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Fachjournalismus war gestern!

EM 2016: „Die Welt“ mit peinlichem Eigentor

(Geschätzte Lesezeit: 2 - 4 Minuten)

So geht Journalismus heute - nicht! Dass heutzutage jeder mehr oder minder Lese- und Schreibbegabte mit oder ohne Abitur von sich glaubt, öffentlich über alles und jeden mitreden zu dürfen, ist wohl nichts Neues, sondern entspricht dem Zeitgeist, in dem 82 Millionen Bundestrainer dem einen, der diesen Job wirklich ausübt, seinen Beruf in den diversen (a)sozialen Netzwerken erklären. In unserem Falle erklärte ein gewisses Axel-Springer-Medium den französischen Star-DJ David Guetta zu einem Vorreiter des Techno. Dass der „Welt“, immerhin einem Blatt mit einem gewissen Renommee, solch ein Fauxpas unterläuft, mag die aktuellen Zustände doch recht vorzüglich illustrieren.


David Guetta: Produziert neuerdings Techno

In ebenjenem Artikel auf „Welt Online“ stoßen wir neben anderen fragwürdigen Informationen auch auf wundervolle Sätze wie „Die Uefa erstickt selbst die lautesten Gesänge mit ohrenbetäubender Techno-Musik à la David Guetta.“ An anderer Stelle wird der französische Superstar-DJ gar als „König des Kirmestechno“ bezeichnet. Da geht dem Musikliebhaber doch das Herz auf! Dass „Die Welt“ mit abstrusestem Clickbaiting auf ihrer Webpräsenz aufmerksam macht, dürfte jedem gelegentlichen Besucher ihrer Facebookseite noch schmerzlich in Erinnerung sein. Doch zumindest sind diese Artikel - unabhängig von der Frage nach Wohl und Wehe des Clickbaitings - meist gut recherchiert und die dort dargestellten Informationen halbwegs fundiert niedergelegt. Davon kann man hier jedoch keinesfalls sprechen! Sport-Redakteur Simon Pausch - also ein völlig fachfremder Journalist, wenn es um die Beurteilung von Musik geht - nutzt hier die Rubrik „Meinung“ (wie schon Clint Eastwood als Dirty Harry sagte: „Meinungen sind wie A****löcher, jeder Mann hat eines!“) zur Verbreitung seines gefährlichen Halbwissens.

In der Sache mag man dem Mann zwar Recht geben, denn tatsächlich stört die Stadionmusik bei dieser Fußball-Europameisterschaft in der Regel mehr, denn sie Stimmung aufkommen lässt. Doch David Guettas und Zara Larssons EM-Hymne „This One's For You“ als „billige utz-utz-Musik“ oder gar als „Techno“ zu bezeichnen, lässt auf eine ähnliche Fachkompetenz schließen, wie wenn eine selbsternannte DJane Micaela Schäfer bei Stefan Raab von ihrem neuen Track auf „30.000 Bits pro Minute“ schwärmt. Diesen Gedanken weitergesponnen würden etwa Linkin Park neuerdings in die Kategorie Free Jazz fallen.


Wenn Mainstream-Medien über EDM berichten

Von den Aussagen in diesem Artikel dürften sich sowohl David-Guetta-Fans mit Ahnung von der Materie wie auch wahre Techno-Fans angegriffen fühlen. Zur Klarstellung für jetzt und alle Zeit: „Techno“ ist kein Synonym für „Elektronische Musik“ und wird es auch niemals werden! Techno ist tatsächlich nur EINE von dutzenden Strömungen der elektronischen Musik, die sich wiederum in diverse Stilrichtungen untergliedert. Diesen Fehler macht so ziemlich jeder, der glaubt, über Musik mitreden zu können, ohne sich zuvor mit ihr auseinandergesetzt zu haben. Vielmehr ist es in den Mainstreammedien mehr oder minder Gang und Gäbe, dass fehlendes Detailwissen mit Allgemeinplätzen ausgeglichen wird. Jeder DJ unter unseren Lesern dürfte sich schon mindestens einmal in seiner Karriere mit mehr oder minder volltrunkenen Clubgästen konfrontiert gesehen haben, die ihn darum baten, doch „mal weniger Täschnoh“ zu spielen, denn „Blacc kommt doch eh viel krasser, Digger!“.

Das darf man getrost als schade bezeichnen, denn in anderen musikalischen Strömungen klappt es doch auch wunderbar. Wer käme schon auf die Idee, die Beatles, das Heiligtum aller Mittsiebziger, als Vorreiter des Death-Metal zu bezeichnen. Liebe Freunde der guten Unterhaltung: Genau so hört es sich für einen Liebhaber elektronischer Musik an, wenn David Guetta als „König des Kirmestechno“ bezeichnet wird. Zur Strafe schreiben wir nun alle zehnmal den Satz „,This One's For You' ist im Future-Pop-Stil gehalten und KEIN Techno.“ Wer sich fragt, was das denn nun wieder für ein neumodischer Quatsch sei, dem legen wir ganz unverblümt die Lektüre unseres diesbezüglichen Artikels ans Herz: Future Pop


Moral von der Geschichte

Und die Moral von der Geschichte? Wenn man sich schon über ein Phänomen aufregen möchte, sollte man es zumindest bei seinem Namen nennen können. Dem unbedarften „Welt“-Leser, der ohnehin nur das hört, „was halt gerade im Radio läuft“, mag das egal sein, denn er bekommt tagein, tagaus nur „80er, 90er und die Hits von Heute“ um die Ohren gedröhnt. Allen anderen möchten wir folgende (leider in einigen Bereichen nicht völlig akkurate) Seite ans Herz legen: http://everynoise.com/engenremap Denn wie schon Immanuel Kant sagte: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Mit diesen Worten wünscht das dance-charts.de-Team allen Lesern eine wunderbare Fußball-Europameisterschaft.

EM 2016: „Die Welt“ mit peinlichem Eigentor

 

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Über den Autor
Maximilian Wild

Ich bin Jurastudent und bereite mich derzeit auf mein Staatsexamen vor. Meine Interessenschwerpunkte liegen im Bereich des geistigen Eigentums, das sich mit meinem ausgeprägten Interesse für Musik trifft. Für Dance-Charts.de verfasse ich hauptsächlich Nachrichten, Kommentare und Kolumnen, die sich mit aktuellen Entwicklungen der Szene befassen. Ich favorisiere kein Genre besonders, sodass sich in meinen Playlisten bunte Mischungen aus Tech House, Hardstyle und EDM finden. Mein absoluter Lieblingsact ist allerdings das deutsche House-Duo Claptone.

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