drei gerade genannten Genres beheimatet ist? Wenn das der Fall wäre, kannst du dir auch vorstellen, mit einem der Aushängeschilder (Robin Schulz, Kygo oder Oliver Heldens) des jeweiligen Genres zusammenzuarbeiten?

Tiesto: Ich mag diese drei „neuen“ Genres sehr. Das meine ich auch wirklich so, sonst würde ich auch in meinen Sets nicht ab und zu Tracks dieser Stilrichtungen spielen. Ich weiß nicht, ob du das weißt, aber nachdem Oliver Heldens bei den verschiedensten Labeln Absagen mit „Gecko“ kassiert hat, haben wir uns entschieden, ihm und damit auch dem Genre eine Chance zu geben. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Dance-charts.de: Kommen wir nun zur letzten Frage. Ich kann mir vorstellen, dass viele Menschen sehr gerne ihr Leben mit Deinem tauschen würden. Du bist Headlinder der angesagtesten Festivals der Welt, verdienst gutes Geld und hast sogar schon einen Grammy gewonnen. Viele würden die Definition eines glücklichen Lebens vermutlich genauso beschreiben. Aber wie definierst du persönlich das Wort „Glück“?

Tiesto: Wenn ich die Bühne betrete, meinen ersten Track des Abends spiele und sehe wie die Fans feiern – das ist für mich Glück.

Dance-charts.de: Vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche dir noch eine schöne Woche und einen großartigen Abend auf dem Festival.

Tiesto: Bitte, gerne. 

 

 



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