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"We Are The People"

Martin Garrix‘ EM-Song: Eine Enttäuschung

(Geschätzte Lesezeit: 3 - 5 Minuten)

Martin Garrix feat. Bono & The Edge - We Are The People"We Are The People" von Martin Garrix feat. Bono & The Edge.

Martin Garrix durfte heute gemeinsam mit Bono und The Edge von U2 endlich die offizielle Hymne zur UEFA Europameisterschaft 2020, “We Are The People“, veröffentlichen. 2020? Ja, die wegen der CoViD-19-Pandemie neu terminierte EM wurde auf dem Papier verschoben - und so auch die Hymne - aber führt offiziell noch immer den Titel 2020. In diesem Kommentar möchte ich mich kritisch mit dem Werk des niederländischen Wunderkindes auseinandersetzen. So viel sei gesagt: Ich bin enttäuscht. 


Eine Ehre

Den Titelsong zu einem Sportturnier von solch immenser internationaler Bedeutung produzieren zu dürfen, ist eine große Ehre. Wir alle erinnern uns an “Waka Waka“ (WM 2010) oder “Love Generation“ (WM 2006). Zwar handelt es sich hierbei um Werke des großen Schwesterturniers, der WM, doch die EM muss sich allein schon aufgrund ihrer fußballerisch starken Teilnehmernationen nicht verstecken.

Genauso wenig muss sich Martin Garrix hinter einem großen Namen wie Shakira verstecken. Der mit dem heutigen Tage 25 Jahre junge DJ kann bereits jetzt auf viele Hits (“In The Name of Love“, “Scared To Be Lonely“, “Animals“) zurückblicken. Bei der EM 2016 war es David Guetta, der mit “This One’s For You“ einen überraschend Dance-affinen Ansatz wählte. Daher hofften viele, Garrix werde den womöglich größten Track seiner Karriere präsentieren. Schließlich befeuerte er die Erwartungshaltung aufgrund der Verschiebung mehr als ein Jahr lang. Nun kann man sich ernsthaft fragen, ob es das wert war.


Der Alleinunterhalter in der Hotel-Lobby

Besonders ein Adjektiv beschreibt die Hymne am zutreffendsten: generisch. Schon der Titel “We Are The People“ klingt einer Liste für möglichst PR-taugliche Namen entnommen. Um fair zu bleiben, ist dies bei UEFA-Hymnen meistens der Fall. Musikalisch hören wir sofort die Handschrift von Martin Garrix‘ Songwriter Kristoffer Fogelmark aka Bonn heraus. In ihren gemeinsamen Collabs “High On Life“, “No Sleep“ und “Home“ stellte er unter Beweis, dass er es versteht, einen epischen Pre-Chorus allein durch die Stimme zu gestalten. Doch das ist leider auch das einzig Positive an diesem Lied.

Der Lead-Sound im Instrumental lässt sich nicht eindeutig als VST-Preset oder echtes Zupfinstrument identifizieren. Hinzutreten einige Gitarren-Riffs sowie eine seichte Bassline mit überraschend stampfender Kick. Soiel zum Technischen.

Wichtiger wird für die Millionen von Zuschauern vor den Fernsehgeräten jedoch die Wirkung sein. Sofern einem der Song überhaupt im Kopf bleibt, erinnert er stark an eine Eigenkomposition auf dem Yamaha-Keyboard eines Alleinunterhalters in der Ecke der Hotel-Lobby. Irgendwo dümpelt die Melodie vor sich hin, welche die ganze Zeit über an das Outro einer Progressive-House-Produktion erinnert, dann singt Bono irgendwas von Liebe, Leben und Einigkeit und dann ist die Nummer auch schon vorbei. Und dafür brauchte es Martin Garrix?

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Die lähmende Angst

Es scheint so, als hätten sich Hit-Producer Giorgio Tuinfort (Produzent von David Guetta), Kristoffer Fogelmark (Bonn), die U2-Jungs und Martin Garrix über Wochen hinweg in einem Studio eingeschlossen, um den perfekten EM-Song zu schreiben. Wann immer jemand eine attraktive, innovative Idee einwarf, fragten alle kritisch: „Glaubst du, sowas können wir uns bei der offiziellen Hymne zur Europameisterschaft erlauben?“ Die Antwort war dann stets: „Gehen wir lieber auf Nummer sicher.“ So hat die Panik davor, etwas falsch zu machen, um sich gegriffen und den eigentlichen Entwicklungsprozess gelähmt.

Die frischen Ansätze, die in Garrix‘ jüngstem Release “Pressure“ anklangen, wurden verworfen. Klar, eine Deep-House-Scheibe wäre wohl kaum von der UEFA-Delegation akzeptiert worden. Doch wo ist der Mut? Wo ist die Zielsetzung, einen Track zu veröffentlichen, den jeder in eine Reihe mit “Waka Waka“ sieht? So taugt “We Are The People“ nur als Hintergrundmusik, um das virtuelle Intro samt Paarung und Aufstellungen zu untermalen. Das ist auch eine wichtige Aufgabe und mit Sicherheit als Voraussetzung kommuniziert worden. Doch auf der anderen Seite soll es den Fans ein Gefühl von Großartigkeit vermitteln: Leute, es ist EM! Corona können wir eventuell bald hinter uns lassen! Lasst uns wieder anfangen, das Leben zu feiern. “We Are The People“ zeigt, wie man auf dem Papier alles richtig machen und dennoch versagen kann. 


Zu hohe Erwartungshaltung?

Dass der 25-Jährige nicht mit einem Festival-Banger um die Ecke kommen würde, sollte jedem klar sein. Doch zeigte er in der Vergangenheit, dass es einen Weg zwischen Radio-Releases und Party-Hymnen gibt. “No Sleep“ beispielsweise verbindet eine seichte Pop-Ballade mit den Ansätzen des Progressive House. Diese Rezeptur hätte man mit den Zutaten der UEFA verfeinern können. So hätte Martin Garrix einen EM-Song liefern können, der ihn als Artist repräsentiert und echten Hymnen-Charakter aufweist.
 

Fazit: Gemeinsam mit den Jungs von U2 veröffentlicht Martin Garrix mit “We Are The People“ keinen schlechten Song, doch mangelt es - wie so oft bei den letzten FIFA/UEFA-Hymnen - an Euphorie, Energie und Ohrwurmfaktor. So wirkt die Single wie Begleitmusik statt wie eine wahre Hymne für das erste große Event „nach“ Corona. Er konnte seine große Chance nicht nutzen, da ihn, wie es scheint, die Angst davor, etwas falsch zu machen, lähmte. Ein Martin-Garrix-Fan kommt hier nicht auf seine Kosten, ebenso wenig Fans des gepflegten Fußballs. Der Song macht nichts falsch, aber auch nichts richtig.

 

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    Mariofan98 · Vor 25 Tagen
    wenn der Song schon ohne Charts schlecht ankommt, dann behaupte ich das es auch in den Charts nichts wird, die Songs der WM 2018 floppten ja schon wegen Capital Bra etc.
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    Ben · Vor 1 Monaten
    Selbst als großer U2 Fan war ich zunächst leicht enttäuscht und habe kurzerhand ein paar EGitarren zusätzlich eingespielt :-) Jetzt ist er vielleicht nicht ein besserer UEFA Song geworden, aber vielleicht ein besserer U2 Song Viel Spaß beim anhören https://youtu.be/QEKVYgqNzcs
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    Sami · Vor 1 Monaten
    Ich kann mir vorstellen, dass Martin Garrix bei diesem Song ähnlich wie bei Dreamer ft. Mike Yung vorgehen wollte. Mike Yung hat genau wie Bono eine großartige Stimme, die bei einem Collab nicht untergehen sollte. Deswegen war es klar, dass so viel Bono es geht in dem Song haben wollte. Leider fehlt dort einfach der Drop, ich hätte es gefeiert, wäre es ein progressive House Song mit Gitarren Intro wie (Martin Garrix, Matisse & Sadko ~ Forever) geworden. Zu dem Song hätte Bonos Stimme perfekt gepasst. Der Song hätte auch ruhig länger sein können, ich würde es gut finden, wenn man diesem "Spotify Song mit 2:40 Länge" endlich entgegen gehen würde.
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    Tina · Vor 1 Monaten
    Danke, dass jemand diesen Song objektiv bewertet. Als Garrixer habe ich mich so auf den Song gefreut und war dann ziemlich enttäuscht. Liegt auch daran, dass Bono einfach alt klingt und der Song mit jemand wie Bonn, Clinton Kane oder Dean Lewis einfach 1000x frischer geklungen hätte. Aber das sind halt nicht so große Namen. Der Anfang klingt genau wie die U2 Songs aus den 90ern - was klar ist, weil Edge die ersten Töne einspielt. Aber die sozialen Medien wie Twitter & Co. lassen keine Kritik zu, da denkt man, dass jeder Garrixer den Song genial findet, das glaube ich aber persönlich nicht. Ich denke, wie du sagst, hatte er Angst, ein zu großes Risiko einzugehen, einen Song zu machen, der halt nicht so Mainstream ist.
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    Daniel · Vor 1 Monaten
    Alles SCHEISSEGAL - der Song hat in drei Tagen rund 2. Mio Aufrufe auf YT... ? ...hätten auch "Without you" von David Guetta nochmal veröffentlichen können(Mit umgekehrten Tönen)... und eigentlich hätten sie die Gitarren von "With or without you" von U2 im Q-Sampler ummodeln sollen...dann hätten sie besser geklungen...
    Aber, wie schon oben geschrieben: SCHEISSEGAL!...Hauptsache "Namedropping"...
    Versteht mich richtig: Schöner Pop-Song - aber den Erfolg hätten Zigtausende von Musikern und Producern 1000 Mal mehr verdient als diese Combo!!!
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    Deine Mutter · Vor 1 Monaten
    Ach scheiß auf dich digga.
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    Johannes · Vor 1 Monaten
    Definitiv nicht so gut wie No Sleep. Ich warte noch auf einen guten Remix, wie bei No Sleep. Gerne auch wieder von Dubvision.
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    Theo · Vor 1 Monaten
    Ist wohl eher was für Leute die auf Musik von U2 stehen, denke ich. Mein Fall ist es auch nicht.
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    Max · Vor 1 Monaten
    Stimme dem Beitrag zu 100% zu.
Über den Autor
Jonas Vieten

Ich bin Jonas Vieten und seit Oktober 2017 Teil der Redaktion. Bereits als Leser habe ich mich täglich auf neue Artikel und News rund um EDM gefreut. Nun auf der Seite der Verfasser sein zu dürfen, macht mich sehr froh. Ich hoffe, eines Tages im Musik-Business - bevorzugt als DJ - arbeiten zu können. Neben Bigroom-Feuerwerk oder chilligen Future-House-Beats können Film-Soundtracks mich ebenfalls begeistern.

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