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Clubkultur ade?

Feiern in Zeiten des Coronavirus

(Geschätzte Lesezeit: 4 - 8 Minuten)

Feiern in Zeiten des CoronaBald keine Partys mehr wegen Corona?

Vieles liest man dieser Tage über jene mikroskopische Monstrosität mit dem klangvollen Namen SARS-CoV-2. Von völliger Verharmlosung bis zu präapokalyptischer Depression, von Ganzkörper-Schutzanzügen bis hin zu billigen Bier-Witzen war bislang alles geboten. Aus Angst vor einer allzu schnellen Verbreitung des neuartigen Krankheitserregers wurden bereits einige Großveranstaltungen abgesagt, darunter die Leipziger Buchmesse, die internationale Tourismusmesse ITB in Berlin (ein Milliarden-Euro-Desaster), als erstes Musikfestival das Sunice-Festival in St. Moritz und nun sogar das Ultra Music Festival in Abu Dhabi. Uns als Musikmagazin steht es selbstverständlich nicht zu, ein Urteil über Wohl und Wehe, über den richtigen Umgang mit dieser Bedrohung zu fällen. Was uns allerdings bewegt: Welchen Einfluss hat Corona (nicht das Bier!) auf die Clubkultur und die EDM-Szene im Allgemeinen? Eines des beliebtesten Festivals der Welt - das Ultra Music Festival - wurde bereits abgesagt (wir berichteten).


Wir werden alle sterben! Oder?

Zu Beginn jedes Jahres veröffentlicht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Hitliste der größten Bedrohungen für die Gesundheit der Menschheit. Neben bekannten Problemen wie dem Klimawandel, der Luftverschmutzung und weltweiten Grippewellen reiht sich hier der Ausbruch einer “Krankheit X” ein. Hinter diesem klangvollen Namen verbirgt sich ein bislang noch nicht gesichteter, hypothetischer Krankheitserreger mit kurzer Inkubationszeit, schnellem Übertragungsweg und hoher Letalität. Handelt es sich bei dem neuartigen Coronavirus aus dem chinesischen Wuhan nun um jene Krankheit X, die uns alle ausrotten wird? Wohl kaum, denn selbst wenn man von der derzeit noch ausgesprochen hohen weltweiten Letalitätsrate von etwa 3,4% ausgeht, so reicht das noch längstens nicht für die apokalyptischen Zustände, die sich nun manch einer vorstellt. Und - das macht doch Hoffnung - von den 196 bestätigten Infizierten in Deutschland hat es bislang noch keinen dahingerafft!

Was die Letalität angeht, handelt es sich bei Corona wohl nicht um das Ende der Menschheit. Aber immerhin erweist sich der Erreger als hochgradig virulent. Wie es Viren nun einmal so an sich haben, ist auch das Coronavirus äußerst ansteckend. Wie gängige Grippe-Erreger verbreitet es sich am schnellsten als Aerosol - oder wie der Laie es auszudrücken pflegt: als Tröpfchen-Infektion. Enger Kontakt zu einem Infizierten kann hier bereits genügen, um sich anzustecken. Zum Verständnis: Als enger Kontakt gilt hier bereits ein Abstand von 1,80 bis zu zwei Metern.

Leere Dancefloors

Wenn einen nun die Feierlaune gepackt hat und man das Tanzbein in einem der gut 1700 deutschen Nachtclubs schwingt, so kommt man seinen Mit-Ravern gelegentlich bis dauernd deutlich näher als 1,80 Meter Abstand. Auf so mancher Veranstaltung in Großraumdiskotheken wie dem Bootshaus, dem Neuraum, dem P.M. oder dem Index drängen sich teils fünf oder mehr Gäste auf einem Quadratmeter Tanzfläche, um den Tracks der Star-DJs zu lauschen. Nun, jetzt wohl fürs erste nicht mehr, denn wohl jeder Diskothekenbetreiber Deutschlands klagt seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie über massive Umsatzeinbrüche und ausbleibende Besucherströme unabhängig von den jeweiligen Lineups. Deutschlandweit ist zu beobachten, wie den Menschen die Feierlaune vergeht, die Dancefloors nicht einmal halb gefüllt sind. Immerhin - Warteschlangen sind somit kein ernstzunehmendes Problem mehr. Ein weiterer Pluspunkt: Corona-Partys erfreuen sich derzeit zunehmender Beliebtheit, und sogar entsprechende Musik wird auf den Markt geworfen (jetzt neu in unserer DJ-Promotion: Cristian Corona feat. Ruly Rodriguez - Saltando). Wir warten noch auf einen Chart-Entry, der das Virus besingt. Es dürfte obendrein nur eine Frage der Zeit sein, bis der (verständlicherweise) kriselnde Bierhersteller als Sponsor solch zynischer Veranstaltungen in Erscheinung tritt, um sein dank eines mikroskopisch kleinen Unwesens zu Unrecht angekratztes Image wieder aufzupolieren.

Ob die zu beobachtende Leerung der bundesdeutschen Tanzflächen einzig dem Coronavirus zuzuschreiben ist, sei nun dahingestellt. Einen gehörigen Anteil dürfte hier natürlich auch das zurückliegende Monatsende und der damit einhergehende chronische Geldmangel der meisten Partygänger ausmachen. Doch ein gewisser Einfluss lässt sich nicht abstreiten. Manch ein Diskothekenbetreiber spielt nun schon mit dem Gedanken, seinen Laden für die kommenden Wochen zu schließen - sei es nun aus rein monetären Erwägungen oder doch auch aus reiner Menschenfreundlichkeit, um dem Virus keinen Verbreitungsherd zu geben. Abgesehen von solchen durchaus vernünftigen Maßnahmen scheinen Teile der Bevölkerung jedoch völlig die Contenance zu verlieren - Berichte von Hamsterkäufen, leeren Nudelregalen, ausverkauften Desinfektionsmitteln und allgemeinem Misstrauen machen die Runde.


Hilft ja nichts!

Aber macht es denn Spaß, sich in einem halbleeren Club auszutoben? Keinesfalls. Aber ein Nachtclub kann sich nun einmal leider - wie bereits angedeutet - rasant zu einem wahren Brutkasten für Coronaviren entwickeln. In einem vollbesetzten Großraumclub staut sich tendenziell feuchte Luft auf engem Raum, unzählige Menschen haben direkten oder indirekten Kontakt. Wenn es gänzlich unglücklich liefe, könnte man sich sogar über eine Runde Jägermeister-Shots anstecken, die ein Infizierter kurz in der Hand hatte. Entgegen einem kurzfristig viral gegangenen (haha!) urbanen Mythos genügt der standardmäßig konsumierte, bis zu 40-prozentige Alkohol übrigens nicht, um Coronaviren nennenswert aufzuhalten, da bedarf es schon stärkerer Kaliber. Ganz davon zu schweigen, dass der Konsum alkoholischer Getränke das Immunsystem nachhaltig schädigen kann. Von sanitären Anlagen möchten wir gar nicht erst reden (eine Line Corona zum gleich reinziehen bitte!). Die Gefahr lauert also sowohl überall als auch auf leisen Sohlen.

Was tut man nun angesichts dieser argumentativen Übermacht, die sich gegen den entspannten besuch des Clubs unserer Wahl stemmt? Die Antwort ist nicht einfach und variiert zwischen “YOLO!” und dem gebrauch eines mobilen Sauerstoffzelts mit internem Luftkreislauf. Beide Arten des Umgangs mit der überall dräuenden Gefahr dürfen als unvernünftig, beziehungsweise unverhältnismäßig gelten. Einem Club-, Festival- oder Konzertbesuch dürfte nichts im Wege stehen, wenn ein paar einfache Grundregeln befolgt werden:

- Geht keinesfalls feiern, wenn ihr euch auch nur im entferntesten kränklich fühlt! Eigentlich sollte das auch ohne ein umtriebiges Coronavirus absolut selbstverständlich sein! Ein kranker Partygast stellt in jedem Falle ein Sicherheitsrisiko dar. Sei es nun eine einfache Erkältung oder doch etwas bedrohlicheres wie EHEC oder Corona - ein krankes Feierbiest gehört in sein Bett und nicht auf den Dancefloor! Lasst es um euretwillen und um eurer Mitmenschen willen einfach sein und bleibt zuhause! Man wird es euch danken und eure Genesung wird wahrscheinlich auch deutlich schneller vonstatten gehen. Sollten sich im Verlauf einer Partynacht Krankheitssymptome zeigen, so gilt auch hier: Ab nach Hause! Und - euren Mitmenschen zuliebe - bitte immer schön in die Armbeuge und nicht in die Hände niesen - auch das hilft bereits!

- Hygiene steht an oberster Stelle! Ein gewisses Maß an Hygiene sollte ohnehin von jedem zu erwarten sein (wenngleich die Erfahrung Gegenteiliges zeigt). Der Gebrauch von Desinfektionstüchern, der Besuch einer Dusche vor und nach einer durchzechten Partynacht, regelmäßiges Händewaschen und vor allem keinerlei unnötiger Austausch von Getränken (jeder hat bei seinem eigenen Drink zu bleiben, egal, wie sehr einen der Cocktail seines Gegenübers anlächelt!) erleichtern einen jeden Abend.

- Haltet euch von Kranken fern! Sollte jemand die erste Regel nicht befolgt haben, so ist es an euch, ihn mit eurer Abwesenheit zu strafen. Ein Mindestabstand von zwei Metern lässt sich zwar nicht immer wahren, doch zumindest sollte man es versuchen. Wer Kontakt zu Corona-Patienten hatte, sollte das auf jeden Fall an das zuständige Gesundheitsamt melden, um feststellen zu lassen, ob man selbst von dem Virus betroffen ist. Im Falle eines negativen Tests (heißt: keine Infektion) kann zur Sicherheit dennoch eine zweiwöchige häusliche Quarantäne verordnet werden - so lange dauert nämlich die durchschnittliche Inkubationszeit des Coronavirus.

Wenn ihr das alles befolgt, sollte einem entspannten Abend im Club eurer Wahl nichts entgegenstehen. Und auch von Seiten der Clubbetreiber kann man hier gut entgegensteuern: Aufklärung ist alles! Ein gut vorbereiteter Social-Media-Post kann hier viel bewirken! Bittet Kranke, zuhause zu bleiben, zeigt euren potentiellen Gästen, was ihr für ihr Wohlergehen tut, wie ihr sicherstellt, dass keiner seinen Clubbesuch bereuen wird. Es wird sich lohnen! Die Aufstellung von Desinfektionsmittelspendern an neuralgischen Punkten kann hier beispielsweise durchaus Vertrauen schaffen und stellt ein äußerst Wirksames mittel gegen die Verbreitung von Krankheitserregern dar. Entsprechend instruiertes Türpersonal, das nicht nur nach stark alkoholisierten, sondern auch nach kränkelnden Gästen Ausschau hält, hilft hier ebenfalls!

Alles in Allem sollte man sich von jenem Ungetüm namens SARS-CoV-2 nicht die Feierlaune verderben lassen. Ein paar einfache Vorsichtsmaßnahmen reichen meist schon, um sich zu schützen. Eine gehörige Portion Ernsthaftigkeit im Umgang mit Corona kann allerdings dennoch nicht schaden. Am Ende ist es an jedem selbst, das richtige Maß an Prävention für sich zu finden.

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Über den Autor
Maximilian Wild

Ich bin Jurastudent und bereite mich derzeit auf mein Staatsexamen vor. Meine Interessenschwerpunkte liegen im Bereich des geistigen Eigentums, das sich mit meinem ausgeprägten Interesse für Musik trifft. Für Dance-Charts.de verfasse ich hauptsächlich Nachrichten, Kommentare und Kolumnen, die sich mit aktuellen Entwicklungen der Szene befassen. Ich favorisiere kein Genre besonders, sodass sich in meinen Playlisten bunte Mischungen aus Tech House, Hardstyle und EDM finden. Mein absoluter Lieblingsact ist allerdings das deutsche House-Duo Claptone.

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