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Über Konkurrenz und Tipps für Produzenten

Interview mit Spotifys Geschäftsführer Michael Krause

(Geschätzte Lesezeit: 4 - 7 Minuten)

Interview mit Spotifys Geschäftsführer Michael KrauseSpotifys Geschäftsführer Michael Krause | Bild: Knut Stritzke für Spotify

Michael Krause ist seit November 2017 Managing Director EMEA bei unser aller Lieblings-Streaming-Dienst Spotify, also der Geschäftsführer des Unternehmens, der für den gesamten Wirtschaftsraum Europa, Naher Osten und Afrika zuständig ist. Der Gründer des Streaming-Dienstes Ampya und Deezers ehemaliger CEO EMEA war in dieser Position bereits für über 100 Märkte zuständig. Nun ist er für Spotifys internationale Strategie verantwortlich – besonders wichtig ist dabei natürlich auch das deutsche Geschäft. Da es bei der Mixcon in München aus terminlichen Gründen leider nicht mit einem Auftritt eines Spotify-Sprechers geklappt hat, war das Unternehmen  gerne bereit, sich unseren Fragen bereits im Vorfeld zu stellen. Mit dabei natürlich allerlei neue Features, Tipps für aufstrebende Musiker und ein kleiner Einblick in das Thema „Spotify für DJs“! Wir danken Bernd Closmann vom Mixcon-Team und dem Team von Popular PR für die Vermittlung dieses Interviews.

Dance-Charts.de: Was unterscheidet Spotify von anderen Streaming-Formaten, welche Eigenschaften machen Euch zum Marktführer in Sachen Musikstreaming? Warum würdest Du einem unentschlossenen Hörer eher zu Spotify als zu beispielsweise Apple Music oder Deezer raten?

Michael Krause: Spotify bietet seinen mehr als 140 Millionen Nutzern weltweit die passende Audio-Unterhaltung zu jedem Moment – egal wo, egal wann. Über unsere Features wie “Dein Mix der Woche” oder “Release Radar” erhalten unsere Hörer persönliche Musiktipps, die perfekt auf ihre Hörgewohnheiten zugeschnitten sind, und entdecken auf diese Weise ständig neue Musik. Darüber hinaus finden sie in der Kategorie “Browse” verschiedene Playlists für jeden Musikgeschmack, wie zum Beispiel die sehr beliebte Electronic- und Dance-Playlist “mint” und weitere Genre-Playlists wie “Techno Bunker” oder “Electronic Circus”.

Aber auch Podcasts und Hörbücher spielen eine große Rolle bei Spotify. Wir haben, so der Stand heute, über 500 deutschsprachige Podcasts im Katalog, darunter zahlreiche Formate von Partnern, aber auch Spotify-exklusive Podcasts wie “Fest & Flauschig” mit Jan Böhmermann und Olli Schulz. Zudem gibt es seit kurzem zwei neue Spotify Original Podcasts: “Talk-O-Mat” und “Heinz Strunks Familienaufstellung”. Auch über 50.000 Hörbücher und Hörspiele können unsere Nutzer sich jederzeit und so oft sie mögen anhören.

Da Audio in der heutigen Zeit immer und überall verfügbar sein muss, sind unsere Inhalte auf vielen verschiedenen Plattformen abrufbar, wie TV-Geräten, Google Home, Amazon Alexa, den Angeboten unserer Spotify Connect Partner aber auch Xbox One sowie PlayStation 4.

Dance-Charts.de: Seht ihr euch als eine Art von Konkurrenz zum klassischen Radio oder sollte man Spotify als etwas völlig Neues betrachten, zumal es bei Euch ja auch die durchaus häufig genutzte Radio-Funktion gibt?

Michael Krause: Spotify ist kein neues Radio. Radio bietet häufig einen linearen Programmplan mit lokalen Nachrichten und Musik passend zum jeweiligen Sender. Bei Spotify entscheiden die Hörer, welche Musik und Wortinhalte sie wann hören möchten – meist sind sie dabei unterwegs und nutzen ihr Smartphone. Die Radio-Funktion ist für unsere Nutzer nur eines von vielen Features, um neue Musik zu entdecken, denn es spielt auf Basis eines gewählten Künstlers oder Genres ähnliche Songs ab. Wichtig sind aber auch unsere kuratierten Playlists, die ähnlich wie beim Radio von Musikredakteuren erstellt und aktualisiert werden. Da Spotify von vielen jungen Menschen und meist zu anderen Tageszeiten als Radio genutzt wird, sehen wir viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Radiosendern.

Dance-Charts.de: Für wie wichtig hältst Du Verkaufscharts angesichts der derzeitigen Dominanz von Streaming-Diensten auf dem Musikmarkt inzwischen noch?

Michael Krause: Die aktuellsten Zahlen des Bundesverbands der Musikindustrie zeigen, dass CD noch immer ein starkes Format ist, Streaming steigt aber schnell in der Gunst der Musikfans. Schon heute macht Streaming über 35% des Umsatzes in der deutschen Musikindustrie aus. Speziell der deutsche Markt zeigt, dass unterschiedliche Einnahmequellen wichtig für den Erfolg eines Künstlers sind. Da auch die Streamingabrufe in die deutschen Verkaufscharts einfließen, haben diese auch weiterhin Ihre Relevanz, wenn sich Nutzer informieren möchten, was gerade von vielen Kunden gekauft bzw. konsumiert wird.

Dance-Charts.de: Vor wenigen Tagen habt ihr in den USA mit Spotlight ein neues Feature zu Spotify hinzugefügt. Welche Vorteile hat der Benutzer durch die neue Funktion? Wird es das Feature bald auch in Deutschland geben?

Michael Krause: Spotlight ist ein neues Multimedia-Format, das visuelle Elemente zu Podcasts, Hörbüchern, Nachrichten und anderen Audio-Inhalten hinzufügt. Zum Start von Spotlight arbeiten wir mit Partnern wie Gimlet Media, Crooked Media, Cheddar und BuzzFeed News zusammen, die uns ihre Inhalte liefern. Spotlight ist aktuell nur in den USA, Großbritannien und Schweden verfügbar.

Dance-Charts.de: Plant ihr nach diesem ersten visuellen Konzept in Zukunft auch, Musikvideos auf Spotify bereitzustellen?

Michael Krause: Wir testen regelmäßig neue Formate und Funktionen, so beispielsweise auch Videos in Playlists. Ein Beispiel dafür sind die Formate “RAP Caviar” und “Viva Latino”, die in den USA und Lateinamerika verfügbar sind.

Dance-Charts.de: Welche Tipps würdest Du aufstrebenden Künstlern geben, um es in die großen Playlisten zu schaffen?

Michael Krause: Das mag sehr vereinfacht klingen, aber unser Tipp ist tatsächlich: einfach gute Musik zu machen! Spotify unterstützt dabei, dass über 140 Millionen Menschen weltweit die Songs hören können. Kommt die Musik bei Musikfans gut an, taucht sie über kurz oder lang in Spotify-Playlists auf und es werden weitere Hörer darauf aufmerksam.

Ein praktischer Tipp ist, seine Fans zum Folgen des Künstlerprofils aufzurufen. Dadurch erhalten Fans aktuelle Informationen zu Neuveröffentlichungen, zudem wird das Repertoir des Künstlers regelmäßig in die algorithmisch erstellten Playlists wie “Dein Mix der Woche” oder “Release Radar” aufgenommen.

Dance-Charts.de: Was sich sicher schon einige “Bedroom-Producer” gefragt haben: Gibt es eigentlich Mechanismen dagegen, seinen eigenen Track auf Spotify durchgehend in Dauerschleife laufen zu lassen? Denn theoretisch ließe sich so sogar Gewinn erwirtschaften.

Michael Krause: Wir bieten jeder Person auf Spotify weit über 30 Millionen Songs zur Auswahl, die jederzeit und so oft es die Nutzer wollen abgespielt werden können. Gleichzeitig nehmen wir betrügerische Streaming-Aktivitäten sehr ernst. Spotify verfügt über mehrere Tools zur Betrugserkennung, die den Musikkonsum analysieren, um betrügerische Aktivitäten sofort zu erkennen, zu untersuchen und entsprechend damit umzugehen.

Dance-Charts.de: Es kursieren Gerüchte, denen zufolge Spotify einen eigenen Dienst für DJs plant. Softwares wie VirtualDJ oder Deejay unterstützen bereits eine Spotify-Anbindung, die großen Softwares wie Serato, Rekordbox und Traktor haben bislang noch keine API-Anbindung. Wie stehen - besonders jetzt nach dem Aus von Seratos Pulselocker-Streamingdienst - die Chancen auf ein “Spotify für DJs”?

Michael Krause: Wie schon erwähnt, gibt es bereits diverse Integrationen von Spotify in diesem Bereich und wir wissen, dass viele DJs jetzt schon Spotify als Quelle zum Abspielen Ihrer Songs nutzen. Zu noch geplanten weiteren Integrationen können wir aktuell noch keine Stellung nehmen.

Dance-Charts.de: In welche Bereiche wollt Ihr in nächster Zeit noch vorstoßen? Wo siehst Du noch Wachstumspotential bei Spotify?

Michael Krause: Aktuell liegt ein großer Fokus auf Podcasts, hier sehen wir noch viel Potenzial. Der Markt wird sich weiter entwickeln, sowohl in der Produktion als auch der Vermarktung. Es ist spannend zu beobachten, wie das Thema immer weiter in Fahrt gewinnt – seit letztem Jahr sind viele deutsche Medienhäuser sehr aktiv im Podcast-Bereich. Spotify ist eine nachhaltige Plattform für Podcasts, deren Produzenten und Vermarkter. Zudem optimieren wir unser Produkt und haben erst kürzlich Podcasts in unsere Desktop-App integriert, für Spotify Connect erweitert und in allen 61 Märkten lokalisiert. Auch Partnerschaften wie z.B. StreamOn mit der Telekom oder der MusicPass mit Vodafone werden weitere Nutzer überzeugen, dass sie Streamingfans werden.

Dance-Charts.de: Welche Musikrichtung hältst Du für “The Next Big Thing”?

Michael Krause: Aktuell sind Rap und Trap aus Deutschland sehr erfolgreich und weiter im Wachstum, aber auch Latino Tracks werden viel gehört. Ich persönlich rechne darüber hinaus mit einem Comeback der frühen 2000er. Die vielen Hits aus den Bereichen Pop, Rap und Trash von 2000-2005 haben in meinen Augen Potential auf baldige Wiederentdeckung.

Dance-Charts.de: Danke für das Interview! 

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Über den Autor
Maximilian Wild

Ich bin Jurastudent und bereite mich derzeit auf mein Staatsexamen vor. Meine Interessenschwerpunkte liegen im Bereich des geistigen Eigentums, das sich mit meinem ausgeprägten Interesse für Musik trifft. Für Dance-Charts.de verfasse ich hauptsächlich Nachrichten, Kommentare und Kolumnen, die sich mit aktuellen Entwicklungen der Szene befassen. Ich favorisiere kein Genre besonders, sodass sich in meinen Playlisten bunte Mischungen aus Tech House, Hardstyle und EDM finden. Mein absoluter Lieblingsact ist allerdings das deutsche House-Duo Claptone.

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