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Jahresrückblick 2019

Tiësto - Das waren seine Tracks 2019

(Geschätzte Lesezeit: 6 - 12 Minuten)

Tiësto - Das waren seine Tracks 2019EDM Urgestein Tiësto | Bild: Rukes. 

Wenn wir in unserer Jahresrückblick-Reihe nun zu den ganz großen Namen aus der EDM-Szene kommen, dürfen wir einen Namen nicht vergessen: Tiësto. Der 50-Jährige ist mittlerweile seit mehr als zwei Jahrzeiten einer der aktivsten und erfolgreichsten Musiker der elektronischen Musik. Heutzutage hat der Niederländer kein striktes Sound-Design mehr, sondern experimentiert zum einen mit den verschiedensten Sounds und wagt zum anderen einige Versuche Mainstream-Erfolge zu landen. So gelang ihm zum Beispiel 2018 mit “Jackie Chan“ ein internationaler Sommer-Hit. Wir haben uns angeschaut, was Tiësto in den vergangenen Monaten musikalisch so geleistet hat. Dabei fokussieren wir uns insbesondere auf die facettenreichen Sounds seiner Songs und den Erfolg der kommerziellen Tracks in diesem Jahr.


Tiësto & Dzeko feat. Lena Leon – Halfway There (März)

Das musikalische Jahr von Tiësto begann mit dem ersten Release im März vergleichsweise spät. Am 15. März veröffentlichte er den Track “Halfway There“ mit dem Produzenten Dzeko, der auch an der Produktion von “Jackie Chan“ beteiligt war, und der Sängerin Lena Leon als ersten Track des neuen Mini-Albums “Together“, dessen Tracks im Frühjahr 2019 nach und nach ausgekoppelt wurden. Die Leadsingle “Halfway There“ zeichnete sich durch einen melodischen Festival-Sound aus, der die typischen Bigroom-Klänge der 2010er mit Trance-Elementen aus den 2000ern verbindet. Diese Kombination löste bei den Fans des Niederländers, der wegen eines fehlenden roten Fadens in seinen Releases häufig kritisiert wurde, große Freude aus. 18 Millionen Streams auf einen Bigroom-Track sind im Jahr 2019 eine starke Leistung. Coole Nummer!



Tiësto & John Christian – Can You Feel It (März)

Als zweiter Track vom Mini-Album erschien eine Woche später, am 22. März, mit “Can You Feel It“ die nächste vielversprechende Kollaboration. Dieses Mal arbeitete Tiësto mit dem talentierten Produzenten John Christian zusammen, mit dem er in der Vergangenheit schon einige Tracks produzierte. Wenn man sich den neuen Track der beiden Musiker anhört, ist einem recht schnell klar, wer in der Produktion die führende Hand war, weil das Sound-Design überhaupt nicht zu den üblichen Tracks des 50-Jährigen passt. Daher ist “Can You Feel It“ ein ideales Beispiel für die Experimentierfreude von Tiësto. Stilistisch geht es hier zwar wieder in die Bigroom-Richtung, doch der energische Sound erinnert stark an John Christians Songs. Der Leadsound geht nach vorne und kommt bei einer Crowd auf einem Festival sicherlich gut an. Auf Spotify performte “Can You Feel It“ mit 8,1 Millionen Streams solide.



Tiësto
& Mesto – Can’t Get Enough (März)

In der darauffolgenden Woche, am 29. März, ging es mit dem gemeinsamen Track mit dem Spinnin‘-Newcomer Mesto weiter. “Can’t Get Enough“ hieß die Kollaboration der beiden Musiker, die zusammen einen Kontrast bilden wie er extremer kaum sein könnte. Auf der einen Seite steht mit Tiësto jahrelange Erfahrung und unterschiedlichste Sounds. Auf der anderen Seite steht mit Mesto ein 20-jähriger Produzent mit einem klaren Sound-Design. Bei ihrer ersten Zusammenarbeit “Coming Home“ war der Sound von Mesto eindeutig erkennbar. Der Sound ihrer diesjährigen Kollaboration geht jedoch in eine völlig andere Richtung. “Can’t Get Enough“ verfolgt einen Electro-House-Sound, bei dem die Bounce-Elemente von Mesto nur minimal zu hören sind. Das unerwartete Sound-Design kam nicht bei allen Fans gut an. 7,2 Millionen Streams auf Spotify sprechen für einen mittelmäßigen Streaming-Erfolg.



Tiësto & 7 Skies feat. Micky Blue – Trouble (April)

Am 04. April erschien dann das Mini-Album “Together“, von dem er jedoch alle ausstehenden Songs als Singles veröffentlichte. Der Kollaborationspartner der ersten Nummer hieß 7 Skies. Wer mit dem Namen nichts anfangen kann: der Italiener gehört zu den Schützlingen von KSHMR. Außerdem holte man sich die US-amerikanische Sängerin Micky Blue ins Boot, dessen Stimme jedoch innerhalb des Tracks kaum zur Geltung kommt, weil die beiden Produzenten die Vocals der Sängerin gepitcht haben. Wenn man sich des Sound-Design von “Trouble“ für einen kurzen Moment anhört, liegt bereits eine Verbindung zum Sound von KSHMR nahe. Tatsächlich tritt der Name des Produzenten in den Credits auf, daher kann man davon ausgehen, dass die Beteiligung von Tiësto an dieser Nummer wohl nicht so groß gewesen ist. Die melodische Progressive-House-Produktion wurde mit 3,6 Millionen Streams zum Flop-Track des 50-Jährigen.



Tiësto & SWACQ – Party Time (April)

An zweiter Stelle stand ein Song, der im Laufe des Jahres zu einem der größten Hits des Niederländers reifte. Der Album-Track hieß “Party Time“ und entstand mit dem Newcomer SWACQ, der sich im Jahr 2019 zu einem der vielversprechendsten Talente der EDM-Szene entwickelte. Der Titel dieser Nummer sagt eigentlich schon alles über den Track aus. Auf zahlreichen Festivals sorgte diese Electro-House-Nummer für „Party Time“. Wie es für den jungen Produzenten SWACQ üblich ist, strotzt diese Single nur so vor Energie. Diese Kollaboration gehörte zu den Festival-Tracks im Jahr 2019, der ausnahmslos jeden EDM-Fans auf den größten Festivals der Welt mitreißen konnte. Der „dreckige“ Sound des Songs kam auch bei DJ-Kollegen gut an, sodass “Party Time“ zum Dauerbrenner in den Sets der Star-DJs wurde. Neben den knapp zehn Millionen Streams ist vor allen Dingen die erhaltene Aufmerksamkeit, die diesen Album-Song zu so einem Erfolg gemacht hat. 



Tiësto
& Sikdope – My Whistle (April)

Ein weiterer Track auf dem Album trug den Titel “My Whistle“ und war die erste Kollaboration mit dem polnischen Produzenten Sikdope, der für einen unverkennbaren Bass-House-Sound bekannt ist. Die Kollaboration der beiden DJs erfüllt genau das, was man erwartet. Schon nach wenigen Sekunden wird dem Hörer klar, dass “My Whistle“ eine düstere Nummer ist, die sich klar von anderen Tracks des 50-Jährigen abgrenzt. Der Bass-House-Sound im Drop erinnert zu 100 Prozent an den Signatur-Sound von Sikdope, sodass sich hier berechtigterweise wieder die Frage nach der Beteiligung von Tiësto stellt. Aufgrund des speziellen Sounds konnte man mit einem mäßigen Erfolg rechnen. Die Kollaboration übertraf dann mit 4,2 Millionen Streams sogar die Erwartungen, da der frische, moderne Bass-House-Sound bei einigen Fans tatsächlich Anklang fand.



Tiësto & Stoltenhoff – Lose Control (April)

In eine ähnlich spezielle Richtung ging die vorletzte Single-Auskopplung “Lose Control“ mit dem 30-jährigen Produzenten Stoltenhoff. Wenn ihr den Namen des dänischen Musikers noch nicht gehört habt, müsst ihr euch keine Gedanken machen. Mit knapp 7.000 Facebook-Fans ist der Musiker noch recht unbekannt unterwegs, doch er gilt als Aushängeschild für die Barong Family und erhält massiven Support von The Chainsmokers. Seinen Signatursound lässt er in der Kollaboration “Lose Control“ eindeutig einfließen. Aufgrund des ungewöhnlichen Hardtrap-Sounds im Drop, hat man wieder einmal das Gefühl, dass die Beteiligung von Tiësto nicht so hoch gewesen sein kann. Die Nummer ist eine kreative Trap-Produktion, die jedoch gar nicht in die Diskografie des Niederländers passt. Nur zwei Millionen Spotify-Streams zeigen, dass der Sound sich bei den Fans lediglich einer geringen Beliebtheit erfreut.



Tiësto & Aazar feat. Micky Blue – Diamonds (April)

Die letzte Single von dem Mini-Album nannte sich “Diamonds“ und entstand in Kollaboration mit dem französischen Hardtrap-Produzenten Aazar, der sich mit einem einzigartigen Sound einen Namen gemacht und unter anderem von The Chainsmokers unterstützt wird. Außerdem war Sängerin Micky Blue wieder von der Partie, die bei dieser Nummer ihre echte Stimme unter Beweis stellen durfte. Auch bei diesem Track war der Kollaborationspartner in der Produktion die führende Hand, was anhand des Sound-Designs recht schnell deutlich wird. Am Anfang klingt “Diamonds“ aufgrund der sanften Vocals der US-Amerikanerin noch ruhig und macht im Refrain dann den Eindruck eines anstehenden, kraftvollen Bigroom-Drops. Mit dem Build-Up verwandelt sich die Nummer jedoch überraschend in einen monströsen Hardtrap-Track, der mit einem treibenden und aggressiven Sound im Drop um die Ecke kommt. Schaut man sich die Streaming-Zahlen an (1,7 mio) war “Diamonds“ der unbeliebteste Song auf dem Album. 



Tiësto & Justin Caruso feat. Kelli-Leigh – Feels So Good (April)

Wer dachte, dass sich Tiësto nach der Release-Explosion durch die Erscheinung des Albums “Together“ etwas ausruhen würde, täuschte sich. Am 25. April erschien gleich die nächste Single “Feels So Good“ über Musical Freedom. Natürlich handelte es sich dabei nicht um einen Solo-Track, sondern um eine Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Nachwuchs-Produzenten Justin Caruso und der britischen Sängerin Kelli-Leigh, die speziell für ihre Vocals bei dem Hit “More Than Friends“ Aufmerksamkeit erhielt. In eine ähnliche Richtung geht auch der Track mit Tiësto, der jedoch deutlich EDM-lastiger gestaltet wurde. Die Vocals sind jedoch ziemlich catchy und werden von einem fröhlichen House-Beat begleitet. Im Drop ertönt ein grooviger House-Sound, der bei jedem Dance-Fan für gute Laune sorgt. Der Gute-Laune-Song ging leider in der Versenkung unter. 3,5 Millionen Streams sind für eine solche Art von Song eine schwache Ausbeute.



Tiësto & Jonas Blue feat. Rita Ora – Ritual (Mai)

Doch neben all den Kollaboration mit jungen, aufstrebenden EDM-Produzenten, die allesamt keinen Riesenerfolg versprachen, widmete sich Tiësto kurz vor Sommerbeginn noch der Produktion eines radiotauglichen Dance-Pop-Songs. Der Titel “Ritual“ sollte ein würdiger Nachfolger für “Jackie Chan“ sein, der im vorigen Sommer 2018 zum Mega-Hit wurde. Dafür bekam er gleich von zwei großen Stars Unterstützung. Der Partner für die Produktion hieß Jonas Blue. Der Engländer kennt sich mit Sommer-Hits aus und weiß, was einen modernen Sound auszeichnet. Die Verantwortliche für den Gesang war Pop-Sternchen Rita Ora, die nicht zum ersten Mal mit einem DJ zusammenarbeitete. Zusammen mit einigen Songwritern entstand eine zeitgemäße Mischung aus Dance und Pop, die sich bereits beim ersten Mal Hören im Kopf des Hörers festsetzt. “Ritual“ kam zwar in Deutschland kaum zum Zug, entwickelte sich jedoch international zu einem der größten Dance-Pop-Songs des Jahres. So wurde der Song auf Spotify beispielsweise 154 Millionen Mal gestreamt. Ein echter Dance-Hit!



Tiësto & MOSKA – Acordeão (August)

Nach einer mehrwöchigen Pause in den Sommermonaten Juni und Juli widmete sich Tiësto im August dem Release des nächsten Tracks. Am 08. August veröffentlichte der 50-Jährige den Song “Acordeão“, der wieder einmal mit einem jungen Produzenten kreiert wurde. In diesem Fall hieß der Kollaborationspartner MOSKA. Der 24-jährige Produzent aus Kolumbien arbeitete schon mit Major Lazer zusammen und hatte Releases auf den größten Labels der EDM-Szene. Zusammen mit Tiësto schnappte sich MOSKA das bekannte Latin-Sample “Fiesta En Corraleja“ von Ruben Salcedo und erschuf eine moderne Version mit dem Sound eines Akkordeons, der einen fröhlichen Latin-Flair vermittelt. “Acordeão“ zauberte mit einem kreativen Sound-Design jedem Hörer ein Lächeln ins Gesicht. Die Nummer gehört zu den wahrscheinlich coolsten EDM-Tracks des Jahres und sammelte auf Spotify beachtliche 7,2 Millionen Streams.



Tiësto feat. Mabel – God Is A Dancer (September)

Am 20. September legte Tiësto einen weiteren kommerziell orientierten Track nach, der vom Major-Label Universal Music promotet wurde. Nach “Ritual“ versuchte es der Niederländer also mit “God Is A Dancer“ in die internationalen Charts und Radios zu schaffen. Als Sängerin fungierte Mabel, der zu Anfang des Jahres mit “Don’t Call Me Up“ ihr großer Durchbruch gelang. Die Nummer mit Tiësto sollte ihr zweiter großer Hit werden. Der Niederländer und der Ghost-Produzent Josh Wilkinson entschieden sich für einen einprägsamen Dance-Pop-Track mit einem House-Instrumental und einer Ohrwurm-Garantie. Stilistisch ging es demnach in eine ähnliche Richtung wie Calvin Harris mit “One Kiss“. “God Is A Dancer“ schafft es tatsächlich, beim Hörer für einen Ohrwurm zu sorgen, weil die Vocals im Refrain perfekt mit dem Instrumental harmonieren. Der Song mit den Vocals von Mabel wurde zu einem kleinen Dance-Hit. 50 Millionen Streams sind eine solide bis gute Leistung für einen kommerziellen Dance-Pop-Song. 



Tiësto feat. Stevie Appleton – BLUE (Dezember)

Als Jahresabschluss veröffentlichte die niederländische DJ-Ikone am 13. Dezember die ruhige Dance-Pop-Produktion “BLUE“ mit dem talentierten Sänger Stevie Appleton, dessen Stimme bei der Nummer klar im Fokus steht. Von Anfang bis Ende stellt Tiësto das Zusammenspiel von Gitarren-Akkorden und der Stimme des britischen Musikers in den Mittelpunkt. “BLUE“ hat nur einen kurzen Drop, der sich im Bereich des Deep House wiederfindet. Zum Abschluss des Jahres bewies der Niederländer noch einmal, dass er den Hörer auch mit ruhigen Klängen überzeugen kann. Die Nummer mit Stevie Appleton passt stilistisch nicht so recht in das Jahr von Tiësto, doch betrachtet man diese als einzelne Single, haben wir es hier definitiv mit einer soliden Dance-Pop-Single zutun. Man wird dabei an die erfolgreichsten Hits von Lost Frequencies erinnert. Auf Spotify kam dieser Song bisher jedoch gar nicht gut an.



Fazit

Wenn man über das Jahr 2019 von Tiësto nachdenkt, sollte man als Erstes einmal festhalten, dass der Niederländer mit 13 Singles extrem produktiv war. Man kann die Releases in zwei Kategorien einteilen. Auf der einen Seite hatte er das “Together“-Projekt, bei dem mit unterschiedlichsten Newcomern aus der Szene zusammenarbeitete und in vielen Bereichen wie Bigroom, Bass House oder Hardtrap experimentierte. Während Tracks wie “Halfway There“ oder “Party Time“ zu überraschenden Hits wurden, floppten Songs wie “Feels So Good“ oder “Trouble“. Auf der anderen Seite veröffentlichte Tiësto kommerzielle Songs. Sowohl “Ritual“ als auch “God Is A Dancer“ brachten ihm Erfolg ein und wurden in der Szene zum Dance-Hit. Insgesamt kann man also von einem erfolgreichen Jahr 2019 sprechen, doch der Ruf des Produzenten, keinen roten Faden in den Produktionen zu haben, bleibt bestehen.

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Über den Autor
Henry Einck

Mein Name ist Henry Einck und ich habe mich im Mai 2015 der Redaktion von Dance-Charts angeschlossen. In den letzten Jahren hat sich die elektronische Musik zu meiner Leidenschaft entwickelt und ist mittlerweile neben dem Sport, der Teil meines Lebens, dem ich am meisten Aufmerksamkeit schenke. Neben dem Verfassen von Musikrezensionen und Boulevard-News, ermöglicht mir Dance-Charts durch Interviews näheren Kontakt zu den DJs. Ich sammele sowohl musikalische als auch journalistische Erfahrungen, die mich bei dem Berufswunsch des Journalisten weiterbringen könnten.

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