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Tuesday, 06. December 2016

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15
Dez
2015

Mr. Booty Bounce im Interview

Exklusiv: Interview mit Tujamo

Wer hier „Who?“ fragt, der ist an der richtigen Adresse. Der aus Detmold stammende DJ und Producer Tujamo – bürgerlich Matthias Richter – zeichnet sich vor allem durch seinen einzigartigen Sound aus. Seitdem er 17 Jahre alt ist und 2007 einen DJ-Wettbewerb gewann, ist er mit Leib und Seele der EDM verschrieben. Durch seine Arbeit als DJ rutschte er auch in die Produzenten-Szene hinein und begann, Bigroom-House zu produzieren. Seit 2014 hat ihn offenbar ein Tätigkeitsschub erfasst, in den vergangenen zwei Jahren stehen für ihn mehr als zehn großartige Releases zu Buche, darunter Kollaborationen mit Szeneriesen wie Dimitri Vegas & Like Mike, Laidback Luke, Danny Avila und Steve Aoki. Demnächst wird auch die Vocal-Version seines Club-Hits „Booty Bounce“ die deutschen Singlecharts einreißen.

tujamoBild: facebook.com/tujamo

Dance-Charts: Hallo Matthias. Vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview mit Dance-Charts.de genommen hast!

Gleich zum Einstieg eine aktuellere Frage: Dein neuer Vocal-Mix von „Booty Bounce“, den du gemeinsam mit Taio Cruz aufgenommen hast, wurde vor Kurzem veröffentlicht. Wir sprechen der Neuauflage durchaus Hitpotential zu was natürlich einerseits daran liegt, dass der Track schon in den Clubs rauf- und runtergespielt wurde und jetzt noch zusätzlich Vocals eines bekannten Sängers erhielt. Wie bist du auf die Idee gekommen, dass dieser eigentlich schon perfekte Track noch Vocals vertragen könnte?

Tujamo: Das war ganz interessant, denn wir hatten viele Anfragen für eine Vocal-Version, obwohl wir ja erst gar keine herausbringen wollten, weil ich von so etwas jetzt kein riesiger Fan bin. Ich sag jetzt mal „Bingo Players – Rattle“ war damals ein Riesenhit und dann haben die das Vocal hinzugefügt und ich fand es dann eigentlich nicht mehr so cool danach.

Dance-Charts: Schlechter, aber es ging noch.

Tujamo: Ja, es ging noch. Aber bei „Booty Bounce“ habe ich mir gedacht, dass ich mir eine gute Nummer, die auch so funktioniert, nicht kaputtmachen will; und dann haben wir eben lange gewartet und viele Versionen von verschiedenen Künstlern zugeschickt bekommen und irgendwann war Taio Cruz dabei. Und es lag wirklich nicht am Namen, sondern ich fand es einfach cool, wie er es gemacht hat. Das war eigentlich alles, das kam quasi von denen aus, die haben einfach gesagt „hier, haut es mal rein, wenn's euch gefällt, dann sehen wir weiter!“.

Dance-Charts: Wir rechnen ja durchaus mit Chartpotential. Top 100 dürfte es doch werden, oder?

Tujamo: Ich hoffe, ja. Wir haben die ja auch gerade erst gestartet.

Dance-Charts: Dass es erfolgversprechend ist, sah man ja schon an Five Hours/Five More Hours von Deorro mit Vocals von Chris Brown.

Tujamo: Ja, wenn Du so einen wie Chris Brown im Boot hast, dann ist Dir eine Radionummer natürlich garantiert. Taio Cruz hat jetzt ja ein bisschen länger schon nichts gemacht, aber wir erhoffen uns ja, dass seine Plattenfirma gerade deswegen versucht, das Ganze noch ein bisschen mehr zu pushen. Wir haben schon ein bisschen damit... naja, was heißt schon „wir rechnen damit“... aber wir fanden im Team die Nummer alle gut, so wie er sie gemacht hat und können uns da, denke ich, durchaus was erhoffen.

Dance-Charts: Da waren ja viele EDM-Fans eher beleidigt, weil da die Vocals eher weniger gut passten. Oftmals wurde da auch vorgebracht, dass sich die Szene immer weiter kommerzialisiere – man beachte nur David Guetta, der ein Kinderlied covert. In welche Richtung denkst du, dass sich EDM in den kommenden Jahren entwickeln wird? Viele halten Festivalhouse ja schon für nahezu tot.

Tujamo: Nein, ich glaube, dass das Problem darin liegt, dass die richtigen „Music-Lover“, die sich auch wirklich für die Musik interessieren, das schlimm finden, weil die nun einmal die alte Version kennen. Aber Du kannst nunmal viel mehr Leute erreichen, wenn du da so ein Vocal dazu hast. Ich denke, dass viele Leute, die keine Ahnung von EDM haben, nicht auf den Track gekommen wären, wenn da nicht irgendwo „Taio Cruz“ draufstünde – und so war es eben auch bei „Five More Hours“ und Chris Brown. Von daher: Du erhältst so einfach eine viel höherer Reichweite, weil diese ganzen Rap-Stars, Sänger oder was auch immer aus Amerika durch einen Post auf allen Portalen Millionen von Leuten erreichen. Das darf man auch nicht vergessen. Taio Cruz hat 8 Millionen Twitter-Follower und 12 Millionen Facebook-Fans. Letztendlich... klar, wir alle machen Musik, weil wir es mögen, aber natürlich erhofft man sich da auch ein bisschen Erfolg. Davon lebt man, davon zehrt man.

Dance-Charts: Wo wir beim Thema Kommerz sind: Was hältst du eigentlich vom Thema „Ghostproducer“, was ja in letzter Zeit recht kontrovers diskutiert wird?

Tujamo: Ich persönlich? Gar nichts. Ich mache wirklich von Anfang bis Ende alles selber, was wahrscheinlich der Grund dafür ist, warum ich manchmal ein bisschen müder aussehe, weil es halt einfach super-anstrengend ist. Es ist eben ein 24/7-Job. Ich bin sogar ehrlich gesagt manchmal ein Stück weit neidisch auf DJs, die am Wochenende ein bisschen losmüssen und von Montags bis Freitags die Füße hochlegen können, denn den Luxus habe ich nicht. Ich steh' jeden Morgen,... ober eben jeden Montag trotzdem um acht Uhr auf – es kann auch mal neun werden, nach einem harten Wochenende – aber ich arbeite meine zwälf Stunden am Tag und dann geht’s am Wochenende auch nochmal los. Deswegen wäre ich persönlich auch enttäuscht, wenn ich jemanden gut finden und auf eines seiner Konzerte, Gigs oder was auch immer gehen würde, und dann irgendwann rausfände „ey, das ist ja gar nicht der Typ, der die ganzen Nummern gemacht hat, die ich gut finde“. Von daher bin ich auf jeden Fall dagegen.

Dance-Charts: Dimitri Vegas & Like Mike zum Beispiel?

Tujamo: Sehr nette Jungs... in dem Fall ist es so... naja, die sind krasse Business-Typen... die wissen einfach genau, was sie tun. In dem Fall... wir haben ja auch eine Nummer gemacht – Nova: Die arbeiten da schon mit. Sie haben natürlich nicht mitproduziert, das ist klar, aber sie haben immer gute Argumente, geben gute Änderungsvorschläge, haben gute Ideen. Klar, die haben nicht alle Produktionen selber gemacht, das weiß inzwischen jeder, aber die arbeiten auf eine andere Art und Weise sehr hart, gerade im Bereich der Social Media und so weiter, was mittlerweile ja nicht zu verachten ist.

Dance-Charts: Was viele ja nicht wissen: Tujamo bestand anfangs aus zwei Personen. Magst du uns vielleicht kurz die Anfänge deines Projektes erläutern?

Tujamo: Ja, das stimmt! Also: Ich hab das damals zusammen mit meinem besten Freund, mit dem ich seitdem ich denken kann super befreundet bin – sogar unsere Eltern waren auch schon immer befreundet – gegründet. Wir haben uns damals eben gedacht „Hey, DJ... das ist schon cool, fangen wir doch mal an, lass mal ein bisschen produzieren...“. Ich hab zu der Zeit schon Resident-Jobs gemacht, das heißt, dass ich an jedem Wochenende acht Stunden im gleichen Club aufgelegt habe, und wollte irgendwann produzieren. Weil wir uns sehr gut verstanden haben, haben wir irgendwann dann damit angefangen und dann im Laufe der Zeit, so in den ersten anderthalb Jahren war es dann so, dass sich unsere Musikgeschmäcker einfach getrennt haben. Er ist ein bisschen ruhiger geworden, so mit Deephouse und so, und ich halt ein bisschen härter. Aber es war cool, auf jeden Fall. Es war eine gute Zeit, ich hätte das schon gerne weitergeführt mit ihm.

Dance-Charts: Zu deinem etwas härteren Stil: Dein Signature-Sound ist in jeder neueren Produktion vertreten und mehr als signifikant, aber klingt trotzdem immer etwas anders. Damit schaffst du eine ziemlich gute Balance aus Corporate Identity und bleibst dennoch flexibel. Gegenbeispiele für weniger gelunge Versuche in diese Richtung wären die VINAI-Brüder. Es kursiert das Gerücht, dass das Basissample deines Leadsounds  aus einer Filmmusikkomposition von John Williams stammt, ob Godzilla oder Star Wars konnte mir aber keiner sagen. Wie entstand dein Sound ursprünglich?

Tujamo: Pass auf: In den Film-Liedern sind ja oft diese tiefen Posaunen recht prominent vertreten, es gibt aber auch Samplebanks, wo die enthalten sind. Aber ich sag Dir ganz ehrlich: Wenn Du oder ein normaler Produzent die jetzt nehmen würde und die jetzt bearbeiten würde, dann würde er an den Sound wahrscheinlich so nicht drankommen, weil ich auf diesen Sachen dann nochmal tausend kreative Effekte liegen habe, die es dann hinterher ausmachen dürften. Haben mittlerweile echt viele zu kopieren versucht, in meinen Augen aber nicht so gut. „Afirca“ fand ich dann noch ziemlich gut gemacht, aber sonst... Ich bin ja ein absoluter Hip-Hop-Fan und der Leadsound basiert weitgehend auf den Sounds, die in alten Hip-Hop-Classics verwendet wurden. Ich wollte immer einen Mix zwischen Mainstream und clubbig machen. Und ich fand diese Hip-Hop-Einflüsse eben cool und das war wahrscheinlich der Grund, wieso ich irgendwann mit dem Stil angefangen habe.

Dance-Charts: Mit welchem Produzenten würdest du gerne einmal kollaborieren? Ich könnte mir vorstellen, dass beispielsweise Kryder oder Dannic gut passen würden, während etwa D.O.D. oder Dyro nur noch abreißen würden.

Tujamo: Ähm.... als von den den Vieren würde mich ehrlich gesagt am ehesten noch D.O.D. reizen, weil er einfach sehr kreativ ist. Finde ich sehr gut, was er macht, sehr sehr gut. Ansonsten... ich bin eigentlich ziemlich happy, ich hab grad mit Martin Solveig zu arbeiten angefangen. Das ist alles noch nicht wirklich spruchreif, deswegen kann ich da noch nicht genau sagen, was es am Ende wird. Aber das ist eine spannende Nummer für mich und dann gibt’s noch eine andere Zusammenarbeit, zu der ich leider noch gar nichts sagen darf. Aber das ist mein absoluter „Hero“. Aber wir haben endlich mal angefangen, ein bisschen dran zu arbeiten. Es wird wahrscheinlich noch ein bisschen dauern, weil er zur Zeit sehr busy ist, aber es wird cool.

Dance-Charts: Ich habe gehört, du sollst an einem Album arbeiten.

Tujamo: Gottseidank nicht. Das ist so viel Arbeit... Und die lohnen sich nicht so wirklich... wobei... naja, für diese Mega-Arbeit, die du eben investierst, kriegst Du eigentlich nichts zurück. Dann machst Du lieber eine gute Single, davon kannst Du genauso lange leben.

Dance-Charts: Was war dein Lieblingstrack im Jahr 2015?

Tujamo: Mein Lieblingstrack? Schwierig... ehrlich gesagt... das ändert sich jeden Tag. Das kann ich echt nicht sagen. Ich bin jeden Tag so akribisch am Musiksuchen, dass ich das eigentlich gar nicht sagen kann.

Dance-Charts: Wer war 2015 der beste Newcomer für dich?

Tujamo: Gib mir 'ne Sekunde... bester Newcomer... das ist eine schwere Frage... doch, ich hab einen: Hassle De Moor. Holländer, absolut geniale Sachen. Blutjung, ich glaub der ist noch keine 18, aber der mach megagute Sachen. Das ist mein Favourite aktuell.

Dance-Charts: Du bist ja dieses Jahr erstmals in die DJ-Mag-Top-100 eingestiegen, was mich ehrlich gesagt gewundert hat, da ich dich eigentlich schon länger auf dem Zettel hatte. Was hältst du im Allgemeinen von dem Ranking?

Tujamo: Zu letztem Jahr: Wir haben letztes Jahr noch einfach keine Promotion gemacht, nichts gepostet, weil wir der Meinung waren, dass es da einfach noch zu früh war. Es war auch noch einfach nicht an der Zeit dazu. Und das war wohl auch gut so.

Und im Allgemeinen: Ich find die Sache ein Stück weit überbewertet, aber trotzdem sehr wichtig. Viele Leute schauen noch drauf, deswegen reden auch so viele negativ darüber, aber meine Top-10 ist nicht die Top-10 daraus. Ich entscheide, wen ich gut finde und ich finde daher, dass man anhand der Top-100 kann man das nicht messen.

Dance-Charts: Da waren teilweise Leute dabei, von denen ich noch nie gehört hab. Dieser Shogun da zum Beispiel..

Tujamo:  Absolut, war auch für mich so. Das passt nicht alles vom Verhältnis her. Aber ansonsten ist es schon gut. Ich meine, für mich ist es super, da dabei zu sein, vor Allem so weit oben.

Dance-Charts: Vielen Dank für das Interview!

 

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