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Und was kommt eigentlich danach?

Ist Bigroom-EDM tot?

Immer dann, wenn ein elektronisches Genre seine besten Tracks hervorgebracht und seine jeweilige, ganz eigene Geschichte erzählt hat, ist der Erfolg der jeweiligen Musikrichtung auf herkömmlichem Wege de facto kaum mehr steigerbar. In der Folge stellt sich Stagnation ein und letztendlich folgt auf die Rezession eine Depression. Zuletzt geht es dann unweigerlich den Weg aller Genres, nämlich den des Exitus. Der kaum vermeidbare Exodus seiner wichtigen Identifikationsfiguren ist die Folge. Genau das passiert bereits seit fast zwei Jahren mit der Mutter des anhaltenden EDM-Hypes schlechthin... Ihr habt es erraten, der gute alte Bigroom ist gemeint. Bereits seit Mitte 2015 geht es mit dem Genre kontinuierlich den metaphorischen Bach herunter – quantitativ wie qualitativ. Liebe Bigroom-Fans, Ihr müsst jetzt ganz stark sein: Das Genre wie Ihr es kennt wird im kommenden Jahr wohl vollends den berüchtigten Löffel abgeben und im Sumpf der Bedeutungslosigkeit versinken. Sucht Euch vorher lieber einen neuen Hype...


Es geht den Bach herunter...

Sagten wir gerade „qualitativ“? Nunja, dem Bigroom eine gewisse Qualität zuzusprechen ist unter Musikliebhabern im besten Falle umstritten. Zu viele gute Track-Ideen forderte der permanente Loudness-War der einzelnen Produzenten als seine Opfer. Stet und prall war der nicht abreißen wollende Zustrom neuer, kaputtgemasterter Bigroom-Nummern der einschlägigen Musikprojekte. Berüchtigt für dicke Hooklines wie auch für ihre Eigenschaft, jede dieser genialen Ideen durch qualitativ minderwertige Produktionen zu ruinieren waren insbesondere Projekte wie W&W oder die Blasterjaxx.

Ohnedies stand das gesamte Genre von seinen Wurzeln an in Verruf, talentlose Künstler zu hypen, deren Songs aus der Feder namhafter Ghostproducer wie Maarten Vorwerk oder Niles Hollowell-Dhar stammten, was wohl zumindest auf einen Großteil der ersten großen Genrehits wie „Epic“, „Stampede“ oder „Tsunami“ zutreffen mag. Insgesamt kann man die Bigroom-Szene als ein von innen heraus verfaultes Konstrukt der musikschaffenden Zunft bezeichnen. Wenn nicht gerade fremder Leute Ohren durch verzerrte Kickdrums und überlautes Mastering vergewaltigt werden, beginnen plötzlich namhafte Vertreter ihrer Zunft wie David Guetta damit, Kinderlieder zu covern. So geschehen bei „Clap Your Hands“, seiner Kollaboration mit GLOWINTHEDARK.

Oh mein Gott! Sie haben Bigroom getötet!Die Liste der Schwach- und Tiefpunkte des Bigroom ist länger als manch eine von David Guettas sorgfältig (rein-)gezogenen Linien. Das Genre hat es innerhalb von nun schon über drei Jahren noch immer nicht geschafft, seinen Kinderkrankheiten zu entwachsen. Abgesehen von dem unerträglichen Loudness-War der Produzenten, der jedoch auch auf andere Stile wie Future House oder gar Trap durchschlägt, werden inzwischen großteils lieblos produzierte Tracks auf den Markt geworfen.

Infolge eines halbherzigen Mixdowns gelangten unfertige Tracks wie Blasterjaxx' „Big Bird“ oder „Get Ready!“ auf den Markt – beides Beleidigungen für Liebhaber der gepflegten Musik. Die umstrittenen belgischen DJ-Brüder Dimitri Vegas & Like Mike gingen unterdessen im August auf Stimmenfang für die diesjährige Top-100-Wahl des DJ Mag und veröffentlichten im Rahmen des „Summer of Madness“ eine Woche lang täglich einen ihrer alten Festival-Bigroom-Tracks, deren offizielles Release utopisch gewesen wäre. Die meisten dieser Lieder entbehrten zwar nicht eines gewissen Charmes, jedoch wäre es vor der Bigroom-Ära undenkbar gewesen, unfertige, ungemixte und ungemasterte Tracks unter die Leute zu bringen. Festzuhalten ist schlichtweg, dass die geballte Einfachheit des Bigroom die Erwartungen der Fans drastisch so gesenkt hat, dass in den meisten Fällen das Hörerlebnis auf der Strecke bleibt.


Andererseits...

Aber halt! Allzu pikiertem Qualitäts-Geschwurbel steht der ganz große Vorzug des Bigroom gegenüber: Die pure Energie, die diese Musik freisetzen kann! Kaum ein Genre ist so einfach gestrickt wie Bigroom-EDM. Diese Einfachheit ist wohl sein größter Pluspunkt, da die Musik mit ihrer Einfachheit schnell zugänglich und schlichtweg mitreißend ist. Bessere Bigroom-Tracks haben noch immer etwas sehr Mitreißendes an sich. Der Hörer wird nicht durch komplexe Sounds Melodieführungen und Arrangements überfordert, wodurch diese demokratischste Form der elektronischen Musik (mit etwas Übung kann jeder relativ schnell guten Bigroom produzieren) genau das Richtige für die Beschallung auf Festivals ist – Stumpf ist eben immer noch Trumpf! Auch wenn in den Drops meist nur auf dem Grundton gehämmert wird, während verzerrte, nachhallende Kickdrums einen Four-on-the-Floor-Rhythmus in den Neocortex der Zuhörerschaft hacken, gibt es eben auch Ausnahmen.

Catchy Hooklines sorgen für den Mitsingfaktor und Emotionen pur! Das Gesamtkonstrukt „Bigroom“ hat etwas Hypnotisches inne, bringt die Hörer durch seine Simplizität in Ekstase und verbreitet die reine Feierlaune. Eben diese Power fehlt den meisten anderen Genres. Die Zeit hat andererseits gezeigt, dass genau das eine erfolgreiche Musikrichtung im elektronischen Business ausmacht: Trance, Hardstyle, HandsUp, Commercial House – allesamt energiegeladene Musikrichtungen. Sie alle haben noch immer eine breite Fanbase, wenngleich sie aus dem Mainstream weitestgehend verschwunden sind. Die Elektronische Musik braucht mit dem zunehmenden Siechtum des Bigroom ein neues, zugkräftiges Genre, um die Massen weiterhin auf die Festivals zu ziehen, was uns zu unserer zentralen Frage bringt...


Was kommt danach?

Der Aufstieg des Bigroom war vorher nicht unbedingt absehbar, was auch jetzt eine Zukunftsprognose deutlich erschwert, aber die zentrale Frage ist doch: Was spielt die DJ-Weltelite 2017 auf den Festivals? Wir leben in Zeiten, da mit wenigen Ausnahmen kaum noch hochwertige Bigroom-Produktionen auf den Markt geworfen werden und sich die einstigen Gesichter dieser Musik von dem Genre abwenden. DVBBS machen inzwischen Future Pop, Martin Garrix scheint seinen Kinderschuhen entwachsen zu sein und seinen eigenen Sound gefunden zu haben und selbst der Großmeister Hardwell experimentiert in diesem Jahr so viel wie nie – mit Jungle Terror, Garage House, Hardstyle, Trance und klassischem Dancepop war alles irgendwie vertreten. Dem stehen Acts wie Showtek, die Blasterjaxx oder auch Hardwells Zöglinge Dannic und Dyro entgegen, die allesamt stark im DJ-Mag-Ranking abrutschten, teils um über 40 Ränge.

Ist Bigroom-EDM tot?Ihnen wurde ihre Fixierung auf Bigroom zum Verhängnis – wie werden sie sich im kommenden Jahr orientieren. Das hängt natürlich auch mit der Schnelllebigkeit des Musikbusiness in der heutigen Zeit zusammen. Früher fuhr der metaphorische Hypetrain noch zwischen zwei und drei Jahren umher, heute kann ein Hype teils weniger als ein Jahr anhalten, bevor wieder eine Umstellung auf die Künstler zukommt. Aktuell heißt dieser Hype „Future Pop“ und mit größeren Abstrichen auch „Hardstyle“, der sich mit großen Schritten zurückmausert und wohl das aktuell größte Nischengenre der elektronischen Musik ist.

Es fragt sich dann doch, wie kollektive Schnarchgeräusche der Festivalbesucher vor der Mainstage zu verhindern sind – mit Future House oder gar Tropical House nämlich sicher nicht. Wer das diesjährige Ultra-Festival verfolgt hat, wird bemerkt haben, wie gut das Valium wirkte, das Acts wie Robin Schulz, Kygo oder Oliver Heldens auf dem Event verbreiteten. Der genannte Hardstyle wird es wohl (leider) nicht sein, dazu polarisiert diese Musik zu stark – selbst die Einstiegsdroge Euphoric Hardstyle wird den meisten Mainstream-Hörern noch zu hart sein. Wie wir sehen können, hat David Guetta aktuell großen kommerziellen Erfolg mit seiner Single „Would I Lie To You“, einem Track, der ebenso gut dem musikalischen Sumpf des Jahres 2005 entstiegen sein könnte.

Aber auch das ist trotz aller durch den Kolumnisten gehegten Sympathien für diese Musik keine wirkliche Lösung – denn auch hier fehlt schlicht die Energie. Auch der aktuelle Trap-Hype, vorrangig ausgelöst durch Future-Pop-Tracks wie „Roses“, „Don't Let Me Down“ oder „Closer“ von den Chainsmokers wird das „Phänomen Bigroom“ kaum abzulösen imstande sein – es ist schlicht zu langsam und damit auf Festivals entweder einschläfernd oder so brutal, dass es den typischen Mainstream-Hörer verschrecken würde.

Vielleicht lauert in den letzten Atemzügen des Jahres 2016 ja noch ein neuer, fresher Trend für die kommende Festival-Saison, aktuell zeigt er sich aber noch nicht. Letzten Endes kann der richtige Weg eben nur Innovation sein. Was ist Eure Meinung? Sieht das Genre Bigroom den Radieschen bereits von unten beim Wachsen zu und mündet bald in billigen Revival-Parties oder reckt es seine kalten, toten Hände in einem letzten Aufbäumen noch einmal aus seinem selbst geschaufelten Grab hervor? Und viel wichtiger noch: Was wenn nicht die Bigroom-Zombieapokalypse steht uns im kommenden Jahr bevor? Schreibt es uns in die Kommentare, wir freuen uns über jede Eurer Meinungen!

 

 

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