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Das größte Comeback-Desaster in der EDM-Geschichte

Swedish House Mafia: Sie kamen, sahen, scheiterten

(Geschätzte Lesezeit: 5 - 9 Minuten)

Swedish House MafiaSwedish House Mafia - bis heute keine neue Single veröffentlicht.

Es ist die Nacht zum 26. März 2018. In Miami herrscht seit 40 Minuten Stille. Gespannt richten sich Zehntausende Augenpaare auf die Mainstage des Ultra Music Festivals. Weltweit schalten Millionen von Menschen den Live-Stream ein. „Ladies and Gentlemen, my name is Axwell, this is Sebastian Ingrosso and this is Steve Angello; and Miami you know that we are the Swedish House Mafia. Damit war es vollbracht. Das Comeback eines der größten – in vielen Augen das größte – EDM-Projekt(e) kehrt fünf Jahre nach seinem Ende nicht nur an den Ort des Geschehens zurück, sondern betritt abermals die Leinwand dieses Planeten. Das Momentum hatte eingeschlagen wie eine Bombe, doch was sollte folgen? Die Antwort gaben die drei selbst: Nichts. Jedenfalls dann, wenn man überteuertes Merchandise, skurrile PR-Aktionen und abgesagte Gigs nicht hinzuzählt. Viele sprechen schon jetzt über den größten Fail in der Geschichte der elektronischen Musik. Wir bringen Licht ins Dunkel.


Drei Punkte erobern die Welt

Im Jahr 2010 läuten drei Freunde aus Skandinavien die Ära EDM ein. Mit Songs wie “Miami 2 Ibiza“, “One“ oder “Antidote“ schufen sie gemeinsam mit den Veröffentlichungen von Avicii und Co den kommerziellen Progressive House. Egal, was die Jungs anfassten, es schien zu Gold zu werden. Jegliche Singles zündeten. Nicht zuletzt “Don’t You Worry Child“ und “Save The World“ haben wir es zu verdanken, dass in elektronischer Musik heutzutage mehr als nur „Untz Untz“ gesehen wird, auch im Mainstream. 2012 folgte dann ihr Album “Until Now“, welches die Hits um einige Scheiben ergänzte. Until now war alles gut. Doch 2013 verabschiedete man sich von der Bildfläche. Interne Unstimmigkeiten seien der Grund gewesen. Man befinde sich in einem kreativen Loch. Die Künstler gingen von nun an getrennte Wege.


Sie sind zurück – womit?

Bekanntheit erlangten sie durch Musik, also Releases. Trotz des phänomenalen Memorial-Sets beim UMF 2018 wollten und wollen die Fans natürlich eins: Neue Musik! Zwei IDs präsentierte man während des besagten Auftritts. Es handelte sich dabei um zwei IDs in elektronischer Reinform. Grundsätzlich muss man sich also fragen, was man von dem Sound des Trios im Jahr 2019 erwartet. Doch diese Frage scheint die SHM bis dato nicht mal für sich selbst beantwortet zu haben. Am Fließband sind Werke zu hören, die dann doch wieder verworfen werden und nie das Licht der Welt erblicken. Seit eineinhalb Jahren versuchen sie schon, etwas mit dem Ansatz von Potential zu produzieren, das dem Namen gerecht wird. Doch sie scheitern – immer und immer wieder. Es scheint fast so, als hätte es damals tatsächlich Gründe gegeben, weswegen man die Zusammenarbeit beendete.

Vorzugsweise hätte man sich vor der Entscheidung, ein Projekt wieder aufleben zu lassen, zusammensetzen sollen, um zu testen, ob aus den Köpfen etwas Kreatives, Innovatives oder schlicht „Gutes“ entstehen kann. Das Management entschied sich offenbar dagegen. Das ist aber ohnehin irrelevant, da sie ihre langjährige Managerin, Amy Thomson, ersetzt hatten. 


Hiermit

Man entschied sich kurzerhand dazu, dann eben ohne Musik weiterzumachen. Schließlich existieren etliche Einnahmemöglichkeiten. Früh entdeckte die Swedish House Mafia das Merchandising für sich. Zügig nach dem Comeback setzte man sich daran, einen Online-Store einzurichten, der als erstes Item ein T-Shirt mit der Aufschrift „03 25 18“ für schlappe 50 Euro – natürlich ohne Versandkosten - anbot. Ein Highlight war definitiv die detaillierte, realistische Darstellung der Artikel. Bereits beim ersten Anblick konnte man Passform, Design und Farbgebung genauestens einschätzen.

SHM Story

Das Beste: Die Qualität der ausgelieferten Artikel war unterirdisch. Die Fans beklagten sich zurecht über billiges Material, schlechten Aufdruck sowie schlabbrige Passform. Die SHM gelobte Besserung. Dazu sollten sie auch noch die Möglichkeit bekommen, denn inzwischen hatten sich zu T-Shirts und Hoodies auch Schaals, Caps und neue Entwürfe gesellt. Diese kann man zwar nur für wenige Tage kaufen, da der Online-Shop – ähnlich wie der Raum der Wünsche aus Harry Potter – zeitlich begrenzt ist, doch immerhin gibt es neben den regelmäßigen Ausrasten seitens Steve Angello so noch etwas, das sich zu posten lohnt. Zu letzteren kommen gleich.

Zurecht sind die Fans empört. Ein Musikprojekt, das anscheinend zu allem in der Lage ist, außer eben Musik zu veröffentlichen. Das ist in etwa so wie ein Gummiboot mit einem großen Loch: Es ist durchaus erfreulich, das Utensil bei sich zu haben, doch so recht zutage treten will der Zweck unter den Voraussetzungen nicht. Problematisch wird eine solche Vermarktungsschiene dann, wenn sie gänzlich in den Vordergrund tritt. Merchandise soll den Anhängern eine Möglichkeit bieten, die Sympathie für ein Projekt für andere sichtbar zu machen. Zurecht steht mittlerweile infrage, welche Message man damit eigentlich transportiert. Die Grenze zwischen Finanzierung und Geldmacherei ist überschritten. Die negativen Kommentare Äußerungen. Die einst so glorreiche Swedish House Mafia wurde zum Meme, zur Lachnummer.


Andreas hat Pause, jetzt ist Psycho Angello dran

Bröckelt das Fundament des musikalischen Erfolgs, dann spüren das irgendwann auch die Fädenzieher. Während Axwell & Ingrosso schweigen, überkam es Angello neulich, sodass er einem Fan Mal richtig die Meinung geigen musste. Das ging zwar nach hinten los, doch daran hat sich die SHM ja mittlerweile gewöhnt. Der Instagram-User Proxbeat sprach für viele, als er die Jungs vor einigen Wochen dazu aufforderte, Musik zu releasen. Dabei nannte er sie passenderweise „Moneytakers“. Steve Angello sah das allerdings ganz anders und haute in die Tasten:

SHM

Angello stellt sich und seine Freunde als Helden dar; Musiker, die noch für Qualität einstehen und nicht der hohen Frequenz des Kommerzes zum Opfer gefallen seien. „Du möchtest lieber Musik veröffentlicht haben, nur um Musik veröffentlicht zu haben.“ Das jetzt nicht, aber Musik von einem Musikprojekt zu fordern, ist nicht allzu abwegig.

Wenn du ein Geldgeier bist, dann bringst du Musik auf den Markt, um schnelle Scheine zu machen – da, wo wir uns mit der Auswahl unserer Shows, die wir spielen, und der Lieder, die wir veröffentlichen wollen, Zeit nehmen, um unsere Emotionen miteinfließen zu lassen und einfach diesen Abschnitt unseres Lebens zu genießen.

Fragwürdig ist dann, warum am laufenden Band Shows gecancelt werden. Vielleicht müssen bei den dreien, Steve Angello insbesondere, die Emotionen, die sie ja „miteinfließen lassen“, am Tag der Performance stets genau richtig sein. Wenn einer vielleicht ein wenig traurig ist oder er keine Lust hat, dann muss die Show gecancelt werden. Wohl oder übel. Denn die Emotionen fließen ja direkt mit in die Show ein und wenn die an sich bereits negativ sind, dann wäre das die Show am Ende eventuell auch. Hier können wir also dankbar sein und vielleicht den ein oder anderen Schaal bei unserer nächsten Bestellung im exklusiven Online-Shop drauflegen. Musikalisch ist es in der Tat lobenswert, sich auf dem schnelllebigen Markt hinzusetzen, um das Ergebnis den Vorstellungen entsprechend zu gestalten. Unterm Strich sagt Angello in Bezug auf unser Gummiboot (s.o.) allerdings nur: Es könnten ja auch zwei große Löcher sein!

Während du das hier schreibst, steck doch einfach ein bisschen mehr Zeit in deine eigene Karriere und höre auf, über uns zu reden. Dein und unser Tag haben beide 24 Stunden, also würde ich dich gerne da sehen, wo wir jetzt sind. Solange du das nicht schaffst, ist deine Meinung irrelevant. Viel Liebe. S-A.

Erstmal viel Liebe zurück! Steve Angello scheint zu der Art Mensch zu gehören, die grundsätzlich von jedem eine bessere Leistung als die eigene fordert, um seine Kritik als würdig zu erachten. Diese Herangehensweise führt zum Trainer-Problem. Dieses stellt dar, dass der Trainer einer Mannschaft/eines Spielers stets besser sein müsste als seine Schützlinge. Inwiefern genau Meinungen „irrelevant“ sein können, bleibt zu erörtern. Die auch verbal herablassende Behandlung der Fans zeigt, wie fasziniert Angello von sich selbst ist. Steve Angellos Kommentar könnte man so ähnlich unter einen neuen Post der SHM setzen. Er passt nämlich haargenau auf die fragwürdige Vorgehensweise des Trios. Ein klassischer Fall von Doppelmoral. Man könnte fast sagen, er sieht vor lauter Merch die Musik nicht mehr. Die Antwort des Anhängers ist übrigens äußerst lesenswert.

SHM

Solche Situationen zeigen, dass auch bei der Swedish House Mafia die Nerven blank liegen. Eineinhalb Jahre ohne eine einzige Veröffentlichung – das hatte man sich vermutlich anders vorgestellt. Das PR-Team fiel wahrscheinlich aus heiterem Himmel, als sie den offensiven Kommentar Angellos lasen.


2013 = 2019

Die Gigs, die auch stattfanden, wurden von vielen als atemberaubend bezeichnet. Die Shows werden jedoch von dem Charakter einer Revival-Party überschattet. Selbstredend ist es schön, die Hymnen jener Zeit in Person erleben zu können. Was unterscheidet die „One Last Show“ von einem heutigen Auftritt? Im Ergebnis leider gar nichts. Dieselben Songs, dieselben Personen und dasselbe Setting. Nur eines fehlt: Die Hits als Rechtfertigung, dort oben stehen zu dürfen. Natürlich ist es für alle Interessenten erfreulich, die Möglichkeit zu haben, ihr Dreamteam performen zu sehen. Doch welchen Aspekt abgesehen von Nostalgie hat ein Gig der Swedish House Mafia? Das komplette Konzept stellt sich derzeit als Gelddruckmaschine heraus. Umso wichtiger wäre es jetzt, den Fans endlich das zu geben, wonach sie verlangen.

Der Druck auf den Schultern des Trios ist immens. Jeder, allen voran sie selbst, erwarten einen Welthit. Manchmal muss man allerdings wagen, um zu gewinnen. Die Lösung kann nicht sein, gar nichts zu releasen. Wenn man sich tatsächlich dazu entscheidet, den Fokus auf die Produktion hochwertiger Songs zu legen, dann sollte man wenigstens so ehrlich sein, die Merchandise-Maschine ruhen zu lassen. Sonst lädt man nur zu einer Veranstaltung ein, die gar nicht stattfinden wird.


Fazit

Das Comeback der Swedish House Mafia ist bereits zu diesem Zeitpunkt ein Flop. Missmanagement, fehlerhaftes Verhalten und vor allem die Gier nach Geld traten das Erbe und Potential mit Füßen. Jetzt ist es mehr denn je an der Zeit, Musik zu veröffentlichen. In der Zwischenzeit sollte das Merchandising eingestellt werden. Jeder, der interessiert war, hatte inzwischen mehr als genug Möglichkeiten, sich einzudecken. Andernfalls kann der Eindruck eines rein wirtschaftlichen Interesses am Projekt seitens der Künstler und des Managements nicht mehr abgewandt werden. Es ist ebenso wenig förderlich, „Access All Areas Lifetime Passes“ zu verlosen. Umso ironischer die Aussage auf ihrer Website: „We see you, we hear you, we love you.” – Nein, eben nicht.

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    Gina · Vor 9 Tagen
    Swedish House Mafias Music is real ugly .. sry
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    Barbarossa · Vor 9 Tagen
    S..Angello Fuck you !!!!
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    Gioligio · Vor 9 Tagen
    Fuck off swed.H..Mafia ... this Angello was an fucking idiot
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    Alan w. · Vor 9 Tagen
    Fuck off SHM is big shit music !!! ????????
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    Max · Vor 9 Tagen
    2013 mit 2019 zu vergleichen ist schon leicht Panne; besonders weil es doch neue Songs von SHM gibt, diese auf deren Gigs spielen. Und wow.. sie haben Gigs abgesagt. Das passiert eben auch Bands, die schon länger als SHM gibt. Nehmen wir doch mal Juli als Beispiel. Spielen meist nur die alten Klassiker, hatten in diesem Jahr nur ein Song raus gebracht.Aber trotzdem kommen immer Leute, wenn Juli auftreten, um deren alten „Schinken“ mitzusingen oder zu hören.


    Wer Axwell / Ingrosso und Angello kennt, weiß das es den schon immer nur um die Qualität der Songs geht und nicht einfach Songs ohne Ende zu produzieren und sofort auf den Markt „zu schmeißen“. Anscheinend hat jemand den Artikel geschrieben, der wohl keine Ahnung hat, wie es ist, Musik zu produzieren, nebenbei Gigs zu machen (tatsächlich ist es so das Axwell auch allein immer noch Gigs macht). Nebenbei wird ja auch noch ein privates Leben geschmissen.
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      Torsten · Vor 12 Stunden
      Der komplette Artikel ist gegenüber der SHM dermaßen herablassend und qualitativ schlecht das ich erst mal 30 Minuten lachen musste. Wenn ihr oder eure Redaktion keine Ahnung hat.... Einfach mal den Ball flach halten Solltet euch lieber mal überlegen was ihr hier so schreibt anstatt nur dummes Zeug über andere zu erzählen.
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    Mingo · Vor 10 Tagen
    Wer kann mit den Hype erklären für SHM??? Absolut Panne 2019
Über den Autor
Jonas Vieten

Ich bin Jonas Vieten und seit Oktober 2017 Teil der Redaktion. Bereits als Leser habe ich mich täglich auf neue Artikel und News rund um EDM gefreut. Nun auf der Seite der Verfasser sein zu dürfen, macht mich sehr froh. Ich hoffe, eines Tages im Musik-Business – bevorzugt als DJ – arbeiten zu können. Neben Bigroom-Feuerwerk oder chilligen Future-House-Beats können Film-Soundtracks mich ebenfalls begeistern.

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